Eda und Ceyda haben sich den Hainbach bei Kennenburg angeschaut. Foto: Roberto Bulgrin

Wie gesund sind Bäche und Flüsse in Deutschland? Das möchte der Fernsehsender ARD in einer Mitmachaktion herausfinden: Kinder und Erwachsene können Gewässer vor ihrer Haustür untersuchen. Ceyda und Eda Atila aus Esslingen waren mit dabei.

Gewässer sind wichtige Lebensadern, die nicht sterben dürfen. Doch die meisten sind in einem schlechten Zustand. Der Fernsehsender ARD hat daher eine Mitmachaktion für Kinder und Erwachsene zur Untersuchung heimischer Bäche und Flüsse gestartet. Die zwölfjährige Ceyda und die elfjährige Eda Atila aus Esslingen waren mit dabei und haben den Hainbach bei Kennenburg unter die Lupe genommen.

 

Viele Gewässer gehen den Bach hinunter. Nur etwa acht Prozent der Flüsse seien gesund, wurde in der Tagesschau vom Sonntag, 12. Mai, bekannt gegeben. Der Rest befinde sich in einem mäßigen bis schlechten Zustand und entspreche nicht den europäischen Umweltvorgaben. Große Flüsse wie Donau, Rhein oder Elbe würden regelmäßig auf ihre Wasserqualität hin untersucht – doch kleinere Gewässer würden in diese Bemühungen nicht miteinfließen. Darum habe die ARD zusammen mit anderen Partnern das Projekt #Flüsse ins Leben gerufen. Kleine und große Mitbürger können dabei mit Hilfe einer Checkliste ein Gewässer vor ihrer Haustür untersuchen, die gestellten Fragen beantworten und das Ergebnis mit Fotos an den Fernsehsender schicken.

Plastikteile im Wasser

Özlem Atila aus Esslingen hatte den Tagesschau-Beitrag gehört und fühlte sich sofort von der Mitmachaktion angesprochen. Ihre beiden Töchter Ceyda und Eda musste sie nicht lange überreden. Sie sahen sich die ARD-Checkliste an, schnappten sich ein Handy und sahen sich den Hainbach genauer an. „Es war total easy“, sagen die beiden Schülerinnen des Esslinger Mörike-Gymnasiums. Die Fragen zu dem Gewässer konnten sie locker beantworten. Die Farbe des Wassers bezeichneten sie als „braun und bräunlich“, den Geruch beschrieben sie als „fischig, erdig, grasartig“, seinen Klang identifizierten sie als ein „natürliches Plätschern, Rauchen, Gurgeln“. Es würden auch Plastikteile in dem Gewässer schwimmen, sagen die beiden Mädchen.

Zusammen mit den Handy-Fotos luden sie ihre Antworten am Sonntag, 19. Mai, auf der ARD-Homepage hoch. Eine kurze Empfangsbestätigung ploppte auf – wenig später erschienen eine der Aufnahmen und der Text auf der großen Online-Landkarte. Sie hätten noch bessere Fotos geschossen als das auf der Homepage gezeigte, bedauern die beiden Mädchen. Dennoch habe das Mitmachen großen Spaß gemacht, und sie hoffen, dass der Hainbach in die engere Auswahl kommt.

Dokumentation über Aktion

Denn unter allen Einsendungen der Mitmachaktion werden Biologinnen und Biologen der Universität Duisburg-Essen zusammen mit einem ARD-Reporterteam 30 Bäche auswählen und genauer unter die Lupe nehmen: „Aus einem Liter Bach-Wasser können die Forscherinnen und Forscher die DNA-Spuren hunderter Fisch- und Insektenarten bestimmen und genau sagen, welche Tiere im Bach leben“, heißt es auf der Homepage des TV-Senders. Die Ergebnisse sollen in einer ARD-Dokumentation am 23. Oktober aufgegriffen werden. Die Untersuchungen der Zuschauer werden aber auch in der Arbeit des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung berücksichtigt werden.

Ceyda und Eda sind schon einmal gespannt. Der Hainbach hat für sie neben der Frage nach seiner ökologischen Qualität auch eine ganz persönliche, Bedeutung. Als ihre Mutter in ihrem Alter gewesen sei, so berichten die beiden Mädchen, habe sie immer an dem Gewässer gespielt. Eines Tages kam ein Hund vorbei, von dem sie sich bedroht fühlte und der sie fast angegriffen habe: „Aus lauter Angst rannte sie von dem Hund weg und sprang in den Hainbach hinein.“ Das Wasser sei angenehm kühl gewesen, erinnert sich ihre Mutter Özlem noch heute – und der Bach hatte tatsächlich eine schützende Wirkung: Der Hund rannte davon. Nun könnte es sein, dass der Bach selbst Hilfe braucht.

Mehr zu der Aktion steht unter ARD#Flüsse.