Mit der deutschen Nationalmannschaft in der Weltliga unterwegs: Wasserballer Heiko Nossek (SSV Esslingen) Foto: Baumann

Vor dem Weltliga-Spiel in Stuttgart gegen Russland suchen die Verantwortlichen weiter einen Wasserball-Bundestrainer. Denn derzeit gibt es keinen. Dennoch will die deutsche Nationalmannschaft viel erreichen. Das Fernziel sind die Olympischen Spiele in Rio 2016.

Stuttgart - Turbulente Tage im deutschen Wasserball: Vor dem Weltliga-Spiel an diesem Dienstag (19.30 Uhr) im Inselbad in Untertürkheim gegen den EM-Elften Russland läuft die Suche nach einem Trainer für das Nationalteam. Und das ist nur eine der Baustellen, die abgearbeitet werden müssen.

Nach dem enttäuschenden neunten Platz bei der EM 2014 in Budapest und der damit verpassten Qualifikation für die WM 2015 im russischen Kasan (24. Juli bis 9. August) trat Ewald Voigt-Rademacher (Dielheim) nach fast 17 Jahren als Vorsitzender der Fachsparte Wasserball im Deutschen-Schwimm-Verband (DSV) zurück. Nachfolger wurde vor fünf Monaten Hans-Jörg Barth. Und der Esslinger sah sich prompt mit einer Palastrevolution konfrontiert.

In einem von allen Nationalspielern unterzeichneten Schreiben an DSV-Präsidentin Christa Thiel (Wiesbaden) wurde die Ablösung von Bundestrainer Nebojsa Novoselac (Berlin) gefordert. „Das hat mich doch sehr überrascht“, sagte Barth – doch Novoselac, ehemaliger Vereinstrainer des Rekordmeisters Wasserfreunde Spandau 04, hatte während der EM jeglichen Kredit bei seiner Mannschaft verspielt.

Plötzlich war der Wasserball-Funktionär aus Esslingen als Krisenmanager gefordert. In vielen Gesprächen versuchte er, die Lage zu beruhigen. Das war nicht einfach, auch wenn er als Polizeibeamter schon heiklere Missionen gemeistert hat. „Inzwischen hat sich die Lage beruhigt“, sagte Barth, nachdem er zuletzt mit dem Team in Istanbul bei einem Qualifikationsturnier zur EM 2016 unterwegs war.

Aktuell tragen der bisherige Co-Trainer Milan Sagat (Hannover) und Arno Troost (Duisburg) die Verantwortung für die Nationalmannschaft. Doch könnte Stuttgart bereits der letzte Auftritt des Duos in dieser Position werden. „So bald wie möglich“ will Barth einen neuen Bundestrainer präsentieren: „Die derzeitige Doppelspitze ist keine Lösung auf Dauer.“ Arno Troost ist im Hauptberuf Architekt und trainiert nebenbei Titelanwärter ASC Duisburg. Arbeitgeber von Milan Sagat ist der Olympiastützpunkt Niedersachsen. Derzeit führt Barth Gespräche mit möglichen Nachfolgern.

Doch das ist nicht die einzige Aufgabe, die er bisher noch nicht erledigt hat. „Wir müssen uns mehr um die Nachwuchsförderung kümmern“, sagte Barth, „und auch das Frauenteam soll wieder näher an die internationale Spitze herangeführt werden.“ Das Problem: Der Verband ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Die Bezahlung eines neuen Trainers muss der DSV aller Voraussicht nach selbst stemmen. Novoselac will seinen bis Ende 2016 laufenden Vertrag erfüllen, und weder der Deutsche Olympische Sportbund noch das Bundesinnenministerium werden Geld für einen weiteren Trainer locker machen wollen.

„Wir werden Novoselac in unsere Arbeit einbinden“, sagte Hans-Jörg Barth deshalb – obwohl das Tischtuch zwischen dem Trainer und der Mannschaft zerschnitten ist. Der Serbe soll in Zukunft in erster Linie konzeptionell arbeiten. Bei der Suche nach einem Nachfolger drängt die Zeit. Bei der EM 2016 will sich das deutsche Team auch einen Platz für das Olympia-Qualifikationsturnier ergattern. Nachdem 2012 die Spiele von London ebenso verpasst wurden wie die WM in diesem Jahr, will man spätestens in Rio in die Weltelite zurückkehren. „Wir werden alles geben, um dort dabei zu sein“, sagt Nationalspieler Heiko Nossek (SSV Esslingen). Um dieses Ziel tatsächlich zu verwirklichen, müssen die turbulenten Tage im deutschen Wasserball schnell beendet werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: