So könnte der Mars vor Jahrmillionen ausgesehen haben: Die künstlerische Darstellung zeigt den Roten Planeten von Ozeanen bedeckt. Foto: Wikipedia commons/Ittiz CC BY-SA 3.0

Ohne flüssiges Wasser gibt es kein Leben. Jedenfalls kein Leben, wie wir es kennen. Auf dem Mars ist jetzt erstmals ein weit ausgedehnter See mit flüssigem Wasser entdeckt worden. Wir zeigen die Bilder.

Tampa/Stuttgart - Forscher haben auf dem Mars erstmals einen ausgedehnten See mit flüssigem Wasser entdeckt. Das unterirdische Gewässer sei etwa 20 Kilometer lang und liege unter einer 1,5 Kilometer dicken Eisschicht in der Nähe des Südpols des Planeten, heißt es in der Studie, die im Fachmagazin „Science“ erschienen ist. Über die Tiefe des Reservoirs sagen die Wissenschaftler nichts.

Die italienischen Forscher analysierten Radarsignale, die von der Sonde „Mars Express“ der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA über einen Zeitraum von drei Jahren gesammelt worden waren. Sie prüften die Daten etwa zwei Jahre lang, um sicherzustellen, dass sie wirklich Wasser gefunden hatten und nicht Eis oder eine andere Substanz.

Gewaltige Eisdepots auf dem Mars

„Ich habe wirklich keine andere Erklärung“, erklärt der Hauptautor der Studie, der Astrophysiker Roberto Orosei von Nationalen Institut für Astrophysik in Bologna. „Wenn diese Wissenschaftler Recht haben, ist es das erste Mal, dass wir einen Beweis für eine große Ansammlung von Wasser auf dem Mars gefunden haben“, sagt die Geophysikerin Cassie Stuurman von der Universität von Texas, die vor zwei Jahren Zeichen eines gewaltigen Eisdepots auf dem Mars fand. An der aktuellen Studie war sie nicht beteiligt.

Scott Hubbard, Professor für Raumfahrt an der Universität Stanford, spricht von einer „ungeheuer spannenden“ Entdeckung. Er war 2000 der Direktor des ersten Mars-Programms der US-Raumfahrtbehörde NASA. „Unser Mantra damals lautete: Folgt dem Wasser“, sagt er. „Wenn diese Entdeckung Bestand hat, ist das einfach aufregend, weil es die Krönung dieser Philosophie wäre.“

Eiskaltes, salziges Wasser

Das Wasser auf dem Mars sei sehr kalt, erklärt die Planetengeologin Kirsten Siebach. „Und es wäre salzig“, sagt sie „Das sind keine idealen Bedingungen, unter denen sich Leben bildet.“ Aber auch auf der Erde gebe es Mikroben, die sich an solche Umstände angepasst hätten.

Riesige unterirdische Depots

Dass der Mars unterirdische Depots von Wassereis beherbergt, wird schon lange vermutet. Doch wie groß diese Reservoirs tatsächlich sind, war bisher ein Rätsel.

1965 zeigten die ersten Nahaufnahmen des Mars eine Kraterwüste ohne Wasserspuren. Die Aufnahmen stammten von Mariner 4, dem ersten Raumschiff, das zum Roten Planeten geflogen war. Im Laufe der Jahrzehnte jedoch, als mehr Teile des Planeten mit besseren Kameras und spruchsvolleren Satelliten abgebildet wurden, zeigte Mars Anzeichen von vergangenen Flusstälern, Seen und Eis in Gletschern und im Boden.

Für zukünftige Marsbesucher könnten die Eisschichten von enormer Bedeutung sein. Denn die Eisreserven des Planeten müssen in Zukunft nicht nur als Trinkwasser dienen, sondern möglicherweise auch in Form von Wasserstoff als Kraftstoff genutzt werden.

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