Wie sieht es mit den Brunnen im Stadtgebiet aus? Einige stehen still oder werden saniert – und viele neue sind in Planung.
Stuttgart - Für die jährliche Betriebsdauer der Stuttgarter Brunnen gibt es eine einfache Formel: „Von Ostern bis Oktober – wie beim Reifenwechsel.“ Allerdings beginnen nicht alle Brunnen gleichzeitig zu sprudeln. Sie werden nacheinander in Betrieb genommen, wie Jürgen Mutz, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt erläutert. „Bis die 175 Brunnen in unserem Zuständigkeitsgebiet laufen, dauert es vier Wochen.“ In diesem Jahr dauerte es wegen Corona noch ein paar Wochen mehr. Die Brunnen sollten bewusst nicht zum Spielen und Verweilen einladen.
Ein besonders markanter Brunnen läuft unabhängig von der Pandemie allerdings immer noch nicht: die terrassierten Wasserspiele zwischen Haus der Geschichte und Staatsgalerie an der Konrad-Adenauer-Straße. Die Becken sind schon seit dem Herbst 2018 leer und häufig verschmutzt und besonders in diesen Sommertagen stellen sich viele Bürgerinnen und Bürge die Frage: warum ist das so?
Erst muss der Prinzenbau saniert werden
Die Frage richtet sich an das baden-württembergische Finanzministerium, denn der Brunnen gehört dem Land. Auf Anfrage erklärt das Ministerium: „Der Brunnen muss in Stand gesetzt werden, da unter anderem die Abdichtung beschädigt ist.“ Mit der Sanierung sei ein auf Schwimmbadtechnik spezialisiertes Architekturbüro beauftragt worden. Mit schnellen Ergebnissen ist indes nicht zu rechnen. Die Planungen seien noch nicht abgeschlossen, betont das Ministerium. „Aufgrund der Corona-Pandemie kam es zu Verzögerungen. Deshalb können wir nicht davon ausgehen, dass die Brunnenanlage noch in diesem Jahr wieder laufen wird.“ Ziel sei es, sie im nächsten Jahr wieder in Betrieb zu nehmen. Angaben zu den Kosten der Sanierung machte das Finanzministerium mit Hinweis auf das frühe Planungsstadium nicht.
Ähnliches gilt für einen zweiten wichtigen Brunnen in der Stadt, für den das Land zuständig ist: den Kanzleibogen-Brunnen am Prinzenbau. „Für diese Brunnenanlage wird gerade ein Konzept zur Sanierung und Wiederinbetriebnahme erarbeitet“, teilt der Ministeriumssprecher mit. Eine Umsetzung könne aus technischen Gründen jedoch erst nach der geplanten Sanierung des Prinzenbaus erfolgen. Der zuständige Landesbetrieb Vermögen und Bau stehe in Kontakt mit der Stiftung „Stuttgarter Brünnele“.
Die Stiftung „Stuttgarter Brünnele“ als „Anschugger“
Die seit 2002 bestehende Stiftung hat die Sanierung etlicher historischer Brunnen initiiert und durch Spenden finanziell unterstützt – so den Springbrunnen im Rosengarten der Villa Berg, den Paulinenbrunnen mit der Mutterliebe oder den Sternenbrunnen bei der Sternwarte. Die Stiftungsgründer Herbert O. Rau und Peter H. Haller verstehen sich auf gut Schwäbisch als „Anschugger“. Besonders stolz ist die Brünnele-Stiftung auf die Sanierung des Galatea-Brunnens am Eugensplatz samt seiner Wasserstaffel. Ihr nächstes großes Ziel ist der Kanzleibogen-Brunnen, „einem Mittelpunkt-Brunnen der Stadt“. Haller und Rau sind überzeugt: „Das wäre eine Freude für die Flaneure am Schlossplatz und in der Königstraße.“ Nun scheinen ihre Bemühungen zu fruchten.
50 neue Trinkbrunnen bis 2030
Auch sonst tut sich einiges beim Thema Brunnen. Stadtverwaltung und Gemeinderat haben im Rahmen des Klimaschutzpakets ein Brunnen-Programm in die Wege geleitet mit dem Ziel, bis zum Jahr 2030 insgesamt 50 neue Trinkbrunnen und 20 zusätzliche Wasserspiele in Stuttgart aufzustellen, pro Jahr jeweils fünf Trinkbrunnen und zwei Wasserspiele. Dazu zählt auch das geplante Wasserfontänenfeld auf dem Marktplatz. Aktuell entstehen Brunnen an der Rathausgarage und im Neckarpark.
Ein besonderer Fall ist der Marktplatzbrunnen aus dem Jahr 1714, einer der ältesten der Stadt. Im Zuge der Marktplatzsanierung wird der Brunnen aufwendig saniert und angehoben. Tiefbauamtsleiter Lutz beziffert die Kosten auf eine Million Euro. Die Arbeiten beginnen Anfang 2021. Im Frühjahr 2022 soll er dann wieder sprudeln.
Elly-Heuss-Knapp-Brunnen soll saniert werden
Zu den bestehenden 175 Brunnen im Stadtgebiet, die das Tiefbauamt verwaltet, kommen weitere rund 30, die in öffentlichen Grünanlagen und damit in der Zuständigkeit des Garten- und Friedhofsamtes liegen. Dazu zählt der Elly-Heuss-Knapp-Brunnen auf der Karlshöhe, der derzeit ebenfalls einen traurigen Anblick bietet. Amtsleiter Volker Schirner sagt: „Es ist nicht gut, dass dieser Brunnen nicht läuft“ Häufig sei er verstopft, die Technik veraltet. Jetzt soll ein „Wiederherstellungskonzept“ erarbeitet und 2021 umgesetzt werden.
Das Land seinerseits ist für 26 Brunnen in Stuttgart zuständig, sechs davon sind laut Finanzministerium derzeit nicht in Betrieb. Im kommenden Jahr sollen außer dem Brunnen am Haus der Geschichte und am Kanzleibogen auch der Brunnen im Stadtgarten, der Flamingo-Brunnen im Mittleren Schlossgarten und der Fitz-Faller Brunnen (früher ebenfalls im Mittleren Schlossgarten platziert) an seinem neuen Standort an der Landesbibliothek wieder laufen. Fazit: Wenn alles kommt, wie angekündigt, könnte 2021 in Stuttgart ein Brunnenjahr werden.