Seit Ende Mai läuft der Abriss des Breuninger-Parkhauses. Dafür musste auch eine Abwasserleitung gekappt werden. Foto: Alexander Müller

Mit Beginn der Bauarbeiten für den Mobility Hub gibt es im Bohnenviertel immer wieder Wasserschäden. Geschäftsleute sind genervt, fürchten um ihre ihre Existenz – und sehen die Schuld bei der Stadt.

Eigentlich hatten die Anwohner in der Esslinger Straße mit mehr Verkehr gerechnet, nachdem die offizielle Umleitungsstrecke durch das Bohnenviertel eingerichtet worden war. Doch nun sehen sich vor allem die Geschäftsleute mit ganz anderen Schwierigkeiten konfrontiert: Mit Beginn der Abrissarbeiten des Breuninger-Parkhauses an der Hauptstätter Straße (B 14) Mitte Mai laufen immer wieder die Keller der Gebäude voll. „Das ist existenzgefährdend“, sagt der von einem Mieter beauftragte Architekt Michael Kienzl. Die Geschäftsleute sehen die Schuld bei der Stadt. Diese lehne die Verantwortung bislang jedoch ab.

 

Abwasserkanal gekappt

Denn für den Bau des neuen Mobility Hub auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Gelände musste nicht nur die B-14-Rampe zum Charlottenplatz für den Verkehr gesperrt, sondern auch ein Abwasserkanal in der Esslinger Straße gekappt werden. Für die Entwässerung des betroffenen Bereichs und auch der Baustelle dient ein Bypass mit Pumpen und Schlauchleitungen. „Doch dieser funktioniert nur unzureichend“, erklärt Christoph Bühler, der Eigentümer der Hausnummer 14. Nicht nur seiner, sondern gleich mehrere Keller von Gebäuden in der Esslinger Straße seien mehrfach vollgelaufen.

Insgesamt 420 000 Liter Wasser in einer Nacht

Am schlimmsten war es offenbar nach starken Regenfällen am 27. Mai. Gegen 19 Uhr sprach die Berufswehr Stuttgart nach eigenen Angaben von rund 16 000 Liter im Keller des türkischen Imbisses „Home of Kebab“ in der Hausnummer 2. Insgesamt „fünf Stunden waren zehn Einsatzkräfte damit beschäftigt, das Wasser abzupumpen“, erklärt Feuerwehr-Sprecher Daniel Anand. Laut Architekt Kienzl lief das Wasser ständig nach, insgesamt rund 420 000 Liter – das entspricht mehr als 2500 gefüllten Badewannen. Und auch am 2. Juni waren laut Anand erneut zehn Einsatzkrätze über fünf Stunden an der Ecke zum Leonhardsplatz damit beschäftigt, Wasser aus einem Keller zu pumpen. Der Grund liegt für Bühler auf der Hand: die Stilllegung des Abwasserkanals. „Über Jahrzehnte verlief die Entwässerung völlig normal, seit der Baustelle dringt das Wasser nun über die Bodenplatten und Kellerwände in die Untergeschosse ein“, sagt er. Betroffen seien mehrere Häuser in der Esslinger Straße – „selbst bei niedrigem Kanalstand“. Für Kienzl besonders offensichtlich: „Wenn die Pumpen auf der Baustelle eingeschaltet werden, steigt das Wasser in den Kellern der Häuser an. Das kann kein Zufall sein.“

Inzwischen habe die Situation teilweise dramatische Ausmaße für die ortsansässigen Geschäftsleute angenommen. Durch die ständigen Wasserschäden können beispielsweise im Keller des Kebab-Ladens keine Lebensmittel mehr gelagert werden. Nicht nur Mehl für den Teig ist verschimmelt, sondern auch Tiefkühltruhen und der Aufzug für die Müllentsorgung sind defekt. „Es ist inzwischen ein großer Schaden entstanden“, sagt der Kebab-Betreiber Salman Siringül. Wenn das Wasser weiter so eindringe, bestünde auch die Gefahr von Gebäudeschäden. „Die Ursache muss so schnell wie möglich behoben werden. So kann es nicht weitergehen“, fordert Siringül daher.

Stadt kündigt eine Untersuchung an

Daher hat er von einer privaten Rohrreinigungsfirma die Anschlüsse im Haus überprüfen lassen. Das Ergebnis: „Es ist alles in Ordnung. Ein Fehler, der für die Überschwemmungen verantwortlich sein könnte, wurde nicht gefunden.“ Mehrfach haben er und auch die Nachbarn Kontakt zur Stadt gesucht. Bislang ohne Erfolg. Um das Baufeld für das Haus für Medien und Film freizumachen, musste ein Abwasserkanal herausgelegt werden, das bestätigt Jochen Merkle, der Sprecher des von Stadt und Breuninger für das Projekt gegründeten Öffentlichkeitsunternehmens PresseCompany. „Uns sind bislang Vorfälle in zwei Häusern bekannt.“

Bislang konnte laut dem zuständigen Amt für Stadtentwässerung Stuttgart (SES) „kein Zusammenhang zwischen den Wassereintritten in den Kellergeschossen in der Esslinger Straße und der Wasserhaltung festgestellt werden“. Vielmehr liege aus Verwaltungssicht in einem Fall die Ursache beim Eigentümer, beim anderen sei diese noch offen. Derzeit liefen von der SES beauftragte Untersuchungen. Bereits entnommene Wasserproben wiesen 90 Prozent Klarwasser und nur zehn Prozent verunreinigtes Wasser auf. Sobald die Ursachen für die Überschwemmungen geklärt seien, könnten entsprechende Maßnahmen besprochen und in Angriff genommen werden.