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Stuttgart 21: Wasserwerfer haben schlimme Folgen - Unterschiedliche Angaben über Verletzte.

Stuttgart - Der massive Polizeieinsatz mit Wasserwerfern im Schlossgarten hat am Donnerstag zahlreiche Verletzte gefordert. Das Vorgehen könnte für zwei Demonstranten gegen Stuttgart 21 katastrophale Folgen haben. Sie drohen zu erblinden.

Sowohl die Augenklinik des städtischen Klinikums als auch die Charlottenklinik für Augenheilkunde versorgen je einen Patienten. Beide haben erhebliche Augenverletzungen. „Der Patient ist glaubhaft. Seine Aussagen passen zu dem, was ich am Auge sehe“, sagt Dr.Gangolf Sauder, der Chefarzt der traditionsreichen Charlottenklinik.

Der 22 Jahre alte Betroffene habe durch den Wasserwerfer-Einsatz ein „sehr schweres Trauma“ an den Augen erlitten. „Er nimmt Licht wahr, wir haben uns deshalb entschlossen, nicht zu operieren. Wir warten, ob sich das Blut in den Augen auflöst“, schildert Sauder das Vorgehen der Fachklinik. Sauder macht dem jungen Mann Hoffnung. Entwarnung könne es vielleicht in etwa drei Wochen geben, sagt er.

„Ein Wasserwerfer kann einen Menschen umreißen. Trifft er das Auge, ist dass wie ein stumpfer Schlag“, so Sauder. Das Auge könne dabei aufreißen. Auch die Blutgefäße im Auge können reißen. Es droht grauer Star, auch eine Netzhautablösung ist möglich. Verletzungen wie am Donnerstag, als noch fünf weitere Fälle ambulant zu behandeln waren, habe er trotz langjähriger Praxis „noch nie gesehen“, sagt Sauder, die Auswirkungen von Reizgas dagegen schon oft. Das Spülen des Auges mit sauberem Wasser sei gegen Pfefferspray oder Reizgas hilfreich. Diese Mittel seien aber „extrem unangenehm und schmerzhaft“, so Sauder, eine Augencreme könne helfen.

Murawski: "Erschütternde Bilanz"

Auch in der Augenklinik der Landeshauptstadt mussten Verletzte versorgt werden. Man sei am Donnerstag gegen 17 Uhr informiert worden und von da an in Alarmbereitschaft gewesen, schildert Professor Claude Krier, der Klinische Direktor der städtischen Häuser, die Lage. Eingeliefert wurden neun Demonstranten. Die Aufnahme vermerkt „drei Patienten mit schweren Verletzungen infolge von Pressungen durch Wasserstrahl/Wasserwerfer“.

Zwei wurden noch in der Nacht operiert. „Bei einem besteht die Gefahr der Erblindung (Linsenluxation plus Netzhautablösung), es wird alles getan, um dies noch zu verhindern“, fasst Krier die Lage am Freitag für die Stadt schriftlich zusammen. Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski (Grüne) spricht von einer „erschütternden Bilanz“.

Nach einer Zählung, die von der Rettungsleitstelle und der Polizei am Freitagmorgen veröffentlicht wurde, hat es 114 Verletzte gegeben. Diese wurden zumeist ambulant in den Behandlungsplätzen im Schlossgarten beim Café am See sowie im Bereich Schillerstraße versorgt. Zusätzlich mussten 16 Betroffene in Krankenhäuser gebracht werden. Nach Angaben der Polizei wurden zudem sechs Polizisten verletzt. Unbekannte hätten Feuerwerkskörper gezündet und vereinzelt Flaschen geworfen.

Wie viele Verletzte es tatsächlich gab, ist allerdings unklar. Die Parkschützer hatten einen eigenen kleinen Sanitätsdienst im Einsatz, der ebenfalls betroffene Demonstranten betreute. „Wenn die nicht zu unseren Rettungskräften gekommen sind, wurden sie auch nicht registriert“, sagt Frank Knödler, der als Leiter der Branddirektion für die gemeinsame Leitstelle von DRK und Feuerwehr verantwortlich war. Die Parkschützer sprechen von „mehreren Hundert“ Betroffenen beziehungsweise „an die 400 Augenverletzungen“.

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