Eine Pflanze wächst auf trockenem und rissigem Boden bei Manching in Bayern. Der zu trockene Sommer bringt den Bauern wie schon 2018 auch in diesem Jahr Ernteausfälle. Bayern will angesichts des Klimawandels Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung ergreifen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Wird es in Zukunft auch in Deutschland Verteilungskämpfe ums Wasser geben? Die Grünen befürchten das. Wasserknappheit und Dürren könnten zu Konflikten um die Wassernutzung innerhalb der Gesellschaft führen.

Berlin - Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bettina Hoffmann befürchtet in Deutschland wachsende Verteilungskämpfe ums Wasser. „In einigen Regionen könnten aus einer zunehmenden Wasserknappheit und häufigen Dürren künftig Konflikte um die Nutzung vor allem oberflächennaher Wasserressourcen entstehen“, sagt die Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion für Umweltpolitik, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mit Hinweis auf Auskünfte des Bundesumweltministeriums.

„Bereits heute ist die Grundwasserneubildung in Teilen Thüringens, Sachsen-Anhalts und Sachsens sowie Brandenburgs vergleichsweise niedrig“, heißt es unter anderem in der Stellungnahme des Ministeriums. Die starken Trockenperioden von 2018 und 2019 seien dabei noch nicht berücksichtigt.

Konflikte um Wasser zwischen Landwirten und Bürgern drohen

Laut Hoffmann werden bislang rund zwei Drittel des verbrauchten Wassers aus Oberflächengewässern entnommen – also Flüssen, Bächen und Seen. Die Grünen-Politikerin erwartet angesichts des Klimawandels aber einen erhöhten Druck auf die Grundwasservorräte.

Konfliktpotenzial sieht die Expertin vor allem zwischen der Landwirtschaft und der öffentlichen Versorgung mit Trinkwasser, das zu 74 Prozent aus Grundwasser gewonnen wird. „Derzeit werden rund drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen beregnet, die meisten davon liegen in Niedersachsen“, betont die Abgeordnete.

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Wasser – unerschöpflich und doch knapp

Wasser gibt es in einigen Ländern in Hülle und Fülle. Dem jährlichen Wasserverbrauch in Deutschland von rund 32 Milliarden Kubikmetern steht ein potenzielles Angebot von 188 Milliarden Kubikmetern gegenüber. Aber: Nur 0,014 Prozent des gesamten Wassers auf der Erde ist sowohl Süßwasser als auch leicht zu erreichen.

Global sieht es allerdings ganz anders aus. Da besteht Wasserknappheit, weil das Süßwasser geografisch und saisonal sehr ungleich verteilt ist. Ein Drittel der Weltbevölkerung leidet unter Wassernot. Vor allem in Afrika und in weiten Teilen Asiens führt das Bevölkerungswachstum zu einem höheren Wasserverbrauch Infolgedessen sinken die Grundwasserspiegel, Flüsse trocken aus, das Vieh verhungert, die Ernten vertrocknen und die Menschen hungern und leiden Durst.

Deutsche verbrauchen immer weniger Wasser

Vor 20 Jahren verbrauchte ­jeder Deutsche durchschnittlich 147 Liter am Tag, heute sind es 123 Liter. Noch mehr Wasser zu sparen wäre jedoch kontraproduktiv. Das Trinkwasser- und Abwassernetz in Deutschland stammt aus einer Zeit, in der man von einer Verdopplung des privaten Verbrauchs ausging. Da auch die Unternehmen ihren Bedarf reduziert haben, passen Infrastruktur und realer Verbrauch nicht mehr zusammen.

Das Trinkwasser fließt mancherorts so langsam durch die Rohre, dass sich Keime bilden können. Stehende Abwasser führen in den Rohren zu Korrosion und Fäulnis. Die Wasserwerke müssen deshalb regelmäßig große Mengen an Trinkwasser durch die Kanäle und Rohrleitungen spülen, um sie zu reinigen. Was zur Folge hat, dass ständiger Einsparungen die Wasserpreise auf hohem Niveau stagnieren oder sogar steigen.

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Wasserbilanz und Fußabdruck

Die Wasserbilanz der Deutschen ist viel höher als ihre durchschnittliche H2O-Tagesration von 123 Litern. Laut einer Studie der Umweltschutzorganisation WWF entsteht etwa die Hälfte des Bedarfs indirekt durch die Einfuhr von Lebensmitteln und Industriegütern – der sogenannte Wasser-Fußabdruck, den Deutschland in der Welt hinterlässt.

Jeder Deutsche verbraucht demnach im Schnitt täglich 5288 Liter – 25 volle Badewannen. Zum direkten Konsum kommt der virtuelle Wasserverbrauch hinzu. Dieser berücksichtigt nicht nur den Pro-Kopf-Verbrauch, sondern addiert die Wassermenge hinzu, die benötigt wird, um alle Waren herzustellen, die wir täglich benützen und konsumieren.

So stecken in einer Tasse Kaffee 140 Liter Wasser für Anbau, Bewässerung und Verarbeitung. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch benötigt man 15 500 Liter. Dem WWF zufolge hat Deutschland einen jährlichen Wasser-Fußabdruck von 160 Milliarden Kubikmeter – das ist mehr als das dreifache Volumen des Bodensees.

Wasserreserven in Deutschland

Deutschlands Wasserressourcen betragen 188 Milliarden Kubikmetern, davon werden rund 13 Prozent pro Jahr entnommen. Regional gibt es aber zum Teil deutliche Unterschiede. So machen sich die Wasserversorger vor allem in Gegenden mit sandigen Böden wie in Nord- und Ostdeutschland Sorgen um Trinkwasserreserven.

So wurden die Bewohner der Gemeinden Löhne, Bad Oeynhausen und Rahden in Ostwestfalen (NRW) Ende Juni von den Behörden aufgefordert, auf das Befüllen ihrer Pools und dem Sprengen ihrer Gärten mit Trinkwasser zu verzichten. In Lohne bei Vechta (Niedersachsen) saßen Bewohner stundenweise auf dem Trockenen.

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