Rainer Wieland könnte neuer Regionalpräsident werden. Der 67-Jährige Christdemokrat ist seit langem im politischen Betrieb. Sein Vorgänger und Parteifreund Thomas Bopp hat die Latte an der Spitze der Region hochgelegt. Wielands neue Aufgabe wird nicht leicht, kommentiert Redakteur Christian Milankovic.
Die Formulierung gehört zum Standardrepertoire in Texten über Personalwechsel: Die Fußstapfen, die der Vorgänger hinterlässt, sind groß, der Nachfolger muss alles daran setzen, sich nicht darin zu verlaufen. So abgedroschen das klingt, so richtig ist es im Fall der sich nun abzeichnenden Personalie an der Spitze der Regionalversammlung. Auf den Langzeitvorsitzenden Thomas Bopp soll nach dem Willen der bei der Regionalwahl siegreichen CDU Rainer Wieland folgen. Der 71-Jährige geht, der 67-Jährige übernimmt. Soweit die schlichte Analyse mit Blick auf die Lebensdaten. Offenbar braucht es Lebenserfahrung im regionalen Spitzenamt.
Große Erfahrung in der Politik
Der Neue kennt das politische Geschäft. 27 Jahre lang war er im Europaparlament, 15 Jahre lang agierte er dort als Vizepräsident, der Regionalversammlung gehört er seit 1994 an. Es dürfte schwierig werden, ihn mit irgendeiner Entwicklung zu überraschen. Die regionale Agenda der kommenden Jahre ist dicht gepackt. An Gelegenheiten sich zu bewähren, wird es Rainer Wieland nicht fehlen.
S-Bahn und Stuttgart 21 als Herausforderungen
Die Dauer-Misere bei der S-Bahn nimmt den Menschen einen Teil ihrer Mobilität. An die Deutsche Bahn ist die Region zwar noch bis 2032 vertraglich gebunden. Eine Aufgabe, die sich der Versammlung und ihrem designierten Vorsitzenden alsbald stellen wird, ist die Neuausschreibung der Verkehre inklusive eines Lastenhefts, das eine Fortsetzung der aktuellen Zustände ausschließt.
Die große Unbekannte ist Stuttgart 21. Die Region als Projektpartner ist finanziell ins Risiko gegangen, als spät im Projektverlauf noch die Ausrüstung mit digitaler Sicherungstechnik dazu kam, die nun mitursächlich für die abermalige Verschiebung auf 2026 ist. Die Region gibt viel Geld dafür aus, dass ihre S-Bahnen fit für die neue Technik gemacht werden. Für Thomas Bopp war das eine entscheidende Weichenstellung.
Transformation als Thema
Abseits davon gilt es die Transformation der regionalen Wirtschaft zu begleiten und das in einem Umfeld, in dem bestehende Gewerbeflächen rar und neue nur schwer auszuweisen sind. Erst vor kurzem hat sich die Region – Stichwort Energiewende – in einen Suchprozess begeben, wo große Photovoltaikanlagen entstehen könnten. Die bereits vor längerer Zeit begonnene Suche nach möglichen Windkraftstandorten zeigt ebenso eindrucksvoll wie ermüdend, wie zäh das regionale Geschäft sein kann.
Und dann ist da noch die Internationale Bauausstellung 2027, die dem Architekten Bopp als Präsidenten ein Herzensanliegen ist. Ob sich der Jurist Wieland ähnlich begeistern wird können, bleibt abzuwarten.
Der Wechsel auf Spitzenpositionen gehört zum politischen Alltag und stärkt die Demokratie. Doch Veränderung ist kein Selbstzweck, sie muss einen erkennbaren Schritt nach vorne bringen. Auf Rainer Wieland wartet keine leichte Aufgabe.