Soll im Sommer 2021 wieder gelten: Abo-Inhaber, beispielsweise vom VVS, können den Nahverkehr landesweit kostenlos nutzen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Mehr S-Bahnen in den Nachtstunden, besseres Angebot auf der S 60 – eine Mehrheit im regionalen Verkehrsausschuss hat derartige Verbesserungen wegen der Ungewissheiten in der Corona-Pandemie verschoben. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.

Stuttgart - Die Fraktionen haben 89 Anträge in die Haushaltsberatungen der Regionalversammlung eingebracht, allein 35 im Verkehrsbereich. Auf Antrag der Freien Wähler verabschiedeten die Regionalräte am Mittwoch einstimmig eine Resolution, wonach der Rettungsschirm von Bund und Land für den öffentlichen Nahverkehr auch 2021 aufgespannt werden muss, um die coronabedingt geringeren Einnahmen auszugleichen. Aus finanziellen Gründen wurden einige Anträge von Grünen, SPD und Linke/Pirat zur Verbesserung des Nahverkehrs von CDU/ÖDP, Freien Wählern, FDP und AfD gestoppt und eine Entscheidung auf Herbst 2021 verschoben. Zuerst müsse die Entwicklung der Fahrgastzahlen und der Etats von Kreisen und Städten abgewartet, die über die Umlage an die Region die zusätzlichen Angebote finanzieren. „Wir müssen priorisieren und sehen, was wir uns finanziell leisten können“, betonte CDU-Regionalrat Helmut Noe. Ins gleiche Horn blies auch Bernhard Maier (Freie Wähler): „Es geht nicht darum, was wir wollen, sondern was wir zahlen können.“ Der Kauf von neuen S-Bahn-Fahrzeugen und die Ausstattung mit der modernen Signaltechnik ETCS, beides mehrere Hundert Millionen Euro teuer, steht aber nicht zur Disposition.

Gegen Graffiti auf S-Bahn

Auf Antrag der CDU/ÖDP-Fraktion sollen Vorschläge erarbeitet werden, wie Graffiti an Zügen zu verhindern ist. Ein Antrag der Grünen, dass Sprayern eine S-Bahn gestalten können, wurde knapp abgelehnt. Einig waren sich die Regionalräte, dass das subjektive Sicherheitsgefühl, vor allem von Frauen, in den S-Bahnen verbessert werden soll, entsprechende Anträge kamen von CDU/ÖDP und SPD. Die Region reserviert für zusätzliche Streifen von Aufsichtspersonal 125 000 Euro und für neue Videoüberwachung zwei Millionen Euro. Anträge von Grünen und Linke/Pirat, den Nachtverkehr in der S-Bahn auszubauen, wurden auf eine Klausur im Herbst vertagt. Das gleiche gilt für Verbesserungen auf der Linie S 60. Abgelehnt wurde auch der Antrag von Linke/Pirat, in der Hauptverkehrszeit eines der beiden 1.-Klasse-Abteile für alle Fahrgäste zu öffnen.

Zwist um Behindertenbeauftragten

Die SPD forderte, dass ein regionaler Behindertenbeauftragter sich darum kümmern soll, dass Behinderte die S-Bahn besser nutzen können. „Barrierefreiheit und Mobilität gehören zusammen“, sagte SPD-Regionalrätin Jasmina Hostert. Der von Linken und Grünen unterstütze Antrag wurde knapp abgelehnt, die Mehrheit folgte der Einschätzung, dass die Belange schon jetzt berücksichtigt würden.

Einige Fraktionen fordern Verbesserungen im VVS-Tarif: Ausweitung des Kurzstreckentickets, Stadttickets auch für mehrere Gemeinden, 365-Euro-Ticket, bessere Mitnahmemöglichkeiten für Kinder. All dies soll auf dem VVS-Tarifsymposium im Frühjahr besprochen werden, entscheiden müssen ohnehin die Gremien des Verbunds.

Ferienabo auch 2021

In Folge der Corona-Pandemie konnten die Besitzer von Nahverkehrsabos während der Sommerferien kostenlos in allen Verbünden unterwegs sein. Auf einen Antrag der FDP hin erklärte Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler, dass eine solches Angebot auch im Sommer 2021 geplant sei.

Mehr Geld für Regiorad

Nach der großen Resonanz der Kommunen auf das Mitfinanzierungsprogramm für den Ausbau der Rad-Ausleihstationen werden die Mittel dafür bis 2026 von 500 000 auf 1 Millionen Euro verdoppelt. Pro Jahr stehen dann 170 000 Euro zur Verfügung.

Zu den drei regionalen Expressbuslinien (Leonberg-Messe, Kirchheim/Teck-Messe und Waiblingen-Esslingen) sollen keine dazu kommen, Ausnahme: im Kreis Göppingen, der 2021 neu in den VVS kommt. Dort wird die Verbindung Göppingen-Bad Boll-Kirchheim/Teck untersucht. CDU, Freie Wähler und FDP sehen die Linien wegen der geringen Zahl von Fahrgästen weiter kritisch. „Es ist gut, das Angebot kundenfreundlicher zu gestalten“, meinte FDP-Regionalrätin Gabriele Heise, „wenn es dann noch Kunden gibt.“

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