Wechsel für die Familie Härter als jedes Eishockey-Spiel

Von Michael Bosch 

Frédérik Cabana hat in Bietigheim bei den Steelers seine sportliche Heimat gefunden Foto: Baumann
Frédérik Cabana hat in Bietigheim bei den Steelers seine sportliche Heimat gefunden Foto: Baumann

Für viele Sportler ist ein Abstieg gleichbedeutend mit einer Katastrophe. Für Eishockey-Profi Frédérik Cabana war der Wechsel aus der ersten in die zweite Liga die logische Konsequenz aus seiner privaten Situation.

Bietigheim-Bissingen - Frédérik Cabana freut sich auf das Heimspiel der Bietigheim Steelers an diesem Freitag (19.30 Uhr) in der Ege-Trans-Arena gegen die Dresdener Eislöwen. Er hat wieder Spaß am Eishockey, der gebürtige Kanadier. Endlich wieder. Das war in den vergangenen zwölf Monaten nur sehr selten der Fall. Für den Eishockey-Profi war das vergangene Jahr „eine schwere Zeit“. Ein kurzer Rückblick.

Der Leidensweg des 28-Jährigen beginnt am 3. Januar 2014. Cabana, der das Trikot der Hamburg Freezers trägt, wird im DEL-Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers von hinten heftig gecheckt und knallt mit dem Kopf an die Bande. Diagnose: Gehirnerschütterung – es ist nicht das erste Mal in seiner Karriere.

Cabana steht für mehrere Monate nicht mehr auf dem Eis. Im Oktober diagnostizieren die Ärzte ein postkommotionelles Syndrom, die Folgen des Unfalls sind Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Cabana hat mit dem Kapitel Hamburg Freezers abgeschlossen. Er fühlt sich unwohl in der Hansestadt, verfällt in eine Depression. „Ich hatte überhaupt keinen Spaß mehr“, sagt Cabana, „wenn das der Fall ist, hat es keinen Wert mehr zu spielen. Ich brauchte einen Neustart.“

Wo Cabana hinwill, ist klar: in den Süden, zu seiner Familie. In Obersulm in der Nähe von Heilbronn leben Tochter Rosalie und Frau Tamara. Am 30. November löst Cabana seinen Vertrag mit dem DEL-Club auf und unterschreibt in Bietigheim beim Zweitligisten. „Ich kannte Co-Trainer Marc St. Jean und hatte nur Gutes gehört“, meint Cabana.

Die halbe Stunde Autofahrt zum Training jeden Tag nimmt er gerne in Kauf. Viel wichtiger ist es ihm, dass er Sport und Familie wieder vereinbaren kann. Mit Frau Tamara an der Seite, die im April die zweite Tochter erwartet, geht es dem Kanadier auch seelisch wieder besser, und der Spaß am Eishockey ist zurückgekehrt. „In Hamburg hat einfach nichts mehr zusammengepasst“, sagt Cabana, „in Bietigheim passt alles!“

Die Verantwortlichen der Freezers waren allerdings nicht begeistert, als sie vom Wechsel des Stürmers zu den Steelers erfahren. Man fühle sich „getäuscht“, hieß es in einer Stellungnahme des Clubs.

Noch höher kochten die Emotionen bei den Hamburger Fans. In sozialen Netzwerken wurde Cabana als „Schauspieler“ bezeichnet, der die psychische Erkrankung als Vorwand benutzt hätte, um die Vertragsauflösung zu erzwingen. „Natürlich war das nicht leicht für mich, mit den Reaktionen der Fans umzugehen“, sagt Cabana, „in so einer Situation wird dann immer viel geredet. Fakt ist: niemand wusste, wie es wirklich in mir aussieht.“

Deshalb bereut der 28-Jährige den Wechsel nach Bietigheim nicht. „Das Umfeld ist super“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe nie in einem Team mit so einer guten Chemie gespielt.“

Ob Frédérik Cabana über die Saison hinaus im Ellental aufs Eis laufen wird, ist ungewiss. Er besitzt einen Vertrag bis Saisonende, er kann sich gut vorstellen, länger an der Enz zu bleiben. „Ich fühle mich pudelwohl. Gerne spiele ich hier noch zehn oder zwölf Jahre und beende mit 40 die Karriere“, sagt Cabana und grinst.

Ein Wiedersehen mit den Hamburgern schließt er auch nicht aus. Seiner Meinung nach könnten die Steelers auch in der DEL mithalten. „Vielleicht bekommt es der Verein mit dem Aufstieg ja hin, und ich bekomme eine zweite Chance in der DEL“, sagt Cabana. Ein Sieg über Dresden wäre fürs Erste auch nicht schlecht.

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