Die Preissteigerung der Eintrittskarten für das Böblinger Freibad betrifft prozentual gesehen ermäßigte Tickets am stärksten. Was der Jugendgemeinderat dazu zu sagen hat.
Noch laden die frostigen Temperaturen nicht wirklich zum Baden im Freien ein. Trotzdem schwelt schon jetzt der Streit über die vom Gemeinderat beschlossene Erhöhung der Ticketpreise für das Böblinger Freibad. Bis 2030 sollen die Eintrittskarten in allen Kategorien stufenweise teurer werden. Diese Änderung tritt zum Start der Freibadsaison am 9. Mai in Kraft.
Die Preissteigerung betrifft prozentual gesehen ermäßigte Tickets am stärksten. Derzeit bezahlen Menschen mit Anspruch auf diese Karten – also Kinder und Jugendliche von vier bis 16 Jahren, Schüler bis 16 Jahre, Studenten, Azubis und Menschen mit Schwerbehindertenausweis – 2,70 Euro. Ab Mai sollen die Tarife im Zwei-Jahres-Rhythmus angehoben werden. Zuerst steigt der Eintrittspreis auf drei Euro, 2028 dann auf 3,10 und 2030 schließlich auf 3,20 Euro. Bis 2030 gerechnet entspricht dies einem Plus von 18,5 Prozent. Zum Vergleich: Eine Einzelkarte für Erwachsene kostet ab dieser Saison fünf statt 4,80 Euro.
Jugendgemeinderäte kritisieren Stadt und Gemeinderat
Einige Jugendliche aus Böblingen empfinden die Erhöhung als ungerecht. Der Vorsitzende des Böblinger Jugendgemeinderats, Ilias Baumann, erklärt: „Mit großer Sorge blicke ich auf den Beschluss vom Mittwoch, die Preise zu erhöhen.“ In Zeiten, in denen Bürger durch steigende Sprit- und Lebensmittelpreise und Mieten ohnehin „finanziell unter Druck“ stünden, bliebe immer weniger Spielraum für Freizeitangebote. „Es wäre wichtig gewesen, die Menschen zu entlasten, statt sie weiter zu belasten“, findet der 18-Jährige.
„Jugendliche sehen sich in der Gesellschaft ohnehin schon zu wenig wahrgenommen.“
Ilias Baumann, Jugendgemeinderat
Ilias Baumann kritisiert das Signal, das bei seiner Altersgruppe ankomme: „Jugendliche sehen sich in der Gesellschaft ohnehin schon zu wenig wahrgenommen.“ Baumann befürchtet, dass besonders ökonomisch schlechter gestellte Menschen die Leidtragenden sein werden, wenn sie „vom Zugang zu Freizeitangeboten ausgeschlossen werden“. Und das, obwohl Bäder ein „wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens sind.“
Hinzu käme nun auch noch, dass die Öffnungszeiten des Freibads gekürzt würden. „Dadurch verschlechtert sich auch noch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Viele Bürgerinnen und Bürger werden nicht verstehen, weshalb sie künftig mehr bezahlen sollen, obwohl ihnen gleichzeitig weniger Angebot zur Verfügung steht“, so Baumann.
Auch seine Jugendgemeinderatskollegin Gabrijela Islamović sieht die Maßnahme kritisch. Obgleich die Steigerung bis 2030 absolut gesehen nur 50 Cent betrage, sei dies ein Problem: „Auch wenn für viele die Summen als sehr gering angenommen werden, müssen wir bedenken, dass junge Menschen nicht dieselben finanziellen Möglichkeiten wie Erwachsene haben.“
Böblingens Ausgaben für die Bäder sind zuletzt gestiegen
Als Gründe für die Tarifanpassungen führt das Rathaus die zuletzt um 30 Prozent gestiegenen Ausgaben an. Darunter fielen „die Steigerungen der Energie-, Material- und Personalkosten, steigende Anforderungen an die Verkehrssicherungspflicht als Bad- und Saunabetreiber, höhere Pachtzahlungen sowie geringere Gewerbesteuereffekte. Auch der jährliche Abmangel sei ein Grund, die Preise anzuheben. 2024 betrug der Mangel 2,48 Millionen Euro. Für 2025 wird mit einem Verlust von 3,71 Millionen Euro kalkuliert.
In den vergangenen sechs Jahren hat es in den Böblinger Bädern keine Preisanpassungen gegeben – vor allem auch wegen der Coronapandemie, als die Nutzung wegen Schließungen und Restriktionen stärker eingeschränkt war. Vor diesem Hintergrund sollen zum Beginn der neuen Freibad-Saison „die Bädertarife und die Nutzungsgebühren moderat angepasst werden“, schreibt die Stadtverwaltung.
Die Erhöhung betrifft auch den Schul- und Vereinssport. Für Menschen mit geringem Einkommen oder jenen, die von staatlichen Transferleistungen leben, gibt es weiterhin den Böblinger „Bonus-Pass“. Dieser gewährt vergünstigte Eintritte – zum Beispiel auch in die Schwimmbäder.