Immer wieder Jamie-Julique Haas: Die Esslinger Kapitänin ist die überragende Spielerin im Wasser. Foto: Robin Rudel

Die Esslinger Bundesliga-Wasserballerinnen haben beim 13:12-Sieg nach Fünfmeterwerfen gegen den SC Chemnitz viel mehr Mühe als erwartet.

Während man durch die etwas beschlagenen Scheiben die Menschenmassen zum bevorstehenden Spiel des VfB nebenan gegen Köln marschieren sah, verteilten sich im Stuttgarter Sportbad Neckarpark mal wieder nur sehr wenige Zuschauer auf der Tribüne. In Sachen Spannung konnte die Begegnung der Wasserball-Bundesliga der Frauen zwischen dem SSV Esslingen und dem SC Chemnitz aber mit den Fußballern mithalten – und es gab ebenfalls das bessere Ende für das Heimteam. Dass es beim 13:12 (1:2, 2:2, 3:3, 2:1, 5:4)-Sieg der Esslingerinnen so eng werden würde und dass erst das Fünfmeterwerfen die Entscheidung bringen musste, kam ziemlich unerwartet. Der Pflicht- wurde zu einem Zittersieg.

 

Zafeirios Chalas saß ganz weit Weg vom Geschehen. Es war kein leichter Nachmittag für ihn. Immer wieder raufte er sich die Haare, immer wieder verschränkte er die Arme. Am Ende war aber auch der Esslinger Trainer, der aufgrund einer Rot-Sperre aus dem Spiel zuvor bei den WF Spandau 04 nicht am Beckenrand agieren durfte, erleichtert. Teammanagerin Iris Schneider jedenfalls ist froh, dass Chalas im Challenger Cup Anfang März auf Malta wieder ganz nah dran sein kann. „Ich bin zu alt für den Mist, beim Fünfmeterwerfen war mein Puls am Limit“, sagte Schneider, die Chalas vertrat. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so schwer tun.“

Lytvyniuk trifft, Sekulic hält

Erst im Entscheidungswerfen gingen die Esslingerinnen zum ersten Mal in Führung. Mariia Lytvyniuk traf im zweiten Durchgang mit der vorletzten Aktion schließlich zum 13:12. Anschließend hielt Torhüterin Maria Sekulic den Wurf von Mia Frisch – die Esslingerinnen stiegen mit zwei Punkten aus dem Wasser, die enttäuschten Chemnitzerinnen mit einem.

Die Entscheidung von der imaginären Linie – im Wasserball gibt es seit zwei Jahren kein Unentschieden mehr – ist immer auch eine Sache des Glücks und vor allem der Nerven. Der doppelte Punktgewinn war für die Esslingerinnen schmeichelhaft. Sie waren als klare Favoritinnen ins Becken gestiegen, denn die Chemnitzerinnen hatten nur einen Saisonsieg auf dem Konto, die SSVE-Frauen dagegen drei, darunter der satte 20:4-Erfolg im Hinspiel. Nun haben die Esslingerinnen eine positive Bilanz von vier Siegen bei drei Niederlagen, wobei da die zwei Pleiten gegen Top-Team Spandau schon abgehakt sind.

Das 1:0 der Chemnitzerinnen glichen die Esslingerinnen aus, das 2:1 auch. Und als die SC-Frauen mit 6:4 und später mit 7:5 führten, dachten wohl viele, dass die SSVE-Frauen das Ding schon gedreht bekommen würden. Bekamen sie während der regulären Spielzeit aber nicht. Weil sie vorne zu viel verwarfen – Schneider: „Die Chancenverwertung war nicht gut, manche Abschlüsse waren eher wie Rückpässe.“ Vor allem aber gab es in der Abwehr viel zu viele und viel zu große Lücken. Die Chemnitzerinnen um die starke Torhüterin Muriel Tannenhauer verteidigten bissiger und zwangen die Esslingerinnen eben immer wieder zu schlecht vorbereiteten Würfen.

Als Mia Reutter die Esslingerinnen mit einem sehenswerten Heber auf 6:7 heranbrachte und Jamie-Julique Haas anschließend zum 7:7 traf, schien der erwartete Wendepunkt gekommen. Immer wieder Haas. Die Esslingerinnen hatten das Glück und damit den Vorteil, dass sie in ihrer Kapitänin die überragende Spielerin im Team hatten. Daneben zeigte Winterzugang Lytvyniuk ein überzeugendes Heimdebüt.

„Probleme, den Fokus zu finden“

Nach dem 7:7 hatten die Esslingerinnen in der Defensive ihre stabilste Phase. Aber dann offenbarte sich doch wieder so eine Lücke und Lina Lucas erzielte das 8:7 für Chemnitz. Auf der anderen Seite fand Haas keine Anspielstation, fasste sich ein Herz, warf – 8:8, Fünfmeterwerfen.

„Wir hatten Probleme, den Fokus zu finden und ihn zu halten“, analysierte Esslingens Torhüterin Sekulic, nachdem sie den letzten Wurf gehalten hatte, und freute sich, dass es noch mal gut gegangen war. Die Nationalspielerin sagte aber auch: „Es war nicht unser bestes Spiel. Wir wissen, dass wir uns steigern müssen.“ Trainer Zafeirios Chalas wird ihnen bestimmt erklären, in welchen Bereichen vor allem.

SSV Esslingen : Sekulic, Lytvyniuk (3), Reutter (2), Gronih (1), Schafft, Jestädt, Schnetzer, Boscolo, Tomica, Jobe, Ntona Tsiaka, Haas (7), Ramesohl.

SC Chemnitz: Tannenhauer, Pannasch; Frisch (1), Rasche, Seeck, Straach (1), Hahn (1), Fehmel, Nollau (4), Schüßler (4), Lucas (1).

Schiedsrichter: Joel Gomes / Sebastian Rzepka.

Zuschauer: 44.

Beste Spielerinnen: Haas, Sekulic, Lytvyniuk / Tannenhauer, Nollau, Schüßler.