Hermann Beck bleibt bei seiner Haltung in der Debatte um die Stadtbücherei. Foto: l/nes Rudel

Lange Jahre hat sich Hermann Beck in der Esslinger SPD engagiert, zuletzt als beratendes Mitglied im Sportausschuss des Gemeinderats. Wegen Differenzen in der Bücherei-Debatte hat er sein Amt nun niedergelegt. Das sind die Hintergründe.

Hermann Beck zählt für viele zu den Gesichtern der Esslinger SPD. Einst saß er für die Sozialdemokraten im Gemeinderat, zuletzt brachte er seine Erfahrung als beratendes Mitglied im Sportausschuss ein. Nun wurde er im Verwaltungsausschuss „von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als beratendes Mitglied der SPD-Fraktion im Sportausschuss abberufen“. Für ihn rückt Renate Weber nach. Kenner der Kommunalpolitik sehen bei Beck keine Spur von Amtsmüdigkeit. Dass er zuletzt in der Stadtbücherei-Debatte mit seiner Fraktion über Kreuz lag, ist ein offenes Geheimnis.

 

Klare Haltung

Ob als Vorsitzender des TV Hegensberg oder bis vor kurzem als Interimsgeschäftsführer, der die Familienbildungsstätte wieder auf Erfolgskurs gebracht hat – Beck ist sehr aktiv. Mit derselben Energie hatte er sich 2019 für das von Wolfgang Drexler, Ulrike Gräter und Klaus Hummel initiierte Bürgerbegehren zur Stadtbücherei eingesetzt. Umso enttäuschter war er, als sich 2022 abzeichnete, dass die per Bürgerentscheid mit überwältigender Mehrheit beschlossene Bücherei-Erweiterung gekippt wird. Beck gründete einen Unterstützungskreis, der dafür kämpfte, dass sich die Stadt nicht mit einer „kleinen, feinen Sanierung“ der bestehenden Bibliothek begnügt. Und als der bisherige Vorstand des Bücherei-Fördervereins nach heftiger Kritik aus den Reihen der Mitglieder nicht zur Wiederwahl antrat, übernahm Beck den Vorsitz – sein Vorgänger war der SPD-Co-Vorsitzende Daniel Blank.

Damit hat sich Beck in der Fraktion keine Freunde gemacht. Nach Gesprächen ließ er seine Mitwirkung in der Fraktion erst ruhen. Nun hat er sein Mandat als beratendes Mitglied im Sportausschuss niedergelegt. Meist gehen solche Personalien geräuschlos über die Bühne – diese endete mit Dissonanzen. Martin Auerbach (Linke) fand: „Wenn sich jemand drei Jahrzehnte in einem Sportverein über die Maßen engagiert, wundert man sich schon, dass er ein starkes Jahr vor den Kommunalwahlen zurücktritt.“ Auf Nachfrage habe er die Antwort erhalten, dass der Rückzug mit Becks Engagement im Förderverein der Bücherei zu tun habe: „Hermann Beck ist nur seinem Gewissen verpflichtet. Dass er sich nach Kräften für die Stadtgesellschaft einsetzt, darf kein Grund sein, ihn zu sanktionieren.“

Heißer Schlagabtausch

Auerbachs Beitrag wurde im Verwaltungsausschuss von Unmutsbekundungen mehrerer Fraktionen begleitet. SPD-Fraktionschef Nicolas Fink erklärte: „Hermann Beck hat von sich aus gesagt, er möchte nicht mehr in dem Gremium dabei sein.“ Auerbachs Rede sei „unterirdisch“ und „schädlich für die Kommunalpolitik“. Und Bürgermeister Ingo Rust fand: „Es gibt ein gutes Einvernehmen im Gemeinderat, dass die anderen Fraktionen nicht die Gründe dafür überprüfen, dass beratende Mitglieder eingesetzt oder abberufen werden.“ Auf Nachfrage unserer Zeitung präzisierte Fink: „Im Rahmen der Neuaufstellung des Fördervereins der Stadtbücherei gab es unterschiedliche Positionen zwischen beteiligten Personen. Dies hat zu verschiedenen Gesprächsrunden auch mit Hermann Beck geführt. Als Ergebnis hat er sein Mandat niedergelegt. Dies gilt es zu akzeptieren. Mit Anstand und mit Respekt. Diesen Respekt spricht die SPD-Fraktion Herrn Beck ausdrücklich aus. Wir freuen uns weiterhin, ihn zu treffen – auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins der Bücherei.“

Beck mag nicht nachkarten, räumt jedoch ein: „Ich habe diese ehrenamtliche Aufgabe immer gerne wahrgenommen und hätte sie gerne bis zum Ende der Wahlperiode weitergeführt.“ Seiner Entscheidung, das Amt niederzulegen, seien offene Gespräche vorausgegangen, inwieweit sich seine Aktivitäten in Sachen Stadtbücherei mit seiner Rolle als beratendes Mitglied der SPD-Fraktion vertragen. Seiner Haltung bleibt Beck treu: „Ich bin weiter überzeugt, dass der Bürgerentscheid zur Erweiterung der Bücherei zu respektieren ist und dass unsere Bibliothek deutlich mehr Platz braucht.“