Rupert Murdoch (li.) mit seinem Sohn Lachlan. Foto: dpa/Andrew Gombert

Medienmogul Rupert Murdoch gibt das Zepter an seinen Sohn Lachlan ab. In seinem Heimatland Australien wird der mächtige Unternehmer bewundert und gehasst.

Mit 92 Jahren ist Rupert Murdoch einer der einflussreichsten Medienschaffenden der Welt. Sein Rückzug wurde in seiner Heimat Australien mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der frühere Premierminister Malcolm Turnbull sagte gegenüber dem Radiosender ABC Melbourne, bisher habe es keinen Australier gegeben, „der weltweit so großen Einfluss hatte“.

Zum Medienimperium Murdochs gehören der konservative US-Sender Fox News wie auch die Mediengruppe News Corp, die das amerikanische „Wall Street Journal“, die „New York Post“, australische Zeitungen wie „The Australian“ und britische Blätter wie „The Sun“ und „The Times“ herausbringt. Murdoch, der 1952 eine Mehrheitsbeteiligung an News Limited, dem Herausgeber einer Zeitung in Adelaide, erbte, hatte sein Imperium stetig ausgebaut – und wurde zu den einflussreichsten Männern in Australien, den USA und Großbritannien.

Gefährdete Medienvielfalt

Ex-Premier Turnbull ging mit dem Vermächtnis Murdochs hart ins Gericht: Es sei „schockierend“, dass die Murdoch-Medien die Realität der globalen Erwärmung leugnen und Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung verzögert würden. Mit Fox News habe Murdoch „ein ‚Wut-tainment‘-Ökosystem in den Vereinigten Staaten geschaffen“. Dieses habe die Amerikaner gespalten, wie dies seit dem Bürgerkrieg, als sich die Nord- und Südstaaten in der Sklavenfrage entzweiten, nicht mehr geschehen sei.

Rupert Murdoch schrieb in einem Memo an die Mitarbeiter, dass er wie sein Vater Keith stets fest an die Freiheit geglaubt habe. Gleichzeitig kritisierte er große Teile der anderen Medien. „Die Eliten hegen offene Verachtung für diejenigen, die nicht zu ihrer besonderen Klasse gehören.“ Und: „Die meisten Medien stecken mit diesen Eliten unter einer Decke und verbreiten politische Narrative, anstatt der Wahrheit nachzugehen.“

Letzteres ist ein Vorwurf, den Murdoch sich selbst auch häufiger schon gefallen lassen musste. Turnbull ist nicht der erste Ex-Premier, der sich kritisch zu Murdochs Medienmacht geäußert hat. 2020 startete der ehemalige sozialdemokratische Premierministers Kevin Rudd eine Petition, in der er der Murdoch-Presse vorwarf, die Redefreiheit und öffentliche Debatte zu untergraben. Auslöser war, dass Murdoch, der zu diesem Zeitpunkt bereits 14 der 21 großen Tages- und Wochenzeitungen in Australien besaß, in der Coronakrise auf einen Schlag 112 lokale und regionale Zeitungen aufkaufte und sie entweder komplett einstellte oder auf digital umstellte. Dadurch sah Rudd die Medienvielfalt in Australien gefährdet.

Zudem wurden Murdoch-Medien falsche oder zumindest nachlässige Berichterstattung sowie Stimmungsmache vorgeworfen. In Australien seien irreführende Artikel über das Coronavirus veröffentlicht und die Buschfeuer-Katastrophe um die Jahreswende heruntergespielt worden. Moderatoren des Murdoch-Senders Sky News Australia hätten einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Buschfeuern als „dumm“ abgetan.

Viel ändern dürfte sich nicht

Nun tritt Sohn Lachlan, 52, in Rupert Murdochs Fußstapfen. Damit verlagert sich die Führung des Murdoch-Imperiums wieder verstärkt nach Australien. Denn der jüngere Murdoch lebt seit März 2021 mit seiner Familie wieder in Sydney, wo seine in Australien aufgewachsene Frau Sarah den Lebensstil und die Schulbildung bevorzuge, wie es in lokalen australischen Medien hieß. Das Paar hat drei Kinder. Lachlan Murdoch selbst pendelt regelmäßig mit seinem Privatjet zur Arbeit bei Fox Corp in Los Angeles sowie zum Hauptsitz von News Corp in New York.

Ansonsten dürfte sich nicht allzu viel ändern. Denn, wie der Murdoch-Kritiker Turnbull betonte, Lachlan sei in seiner Herangehensweise an die Politik und das Mediengeschäft „weitgehend auf einer Wellenlänge“ mit dem Vater. Rupert Murdoch ist zudem weiter Mehrheitsaktionär. Er will sich trotz seines Rücktritts nicht völlig aus dem Mediengeschäft zurückziehen, wie er in seinem Mitarbeiter-Memo schrieb. „Während meines gesamten Berufslebens habe ich mich täglich mit Neuigkeiten und Ideen beschäftigt, und das wird sich auch nicht ändern.“

Das Unternehmen sei „in einer robusten Verfassung“, genau wie er selbst auch. Er werde auch weiterhin „unsere Sendungen mit kritischem Auge verfolgen, unsere Zeitungen, Websites und Bücher mit großem Interesse lesen und mich mit Gedanken, Ideen und Ratschlägen an Sie wenden“.