Die Stuttgarter Wasserspielplätze werden im Sommer durch mobile Anlagen ergänzt, etwa am Stadtpalais oder im Jungen Schloss. Der Bedarf ist groß – ist das Angebot zu gering?
Stuttgart - „Wenn ich den See seh, brauch’ ich kein Meer mehr“, heißt es. Stuttgart jedoch hat leider nicht einmal einen See zum Schwimmen zu bieten – selbst der Neckar fristet in Stuttgart ein Schattendasein. Schade, aber sei’s drum. Denn seit dem vergangenen Jahr liegt Stuttgart am Meer – zumindest im Sommer: Vor dem Stadtpalais ist seit Donnerstag wieder ein künstlicher Wasserbereich aufgebaut. Das Sommerfestival namens Stadt am Meer ist laut OB Fritz Kuhn (Grüne) „ein Volltreffer“ – kein Wunder, hier kommen Jung und Alt auf ihre Kosten: Kinder planschen, Erwachsene chillen.
In diesem Jahr kommt zum Meer gar noch eine Oase hinzu: Vom 27. Juli bis zum 18. August wird es die Sommeroase geben. „Das Landesmuseum möchte während der Schließzeit des Kindermuseums einen Anlaufpunkt für Familien bieten“, sagt Silke Röttgers vom Landesmuseum Württemberg. Deshalb verwandelt sich der Innenhof des Alten Schlosses für drei Wochen in eine kostenfreie Sommeroase mit mobilem Wasserspielplatz, Sandkasten und Kreativwerkstätten und Liegestühlen. „In der Innenstadt gibt es generell wenige Spielplätze, erst recht nicht mit Wasserspaß sowie mit der Möglichkeit für Erwachsene, sich in Liegestühle zu setzen und etwas zu trinken“, so Röttgers.
Die Auswahl an Wasserspielelementen ist überschaubar
Tatsächlich sind etwa 110 der rund 600 Spielplätze, die das Garten-, Friedhofs- und Forstamt betreut, in irgendeiner Weise mit Wasser ausgestattet. Die Auswahl an Wasserspielelementen ist überschaubar: Es gibt in der Regel Wasserpumpen, Quellsteine oder Brunnen mit Brunnenschale als Überlauf zum Matschen sowie Wasserrinnen. Die Installation (50 000 bis 70 000 Euro) und der Unterhalt (je 7000 bis 8000 Euro jährlich) von Wasserspielplätzen sei „im Vergleich zu solchen ohne Wasser wesentlich teurer, so dass leider nicht alle Spielplätze mit Wasser ausgestattet werden können“, sagt Annette Hasselwander, Sprecherin vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt.
Der Frankfurter Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn ist einer der Vordenker beim Umgestalten von städtischen Räumen in Spiel- und Sportflächen. Für die Stadt Stuttgart entwickelt er derzeit eine Studie, wie man Bewegungsräume schaffen könnte. Zusammen mit Kindern hat er ergründet, was diese wirklich brauchen, und einen Spielleitplan erstellt. „Dass in Stuttgart von 600 Spielplätzen 110 mit Wasserspielgeräten ausgestattet sind, ist im bundesweiten Vergleich ein guter Schlüssel – unabhängig von der Qualität“, sagt Schelhorn. „Jedes Kind sollte in seiner unmittelbaren Nähe die Möglichkeit haben, mit Wasser zu spielen.“
Es sollten Plätze geschaffen werden, die bewusst alle Generationen zum Spielen einladen
Am besten seien nach wie vor Naturspielorte oder naturnahe Wasserspielorte, aber Eva Friedenberger, Landschaftsarchitektin bei Kukuk in Stuttgart, die die Lage vor Ort gut kennt, weiß, dass es „wenig natürliches Wasser in Stuttgart gibt und deswegen technische Geräte wie Pumpen unabdingbar sind. „Hauptsache, es gibt Matsch, das ist für die Kinder sowieso das Größte“, sagt sie.
Auf dem Quartiersspielplatz sei eine Wasserpumpe oder ein Quellstein und Sand tatsächlich vollkommen ausreichend, sagt Schelhorn. Allerdings sollten darüber hinaus in jedem Quartier Plätze geschaffen werden, die bewusst alle Generationen zum Spielen einladen. Ein gutes Beispiel seien dafür die Wassersprühfelder im Günthersburgpark in Frankfurt. Möglich seien zudem Fontänenbrunnen mit Bodentrampolinen am Rand, über die sich die Fontänen steuern lassen. Aber auch bespielbare Brunnenanlagen seien solch „multifunktionale generationenübergreifende Orte“.
Stadt soll bei Wasserspielen nicht nur Spielplätze, sondern auch Plätze im Blick haben
In Stuttgart sei eine solch besondere Wasserspielanlage derzeit nicht angedacht, so Hasselwander. Dafür aber soll der Marktplatz neu gestaltet werden: „Für die Stuttgarter Innenstadt habe ich mich sehr für die Wasserfontänen auf dem Marktplatz eingesetzt“, sagt die Kinderbeauftragte der Stadt Maria Haller-Kindler.
An sie wird von Kindern oft der Wunsch herangetragen, auf Spielplätzen mit Wasser spielen zu können, ihr ist es aber wichtig, dass die Stadt bei Wasserspielmöglichkeiten nicht nur die Spielplätze, sondern auch öffentliche Plätze im Blick hat. Insbesondere auch im Hinblick auf die hohen Temperaturen und die längeren Hitzeperioden ist sie der Meinung, dass „wir insgesamt mehr Wasser in der Stadt brauchen, zum Spielen, zum Trinken und zur Erfrischung“. OB Kuhn hat kürzlich nach dem Jahresabschluss angekündigt, dass der Überschuss unter anderem in ein besseres Stadtklima investiert werden soll – etwa auch in Brunnen.
Wasseranlagen sollen wertvoll für die Gesundheit sowie die soziale Teilhabe sein
Jürgen Mutz vom Tiefbauamt bestätigt, dass viele Brunnen zum Planschen genutzt würden, etwa die am Marienplatz oder am Mailänder Platz sowie die Fontänen am Marktplatz in Bad Cannstatt. Das sei auch durchaus so gewollt. „Wir müssen diese Brunnen nur verkehrssicher gestalten, etwa auf Rutschfestigkeit achten“, sagt Mutz.
Es gibt in Stuttgart etwa 250 Brunnen, das Tiefbauamt betreibt rund 170: 800 000 Euro kostet der Unterhalt jährlich. Aber schließlich sind Wasseranlagen laut Schelhorn auch „wertvoll für die Gesundheit sowie die soziale Teilhabe“.