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Beim Volks- und Frühlingsfest sollen die Logen in Zelten länger geöffnet bleiben.  

Stuttgart - Beim Volks- und Frühlingsfest sollen die Logen in den Zelten künftig eine Stunde länger geöffnet sein. Der Wunsch der Festwirte stößt in der Stadtverwaltung auf Wohlwollen. Anders verhält es sich mit dem Lärm: Grenzwerte sind weit überschritten. Doch offenbar fehlt die vertragliche Grundlage für Sanktionen.

Die Wasen-Wirte wollen künftig die abgegrenzten Logenbereiche in ihren Zelten eine Stunde später als bisher schließen. Statt um 23 und an Wochenenden und Tagen mit Sonderöffnungszeiten um 24 Uhr soll erst um Mitternacht beziehungsweise um einUhr Zapfenstreich sein. Das letzte Bier würde jeweils eine halbe Stunde zuvor ausgeschenkt, heißt es im Rathaus.

Auf der Wiesn in München sei die längerere Öffnungszeit üblich, plädiert Festwirt Hans-Peter Grandl für eine Anpassung, die für alle Wirte gleichermaßen gelten solle. Die Verkürzung der Sperrzeit solle die städtische Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart bei der Ordnungsbehörde regeln.

Ein längerer Ausschank für die Logenplätze sei bereits "inoffiziell" versucht worden, und zwar bis 1 Uhr und 1.30 Uhr, sagt Wirtesprecher Werner Klauß. Da es dabei Überziehungen gegeben habe, sei die alte Schließzeit "knallhart wieder durchgezogen worden". Die Logen würden vor allem von Firmen gebucht. "Das sind sehr gute Gäste", verdeutlicht Klauß die wirtschaftliche Komponente.

Beim Veranstalter in.Stuttgart gibt man sich ob des Vorstoßes zugeknöpft. Es werde "keine grundsätzliche Veränderung der Öffnungszeiten" geben, sagt Sprecher Jörg Klopfer. Die Logen seien "nicht unser Thema, sondern Sache des jeweiligen Festwirts". Bei einer Besprechung im Januar im Rathaus mit Beteiligung von in.Stuttgart wurde das Thema besprochen, und zwar mit positivem Tenor: Die Ordnungsbehörde könne und wolle nicht dagegen sein, werde die Änderung aber vermutlich dem Gemeinderat zur Abstimmung vorlegen.

Ein Thema der Rathaus-Runde sollten auch die weit überhöhten Lärmwerte in den Zelten sein, die Messungen beim Volksfest ergeben hatten. Unsere Zeitung hatte sie bei der Veranstaltung "Mittendrin" im Neckarpark zum Thema gemacht. Gemessen wurden bis zu 110 Dezibel, erlaubt sind 80. Je zehn Dezibel werden als Verdoppelung der Lautstärke wahrgenommen. Auch außerhalb der Zelte kam es zu Überschreitungen.

Über das Thema Lärm sei nicht gesprochen worden, da das Gutachten nicht fertig gewesen sei, sagt ein Teilnehmer der Runde. Das Papier des Ingenierbüros Braunstein und Berndt ist seit dem 17. Januar komplett. Es belegt "die deutliche Überschreitung der Prognosewerte vor allem aufgrund der Festzelte und des Almdorfs", heißt es. Bei in.Stuttgart rechnet man damit, dass zum Frühlingsfest - Beginn ist am 21. April - keine Lärmauflagen gemacht werden. "Es hat einen anderen Charakter als das Volksfest, 80 Dezibel werden eingehalten", sagt Jörg Klopfer. Man habe selbst gemessen.

Zum Volksfest, sagt Klopfer, "wollen wir beim Lärm eine gemeinsame Konzeption mit Wirten, Brauereien und Schaustellern". Zumindest bei den Wirten ist das Interesse an der von Teilen des Gemeinderats vorgeschlagenen Lösung mit automatischen Pegelbegrenzern gering. "Wir unterliegen wirtschaftlichen Zwängen", sagt Karl Maier, der seit 15 Jahren den Familienbetrieb Göckelesmaier führt. Es sei "absolut irrsinnig", im Zelt nur 80 Dezibel zuzulassen. Dann könne die Musik "gleich abbestellt werden".

In den Zelten gebe es kein Problem, sagt Hans-Peter Grandl. Das Gutachten der Stadt sei zudem "nichtig", weil das Büro auf Tonaufzeichnungen verzichtet habe. Für sein Zelt sieht Grandl keine Gefahr: "Ich habe einen alten Vertrag und bin mir ganz sicher, dass da gar kein Lärmgrenzwert drinsteht", sagt Grandl, der seit 1999 auf dem Wasen ist. "Vielleicht", so der Wirt, müsse die Stadt den Anwohnern Lärmschutzfenster bezahlen.

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