Die neue Aufzuchtstation für vernachlässigte Gorilla-Babys ist größer und höher. Foto: Jan Reich

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – die Fußballerfloskel gilt im übertragenen Sinn auch für die Stuttgarter Wilhelma. Nach den Menschenaffen, so der Tenor bei der Eröffnung der Anlage, benötigen die Elefanten rasch ein neues Gehege. Der Wilhelma-Förderverein plädiert eher für ein Heranrücken des Zoos an den Neckar.

Stuttgart - Ob Gorilla-Babys um ihren enormen Knuddelfaktor wissen? „Guck mol, des Ärschle, wie goldig“ – bei der feierlichen Eröffnung des Menschenaffenhauses ist eine der geladenen Besucherinnen kaum zu bremsen. Dabei hat Tebogo nur kurz den Blick aufs Hinterteil freigegeben.

An lobenden Worte fehlte es nicht, weder für die Tiere noch für ihr neues Zuhause. „Gigantisch“ nannte Bernhard Blaszkiewitz den Stahlbetonkoloss. Der Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin war neben etlichen anderen deutschen Zoo-Chefs eingeladenen. Nils Schmid, als baden-württembergischer Finanzminister (SPD) oberster Dienstherr des Landesbetriebs Wilhelma, sprach von einem „Aufbruch in die Moderne“ der Zootierhaltung. Die 22 Millionen Euro Baukosten, von denen das Land 11,5 Millionen trägt, seien „gut angelegtes Geld“. Wilhelma-Chef Dieter Jauch erinnerte daran, dass ohne „den moralischen Druck“ der über 28.000 Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer der Wilhelma das Projekt womöglich gescheitert wäre. 9,5 Millionen Euro kamen vom Förderverein.

Fundel: Neckar-Idee nicht als bloße Vision für eine ferne Zukunft

Dessen Vorsitzender, Flughafenchef Georg Fundel, wäre ein schlechter Lobbyist, würde er bei einer solchen Eröffnung nur Dankesfloskeln artikulieren. Der Bau des Rosensteintunnels und der damit verbundene Rückbau der Neckartalstraße vor dem Wilhema-Haupteingang biete „eine historische Chance, den Zoo zum Neckar hin zu erweitern“, so Fundel im Anschluss an die Reden. Die Wilhelma müsse sich weiterentwickeln, inhaltlich, aber auch räumlich. Ihm schwebt eine neue Anlage für Flusspferde in unmittelbarer Nähe zum Fluss vor. Klar ist bereits, dass es für die Dickhäuter mittelfristig zu eng an ihrem angestammten Platz wird. Fundel („Ich bin kein Fantast“) will seine Idee nicht als bloße Vision für eine ferne Zukunft verstanden wissen. Mit dem Stadtplaner Werner Sobek habe er bereits konkrete Ideen entwickelt, Straße und Stadtbahn zu überdeckeln oder per Brücke über die erweiterte Wilhelma zu führen. „Alles problemlos möglich“, sagt Fundel.

Und die Kosten? Die Kosten dürften nicht „als Totschlagargument“ gelten. Und das Elefantenhaus, für das der Verein vor längerer Zeit eine Millionenzusage gemacht hat? Das sieht Fundel pragmatisch, im Zweifel müssten man einmal gesetzte Prioritäten überdenken. Minister Schmid hat zunächst die Elefanten im Blick, will aber warten, „welche Ideen der Verein entwickelt“.

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