Nahe der Schleuse Untertürkheim trieb die Leiche bäuchlings im Wasser Foto: dpa

Zwei Spaziergänger haben am Montagnachmittag unterhalb der Schleuse Obertürkheim die Leiche eines Mannes entdeckt. Dessen Identität ist noch ungeklärt. Erste Erkenntnisse lassen vermuten, dass der Tote schon einige Tage im Wasser lag.

Stuttgart - Grausiger Fund am Nachmittag: Zwei Spaziergänger haben am Montag im Neckar unterhalb der Schleuse Obertürkheim die Leiche eines Mannes entdeckt. Erste Erkenntnis der Polizei: Der Mann lag offenbar bereits einige Tage im Wasser.

Die beiden jungen Männer im Alter von 18 und 24 Jahren waren am Montag gegen 16.40 Uhr am Neckarufer unterwegs, als sie den leblosen Körper bemerkten. „Der Mann trieb unterhalb der Schleuse bäuchlings im Neckar“, erläutert Polizeisprecher Stephan Widmann. Beamte der Wasserschutzpolizei sicherten die Leiche mit einem Boot und brachten sie ans Ufer.

„Wir wissen derzeit noch nicht, wer der Mann ist“, sagt Widmann. Zunächst werde versucht, über den Abgleich von Vermisstenfällen die Identität des Toten herauszufinden. Falls dies nicht erfolgreich ist, gäbe es eventuell noch die Möglichkeit, die Leiche zu präparieren und per Fahndungsfoto Näheres herauszufinden. Ob dies machbar und erforderlich ist, entscheidet die Staatsanwaltschaft. War es ein Unfall, ein Suizid, ein Verbrechen? Derzeit ist noch alles offen. „Eine Obduktion hat es bisher noch nicht gegeben“, erklärt Widmann.

Der unbekannte Tote war circa 35 Jahre alt, 1,80 Meter groß, hatte eine normale Statur und kurze hellbraune Haare. Er war bekleidet mit einer schwarzen Jacke, einer schwarzen Hose und orange-grünen Sportschuhen. Die Kriminalpolizei, Telefon 07 11 / 89 90 57 78, hofft auf Hinweise.

Dass Menschen im Neckar ertrinken beziehungsweise als Leiche im Fluss entdeckt werden, kommt öfter vor. In der Region Stuttgart waren es in den vergangenen zwei Jahren ein knappes Dutzend Fälle. Oft dauert es Tage oder Wochen, bis die Identität geklärt ist. In den meisten Fällen gab es keine äußerlichen Hinweise auf Fremdeinwirkung, weshalb in der Regel von Suizid oder einem Unglück ausgegangen wird.

Verhängnisvoll endete am 8. März dieses Jahres die Kanutour eines 31-Jährigen mit seinem Neffen bei Neckartailfingen (Kreis Esslingen). Dabei wollte der Mann einen Fußball, der direkt vor dem Wehr im Wasser trieb, herausholen. Vor den Augen des 13-Jährigen, der am Ufer stand, kenterte das Boot, der Kanufahrer wurde durch Strudel in die Tiefe gezogen. Erst drei Wochen später wurde seine Leiche beim Esslinger Freibad im Neckar treibend entdeckt.

Nur noch tot konnten Einsatzkräfte Mitte Februar dieses Jahres eine 77-Jährige aus dem Neckar bei Nürtingen-Zizishausen bergen. Die Frau hatte sich zuvor unbemerkt aus einem Nürtinger Krankenhaus entfernt. Am 10. November 2014 entdeckten Arbeiter bei Ludwigsburg-Hoheneck eine Wasserleiche im Neckar. Die Obduktion ergab später, dass es sich um einen seit 23. Oktober 2014 vermissten 83-Jährigen aus Stuttgart-Stammheim handelte.

Im Oktober 2013 entzog sich ein 23-Jähriger nach einer Schlägerei vor einem Club in Esslingen dem Zugriff der Polizei durch die Flucht in den Neckar. Er starb an einer Kombination „aus Ertrinken und Unterkühlung“, ergab die Obduktion. Laut eines Gerichtsmediziners hatte der Mann angesichts der seinerzeitigen Wassertemperaturen „eine Überlebenschance von gerade einmal vier Minuten“. Ein Taucher fand die Leiche zwei Stunden später.

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