Der Vorstand des 1994 gegründeten Volksfestvereins: Stadthistoriker Hans Otto Stroheker, Robert Kauderer und Rundfunkjournalist Günther Willmann (von links). Foto: /Horst Rudel

Der Volksfestverein feiert sein 25-jähriges Bestehen. Der Verein hat sich der Erhaltung und Förderung der Volksfesttradition verschrieben. Hauptaufgabe ist die Durchführung des Volksfestumzuges.

Bad Cannstatt - Historischer Moment auf dem Frühlingsfest 1994: Der Cannstatter Volksfestverein gründete sich und wählte den geschäftsführenden Vorstand: Robert Kauderer, damals Oberkübler, Stadthistoriker Hans Otto Stroheker und Rundfunkjournalist Günther Willmann. Der Verein hat sich der Erhaltung und Förderung des Volksfestbrauchtums verschrieben. 47 Beitrittserklärungen von Firmen, Institutionen, Vereinen und zahlreichen Einzelpersonen lagen zur Gründungsversammlung vor. Präsident wurde ein Jahr später Carl Herzog von Württemberg. „Schließlich ist das Volksfest ja ein Landesfest“, begründete Kauderer damals.

Kauderer ist noch immer Vorsitzender und wird auch mit 84 Jahren nicht müde, sich für den Verein und die Traditionsveranstaltung einzusetzen. „Es macht mir immer noch Spaß.“ Er wuchs einen Steinwurf vom Wasen entfernt auf, war schon als Kind regelmäßiger Besucher. „Boxauto und Schiffschaukel waren mir das Allerliebste.“ Die Idee einer Vereinsgründung gab es schon Jahre davor. Schließlich sind in den USA und auch Südamerika zahlreiche Volksfestvereine aktiv. Aber eben nur nicht am Ursprungsort. Den endgültigen Impuls zur Vereinsgründung lieferte die Volksfesteröffnung 1993, die auf heftige Kritik stieß.

Mit der Entwicklung des Volksfests zufrieden

Mit der Eröffnungsveranstaltung im Festzelt ist der Volksfestverein immer noch nicht einverstanden, führt daher am ersten Volksfestsamstag an der Fruchtsäule immer den Traditionsmorgen durch. So auch in diesem Jahr. Nach dem Morgengruß wurde um 11 Uhr an den Ursprung des Volksfestes als landwirtschaftliches Erntedankfest erinnert. „Wir versuchen, die Historie der Veranstaltung hochzuhalten“, betont Kauderer, der sich selbst als „alten Vereinsjockel“ bezeichnet. Mit dem Volksfest ist Kauderer zufrieden. „Es hat sich gut entwickelt.“ Viel sei investiert worden. Der Verein mit mittlerweile 550 Mitgliedern lasse sich nicht ausbremsen.

Hauptaufgabe des Volksfestvereins ist die Durchführung des Volksfestumzuges. Seit 1996 wird diese Mammutaufgabe gestemmt – mit tatkräftiger Unterstützung der Mitglieder und helfender Hände. Brauchtumsexperte Wulf Wager stellt den Festzug zusammen. Die Teilnehmer, die zum Teil eine weite Anreise in Kauf nehmen, bekommen außer Verköstigung in den Festzelten keine Unterstützung. Etwa 100 000 Euro muss der Verein selbst aufbringen. Durch den Verkauf des Festzugabzeichens, ein kleines Volksfestherz, soll ein Teil davon finanziert werden. 1998 schlug Mitglied Wolfgang Lochmann vor, eine kupferne Kanne herstellen zu lassen, die in der volksfestlosen Zeit die Fruchtsäule ersetzt und auch beim Festzug dabei ist. Drei Jahre später wurde die Idee realisiert. 2008 übernahm Herzog Michael von Württemberg die Präsidentschaft von seinem Vater, der zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.

Wichtig ist Kauderer auch die Beteiligung des Bezirksamtes Bad Cannstatt im Verein. So war Bezirksvorsteher Hans-Peter Fischer im Vorstand und auch der aktuelle „Schultes“ Bernd-Marcel Löffler ist vertreten. Der Verein sorgte unter anderem für die Umsetzung der „Schwabentracht“, baute zwölf Festwagen vom Umzug 1841 nach und gibt die Volksfest-Zeitung heraus. Neueste Errungenschaft im Verein: das bürgerliche Schützencorps.

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