Hören auf: der THW-Ortsbeauftragte Matthias Schultheiß (links) und dessen Stellvertreter Simon Salin Foto: Simon Granville

Matthias Schultheiß war seit Anfang 2010 Ortsbeauftragter des THW in Leonberg. Nun gibt er sein Amt ab und blickt auf seine Tätigkeit zurück. Auch sein Stellvertreter tritt ab. Beide bleiben den Helfern aber erhalten.

Hätten Matthias Schultheiß’ Eltern einstmals keine Bäckerei geführt, wäre er wahrscheinlich nicht so selbstverständlich mit dem Technischen Hilfswerk in Leonberg in Kontakt gekommen. So war es eine glückliche Fügung, dass die Helfer für ihre Feste und Feierlichkeiten Anfang der 1980er-Jahre stets Backwaren aus eben jener Bäckerei bezogen.

 

Und irgendwann stellte der damalige Ortsbeauftragte bei einem Tag der offenen Tür auch die Frage, warum der kleine Matthias denn eigentlich nicht bei der Jugendgruppe mitmachen möchte. Dass er es später einmal selbst zum Ortsbeauftragten – also quasi zum Leonberger THW-Chef – bringen würde, aber das war damals natürlich noch überhaupt kein Thema.

Ganz normal, dass sowohl der Ortsbeauftragte als auch der Vize gehen

Bei Simon Salin war es ein bisschen anders. „Drei von meinen Kumpels hatten nie mittwochs Zeit. Da waren die beim THW.“ Das Trio nahm ihn schließlich einfach mal mit, 1994 trat er der Jugendgruppe bei.

16 Jahre später, im Januar 2010, wurde er gemeinsam mit Matthias Schultheiß an die Spitze des Leonberger Ortsverbands gewählt: Schultheiß als Ortsbeauftragter und Nachfolger von Otto Kretschmar, Salin als dessen Stellvertreter. Nun macht das Duo den Weg frei für die Nachfolger. Dabei ist es beim THW seit langem ganz normal, dass die Wechsel stets im Doppelpack über die Bühne gehen. „Das ist wie beim US-Präsidenten und seinem Vize“, versucht sich Salin an einer Erklärung.

Matthias Schultheiß ist heute 53 Jahre alt, Simon Salin 43. Als sie sich für das THW entschieden haben, war es für beide ein interessantes Hobby. „Das war Technik und Abenteuer“, sagt Matthias Schultheiß, „und irgendwann realisiert man, dass man ja auch anderen Menschen hilft.“ Dass sie durch ihre Verpflichtungen beim THW auch die damals noch geltende Wehrpflicht umgehen konnten, war für beide nicht mehr als ein willkommener Nebeneffekt.

Radlader im Einsatz: Im Jahr 2024 war das Leonberger THW zum Beispiel beim Hochwasser in Rudersberg vor Ort. Foto: privat

Die Werdegänge des Führungsduos sind ganz unterschiedlich – und sie zeigen gleichzeitig die Vielseitigkeit des Technischen Hilfswerks auf. Matthias Schultheiß, ausgebildeter Elektroniker und seit langem als Netzwerkmanager in der IT tätig, hat in den 1990er-Jahren einige Stationen als Trupp- und Zugführer sowie Leiter der Fachgruppe Infrastruktur vorzuweisen.

Zweimal sprang er über kurze Zeiträume auch als stellvertretender Ortsbeauftragter ein. „Einige haben damals gesagt: Wenn du ständig die Klappe offen hast und sagst, was nicht funktioniert, dann mach’ es doch selber“, sagt er und lacht. Simon Salin, beim Leonberger Unternehmen Geze als Qualitätstechniker tätig, hatte bis zum Januar 2010 den Posten des Ausbildungsbeauftragten inne.

Auch im Ahrtal war das Leonberger THW im Einsatz

Beide sind sich einig: Man sieht in der Tätigkeit als Helfer Dinge, die andere nicht sehen. „Zum Beispiel bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021“, nennt Schultheiß ein Beispiel. Im Gegensatz zu vielen anderen Fällen seien die Einsatzkräfte dort direkt und unmittelbar mit der betroffenen Bevölkerung konfrontiert gewesen. „Die Leute hatten ein riesiges Mitteilungsbedürfnis – das hat nicht jeder Helfer gut vertragen“, gesteht er. Simon Salin ergänzt: „Wir können nur dafür sorgen, dass das Chaos beseitigt wird und alles wieder anläuft.“

Es sei aber schon ein komisches Gefühl, sich nach einer Woche Einsatz ins Auto zu setzen „und daheim ist alles gut“. Das findet auch der Noch-Ortsbeauftragte: „Interessant für einen selber wird es erst, wenn der Einsatz vorbei ist. Für die Tätigkeiten vor Ort sind wir ausgebildet und spulen das ab.“ Simon Salin zum Thema: „Wir sind wie ein Schweizer Taschenmesser, das man rausholt, wenn man es braucht und die kleinen Werkzeuge ausklappt, die notwendig sind.“

Ein weiterer wichtiger Teil von Schultheiß’ Tätigkeit war die Zusammenarbeit mit Politik und das Agieren in verschiedenen Gremien. So implizierte er zum Beispiel die Fachgruppe Ölschaden in Leonberg – die einzige in ganz Baden-Württemberg. Auch die Fachgruppe Räumen und die Beschaffung eines Radladers fällt in seine Amtszeit – nicht zu vergessen die Tatsache, dass der Nachwuchs der Leonberger Ortsgruppe zweimal Bundesjugendsieger wurde. „Dafür braucht es einen Motor, und der war nun mal Matthias“, sagt Simon Salin. Allerdings mussten auch schwierige Situationen überstanden werden – wie im Jahr 2011, als sich die damalige sechsköpfige Gruppe Infrastruktur mit Misstönen aus dem Ortsverband ausklinkte.

Ziehen an einem Strang: die Helfenden des Leonberger THW, hier beim Hochwassereinsatz im Frühjahr 2024 in Blieskastel (Saarland) Foto: privat

Und auch auf das einstige Konkurrenzdenken zwischen der Feuerwehr und dem THW kommen die beiden zu sprechen. „Mit der Leonberger Feuerwehr haben wir seit langem ein sehr gutes Verhältnis“, betont Schultheiß. Seit 2008 ist das THW Teil des Gefahrgutzugs der Brandschützer. „Es ist völlig normal, dass THWler in der Feuerwache sind.“ Auch in Führungsgremien auf Landkreisebene sei das Technische Hilfswerk vollwertiges Mitglied.

Matthias Schultheiß hofft nun auf Normalität

Aber was kommt jetzt? „Ich hoffe ein bisschen auf Normalität“, sagt Schultheiß, der laut eigener Aussage derzeit „ziemlich am Anschlag“ ist. Dem THW wird er als Fachberater weiterhin erhalten bleiben. „Ich werde quasi zum Vertriebler“, sagt er lachend und erklärt: „Ich stelle an verschiedenen Orten vor, was das THW im Einsatzfall übernehmen könnte.“ Auch Simon Salin bleibt beim THW, er wird in einer Fachgruppe weiter mithelfen.

Und natürlich sind auch die Nachfolger des Duos schon gefunden. Für Matthias Schultheiß übernimmt Daniel Lok, für Simon Salin rückt Immanuel Munzinger nach. Die feierliche Amtsübergabe mit geladenen Gästen findet am Freitag, 10. Januar, in der Steinturnhalle statt.

Das THW in Leonberg und Deutschland

THW in Leonberg
Der Leonberger Ortsverein hat derzeit 90 aktive Helfende und 25 Mitglieder in zwei Jugendgruppen. Hinzu kommen etwa zehn Mitglieder der Alters- und Ehrengruppe.

Standort
Als der Noch-Ortsbeauftragte Matthias Schultheiß erstmals über ein Engagement beim THW nachachte, befand sich dessen Magazin noch auf dem Areal der Volksbank gegenüber dem Leo-Center. Wenig später wechselte man auf das Gelände des heutigen Rewe an der Römerstraße. Inzwischen ist man an der Mollenbachstraße heimisch – im Raum steht aber auch ein Umzug in die ehemalige Straßenmeisterei in der Niederhofenstraße.

THW in Deutschland
88 000 ehrenamtliche und 2200 hauptamtliche Helfer sowie 800 Personen im Bundesfreiwilligendienst engagieren sich bundesweit im THW. Es gibt 668 Ortsverbände, 66 Regionalstellen und acht Landesverbände. Die THW-Leitung sitzt in Bonn.