Barbara Resch folgt in der Bezirksleitung der IG Metall auf Roman Zitzelsberger. Foto: Julian Rettig/Julian Rettig

Der Wechsel von Roman Zitzelsberger zu Barbara Resch in der Bezirksleitung der IG Metall Baden-Württemberg erfolgt weitgehend unspektakulär – bis auf einen Punkt.

Der Wechsel – so aufsehenerregend er im vorigen Jahr zustande gekommen ist – erfolgt routiniert: „Heute ist mein letzter Tag als Bezirksleiter, und morgen wird Barbara Resch das übernehmen“, sagt Roman Zitzelsberger bei seiner letzten Jahrespressekonferenz. Nach zehn Jahren an der Spitze der baden-württembergischen Bezirksleitung ist Schluss. Noch zwei Monate stehe er „im Hintergrund auf Wunsch beratend zur Verfügung“, dann werde er zum 31. März aus der IG Metall aussteigen.

 

Er habe noch vieles zu tun: Die Nachfolgerin habe ihn „insbesondere darauf hingewiesen, schnellstmöglich den Schreibtisch und den Schrank sauber zu machen, damit sie ordentlich einziehen kann“, scherzt der 57-Jährige. Einen „persönlichen Jahresrückblick“ verkneift er sich, wohl weil dieser nicht ohne bittere Zwischentöne auskäme, nachdem 2023 für ihn nicht so gut verlaufen ist, wie es die Jahre zuvor zu erwarten war.

Aus für das Sozialpartnermodell noch nicht überwunden

Eine Ausnahme macht er bei der betrieblichen Altersversorgung: Da hat der Gewerkschaftstag mehrheitlich gegen die baden-württembergische Lösung für das Sozialpartnermodell gestimmt, sodass es vom Vorstand aufs Abstellgleis geschoben wurde. Zitzelsberger hat sich mit der Materie etwa sieben Jahre lang befasst und die Entscheidung offenbar noch nicht überwunden. „Ich glaube, dass nicht alle, die das abgelehnt haben, sich wirklich in der Tiefe in das Thema so reingearbeitet haben, um es auch fachlich sauber beurteilen zu können“, moniert er in einer „persönlichen Anmerkung“.

Und er betont – weil sich viel Kritik in der Organisation an ihm selbst entzündet hatte –, dass die Verhandlungen mit Südwestmetall zur Betriebsrente „keine Privatveranstaltung“ von ihm gewesen sei. Vielmehr seien die Resultate „mit fast hundertprozentiger Mehrheit durch die Große Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg mehrmals bestätigt“. Nun sei man zwar an die Beschlüsse des Gewerkschaftstags gebunden, doch wolle er deutlich sagen: „Damit ist das Thema nicht gelöst, nämlich dass die Menschen im Alter eine gute Versorgung haben.“ Mit anderen Worten: Jetzt sollen seine Kritiker eine gute Alternative beibringen.

„IG Metall muss konkrete Ergebnisse liefern“

Wer für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen wolle, müsse Probleme lösen und dürfe „keine Abstraktion in den Raum stellen“. Dieser Aufgabe müsse sich auch die IG Metall stellen, mahnt er mit Verweis auf die Spaltungstendenzen im Land. Die Gewerkschaft habe eine besondere Rolle: „Das, was die Menschen wirklich brauchen und wollen, nämlich konkrete Ergebnisse, tatsächlich auch zu liefern und sichtbar zu machen.“

Nun ist die Ära Zitzelsberger beendet, weshalb sich der einstige Hoffnungsträger vieler Metaller im Südwesten zu „Zukunftsthemen“ gar nicht mehr äußern will. Barbara Resch, die ihre erste Pressekonferenz ausgerechnet am 49. Geburtstag bestreiten musste, war vorige Woche vom Vorstand der IG Metall zur Bezirksleiterin ernannt worden. An diesem Donnerstag übernimmt sie die Amtsgeschäfte, die ihr als bisheriger Leiterin des Tarifteams nicht ganz fremd sind.

Resch verspricht Kontinuität

„Ich empfinde es als einen sehr angenehmen Übergang“, sagt die gebürtige Oberbayerin. Eine solche Staffelübergabe habe sie in der IG Metall noch nie erlebt. Zitzelsberger übergebe „ein gut bestelltes Haus“, da wolle sie für Kontinuität sorgen. „Es wird ohne Bruch fortgehen.“ Vor allem in der Tarifpolitik müsste der Bezirk seine Arbeit so gut machen wie in der Vergangenheit, „dann erhalten wir uns die Stärke in der IG Metall“.

Auch Resch bekennt, dass die AfD in der Mitgliedschaft „für uns ein Thema ist“. Untersuchungen zufolge wählt ein Teil der Metaller diese Partei – männliche Gewerkschaftsmitglieder in der mittleren Altersgruppe sogar überproportional. „Deswegen ist es jetzt so wichtig, dass wir in den Betrieben mit unseren Beschäftigten darüber diskutieren.“ Gerade seien dazu auch Materialien veröffentlicht worden. „Den einen oder anderen muss man auch mal überzeugen, dass die AfD nicht die richtige Wahl ist.“

„Keine Problemlöser, sondern Gesellschaftsspalter“

Die AfD sei eine „rechtsextremistische, zum Teil faschistische Partei“ und habe auf wichtige Fragen nur „populistische Antworten, Parolen und irgendwelche abstruse Vorstellungen“ parat, ergänzt Zitzelsberger. „Das sind keine Problemlöser, sondern Hetzer und Gesellschaftsspalter.“ Beide geben die Parole „Klare Kante gegen rechts“ aus.

Weil der Hang zu den Rechtspopulisten auch in der Mitgliedschaft aus der allgemeinen Verunsicherung um die Arbeitsplätze resultiert, fordert die neue Bezirksleiterin zudem von der Politik mehr Investitionen in Standortsicherungen sowie ein klares Bekenntnis zum Industriestandort. Nur mit staatlichen Investitionen könne der Strukturwandel aktiv gestaltet und die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region gewährleistet werden, sagt sie.