Thekla Walker zieht sich aus der Parteispitze zurück. Foto: dpa

Nach fünf Jahren an der Parteispitze will sich Thekla Walker jetzt ganz auf ihre Arbeit als Landtagsabgeordnete konzentrieren. Die Grünen wählen im November einen neue Landesparteichefin.

Stuttgart - Nach fünf Jahren an der Spitze der baden-württembergischen Grünen gibt Thekla Walker ihren Posten als Landesvorsitzende auf. Das erklärte die 47 Jahre alte Landtagsabgeordnete gegenüber dieser Zeitung. Nun werden die Grünen bei ihrem Parteitag am 19. und 20. November in Schwäbisch Gmünd eine neue weibliche Vorsitzende wählen. Turnusmäßige Vorstandswahlen stehen erst im Jahr 2017 an. Der Rückzug Walkers war allgemein erwartet worden, weil die Stuttgarterin bei der Landtagswahl im März in Böblingen das Direktmandat gewonnen hat und seither im Parlament sitzt. Walker ist wie ihr Pendant Oliver Hildenbrand bis zum Jahr 2017 als Vorsitzende gewählt. Hildenbrand bleibt im Amt.

„Ich will mich voll und ganz auf meine neue Aufgabe konzentrieren“, sagte Walker. „Jetzt kann ich umsetzen, wofür ich die letzten fünf Jahre gearbeitet habe“, sagte die scheidende Vorsitzende dieser Zeitung. Die Änderung des Landtagswahlrechts nannte sie als großes Anliegen.

Walker zieht positive Bilanz

Über ihre Arbeit als Landeschefin zog Walker eine positive Bilanz. „Es war mir eine große Freude, Landesvorsitzende zu sein. Die Arbeit ist sehr erfolgreich gewesen“. Mit ihrer fünfjährigen Amtszeit ist Thekla Walker die Frau, die sich am längsten an der Spitze der Südwest-Grünen gehalten hat. Länger als Walker hat nur Andreas Braun die Grünen geführt, nämlich sieben Jahre lang. Winfried Hermann brachte es wie Walker auf fünf Jahre als Landesvorsitzender.

Wie die Grünen hat auch die Waldorfklassenlehrerin in fünf Jahren einen bemerkenswerten Höhenflug hingelegt. Walker saß gerade mal zwei Jahre im Stuttgarter Gemeinderat und war landespolitisch ein unbeschriebenes Blatt. als sie 2011 für viele überraschend zur Landesvorsitzenden und Nachfolgerin von Silke Krebs gewählt wurde, die zur Staatsministerin avancierte. Nicht wenige zweifelten am politischen Gewicht der Quereinsteigerin, die als Naturpädagogin allenfalls Erfahrungen im Natur- und Umweltschutz vorweisen konnte.

Jetzt ist Walker stellvertretende Vorsitzende der größten Landtagsfraktion und finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. Sie kann sich rühmen, dass die Grünen während ihrer Amtszeit als Landesvorsitzende zur stärksten Kraft im baden-württembergischen Landtag aufgestiegen sind, und bei der Kommunalwahl 2014 die meisten Mandate hinzu gewonnen haben. Zweifellos standen die Parteivorsitzenden dabei im Schatten des Ministerpräsidenten. Doch Walker stellt ihr Licht nicht unter den Scheffel. „Nach dem großartigen Erfolg bei der Landtagswahl ist die Partei in einem hervorragenden Zustand“, sagt die Vorsitzende. Als Parteiführung habe auch sie „stark zur Professionalisierung beigetragen“.

Komplizierter Start

Der Start als Vorsitzende war nicht einfach. Im Oktober 2011 kam Walker ins Amt, im November stand der Volksentscheid zu Stuttgart 21 an. Zudem war die Partei nicht gewohnt, Regierungspartei zu sein. Der Volksentscheid wurde verloren. „Es war nicht klar, wohin das die Grünen führt“, erinnert sich die Vorsitzende. Doch es ging gut aus. „Wir konnten die Partei gut zusammenhalten, das war damals nicht selbstverständlich“. Inzwischen haben sich die baden-württembergischen Grünen ans Regieren gewöhnt und ihr Wahlergebnis von 2011 sogar noch gesteigert. „Damit hatte niemand gerechnet“, sagt Walker, sich über den erfolgreichen Wahlkampf freuend. Auch in die Koalitionsverhandlungen mit der CDU sei die Partei bestens vorbereitet gegangen.

Dass die Landes-Grünen seit dem Jahr 2011 nur noch dazu nicken, was Winfried Kretschmann will, das weist Walker weit von sich. „Wir sind kein Applaudierverein, nach wie vor wird um die Sache gerungen“, insistiert die Mutter zweier Söhne. Überhaupt stört es Walker, dass Kretschmann und die Grünen gerne auseinander dividiert werden: „Wir stehen voll hinter Winfried Kretschmann“, sagt die Landeschefin „und Winfried Kretschmann ist auch ein Grüner.“

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