Der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Norbert Barthle (links), hat die erste Tankfüllung vorgenommen. Foto: Horst Rudel

Premiere im Kreis Esslingen: In Wendlingen hat die erste Wasserstoff-Tankstelle den Betrieb aufgenommen. Ein Firmenkonsortium hat die 1,4 Millionen teure Station errichtet. 700 000 Euro davon trägt der Bund.

Wendlingen - In Wendlingen hat die erste Wasserstoff-Tankstelle im Landkreis Esslingen ihren Betrieb aufgenommen. Der Betreiber, das von sechs Gesellschaftern getragene Gemeinschaftsunternehmen H2 Mobility, hat die Anlage für 1,4 Million Euro auf dem Gelände einer konventionellen Tankstelle errichtet. Die Hälfte der Kosten trägt die Bundesregierung im Rahmen eines Innovationsprogramms zur Einführung der Technologie.

An der unweit der Auffahrten zur Bundesstraße 10 und zur Autobahn 8 gelegenen Tankstelle in der Heinrich-Otto-Straße können Autofahrer ihr Brennstoffzellenfahrzeug nun in nur drei Minuten komplett auftanken. Das genügt nach dem augenblicklichen Stand der Technik, um 500 Kilometer zurückzulegen, bevor der nächste Tankstopp fällig wird. Dafür stehen mittlerweile 44 weitere Wasserstoff-Tankstellen in der Bundesrepublik zur Verfügung.

„Unser Ziel ist, noch bis zum Ende des Jahres die 100. Tankstelle zu eröffnen“, sagt Sybille Rieper, die Pressesprecherin des Konsortiums, in dem das Gasversorgungsunternehmen Air Liquide, der Autobauer Daimler, der Technologiekonzern Linde sowie die Tankstellenbetreiber OMV, Shell und Total gemeinsame Sache machen. Als Ziel hat der Firmenverbund den Bau von 400 Wasserstoff-Tankstellen bis zum Jahr 2024 ausgegeben. „Voraussetzung ist allerdings, dass auch der Fahrzeugbestand Schritt hält“, sagt Sybille Rieper.

Bei den Herstellern ist noch Luft nach oben

Der Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Norbert Barthle (CDU) bekräftigte die Absicht der Bundesregierung, die Wasserstoff-Technologie als wettbewerbsfähigen und zukunftsträchtigen Energieträger zu etablieren. „Wir haben bisher den Linienverkehr und die Fahrzeugflotten in den Blick genommen, denn auf langen Strecken und im Schwerverkehr stößt der Elektromotor an seine Grenzen“, sagte der Politiker. Jetzt seien auch die deutschen Hersteller gefordert, die Technik zu vertretbaren Preisen auf den Markt zu bringen. „Da ist noch viel Luft nach oben“, so Barthle.

Zur Eröffnung der neuen Tankstelle waren rund ein halbes Dutzend wasserstoffbetriebener Autos vorgefahren. Angaben der Firmenvertreter von Toyota und Hyundai zufolge kosten die Modelle ihrer Marke jeweils 60 000 Euro. Wie viel der Kunde für den im Herbst erscheinenden Mercedes GLC auf den Tisch des Hauses legen muss, wollte Rosario Berretta, der für die Brennstoffzellen-Technologie im Konzern zuständige Manager, nicht verraten. Nur so viel: „Damit machen wir keinen Gewinn.“

Die These, dass Wasserstoff ein Gewinn für die Umwelt sei, wollte der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne) auch nicht unbesehen unterschreiben. Erst wenn der Wasserstoff nicht mehr aus Erdgas, sondern aus regenerativen Energien gewonnen würde, verdiene er uneingeschränkt das Prädikat umweltfreundlich, so der Grünen-Politiker.

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