Der „Münchinger Märkt“ und der Musikverein Münchingen gehören seit Jahrzehnten zusammen. Doch die Bläser haben beschlossen: Sie veranstalten kein Herbstfest mehr. Warum?
Frank Di Marco, der seit seiner Kindheit Mitglied des Musikvereins Münchingen ist, fasst die schwierige Situation mit wenigen Worten zusammen. „Es lohnt sich für uns nicht mehr“, sagt der Euphoniumspieler, der auch den Geschäftsbereich Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Schweren Herzens, sagt Frank Di Marco, habe man sich im Lauf des Jahres entschieden, dass es beim „Münchinger Märkt“ kein Herbstfest mehr gibt. Wenn am Samstag im Ortskern wieder das über 300 Jahre alte Traditionsfest stattfindet, wird der Musikverein im Höneshof also weder bewirten noch spielen noch andere Musikgruppen begrüßen.
„Es wird immer schwieriger, Freiwillige zu finden“
„Wir bedauern das sehr, zumal der ’Märkt’ das älteste Fest im Ort ist“, sagt Frank Di Marco. Doch zu wenig Gäste brachten in den vergangenen Jahren zu wenig Umsatz, sodass Aufwand und Ertrag in ein Missverhältnis geraten seien. Die Enge im Höneshof sei ein Problem – „die Leute wollen mehr Platz und weniger zu nahen Kontakt“ – als auch das Wetter. Gerade in den Abendstunden sinkt laut Di Marco der Umsatz, weil die Leute früh heimgehen, weil sie frieren. Und auch wenn stets genug Helfer mit anpackten, um die 40 etwa: „Es wird immer schwieriger, Freiwillige zu finden“, stellt Frank Di Marco fest. Insgesamt lasse auch das Engagement der Eltern der Nachwuchsbläser nach.
Frank Di Marco sagt, in der Geschichte seien „Märkt“ und Musikverein immer im Wandel gewesen: Als er Kind war, sei das Herbstfest in einem Zelt bei der Buddenberg-Halle gewesen, später in einer Scheune beim Rathaus. Nachdem die Scheune abgerissen worden war, zog der Musikverein in den Höneshof.
Was bleibt, sind der Bläserruf sowie der Fassanstich und die „Märktreden“. Und zu hören sein wird der Musikverein trotz aller Veränderungen. „Wir musizieren bei der Feuerwehr“, sagt Frank Di Marco. Das Gerätehaus habe mehr Möglichkeiten und mehr Platz, vor allem: Schutz vor Wind und Kälte.
„Das ist ein Verlust“
Seit Jahrzehnten gestalten der Musikverein und – etwas weniger lang – die Feuerwehr den „Münchinger Märkt“ mit, der ein Krämermarkt ist. Die Floriansjünger legen bereits am Freitagabend mit einer Party los. Der Kommandant Fabian Kunberger erwartet für Samstag mehr Gäste als sonst, weil das Herbstfest wegfällt. Nichtsdestotrotz, „es wird etwas fehlen“, fürchtet Fabian Kunberger. „Das ist ein Verlust für den gesamten ‚Märkt’.“ Den man sich wie eine Zeile vorstellen könne, die die Feuerwehr auf der einen und der Musikverein auf der anderen Seite eingerahmt hätten. Bis jetzt.
Dass die Feuerwehr beim „Märkt“ immer gut besucht sei, erklärt der Kommandant damit, dass sie als solche ein Publikumsmagnet sei. „Außerdem haben wir ein gutes und breites Angebot und mit der Fahrzeughalle einen riesen Vorteil, da wir vom Wetter unabhängig sind.“ Vor zehn, 15 Jahren waren die Kutteln der Renner, erinnert sich Fabian Kunberger. Die werden nun zwar nicht mehr serviert. „Dafür eine Pilzpfanne und Salat. Wir haben uns dem Lauf der Zeit angepasst.“ Fast alle der etwas über 60 Mitglieder der Abteilung Münchingen helfen laut Kunberger mit.
Auf dem Münchinger Märkt ist Alkohol tabu
Die Stadt Korntal-Münchingen als Veranstalterin des „Märkt“ findet das Aus des Herbstfests „mehr als bedauerlich, da die Veranstaltung sich auf privatem Gelände, aber doch zentral beim Krämermarkt befunden hat“. Wie sich das auf die Besucherzahl und Stimmung auswirkt, werde die Verwaltung erst hinterher wissen. „Dann ist auch der Zeitpunkt, sich Gedanken zu machen, wie es mit dem ‚Märkt’ weitergehen wird“, sagt die Rathaussprecherin Angela Hammer.
Formal betrachtet handle es sich um einen Krämermarkt, bei dem nach der Marktsatzung verschiedene Waren feilgeboten werden; der Ausschank von alkoholischen Getränken sei nicht gestattet. „Es handelt sich nicht um ein weiteres Straßenfest, sodass die parallelen Veranstaltungen außerhalb des Marktgeländes stattfinden müssen.“ Ob die Zeit für Krämermärkte vorbei sei? Im Rathaus bezweifelt man das: „Noch haben wir etliche Marktbeschicker, die seit vielen Jahren zu uns kommen und noch am Markttag ihre Bewerbung für das kommende Jahr abgeben.“
Volles Programm
Startschuss
Der „Münchinger Märkt“ mit Reden auf Schwäbisch beim Fassanstich wird an diesem Samstag, 20. September, um 10 Uhr am Münchinger Rathaus eröffnet. Es gibt Freibier und Brezeln. Der Krämermarkt mit rund 50 Ständen startet im Ortskern um 8 Uhr. Schließen werden die Stände um 18 Uhr.
Feuerwehr
Die Party vor dem „Märkt“ im Feuerwehrgerätehaus Münchingen in der Schulstraße geht am Freitag, 19. September, um 19 Uhr los, einschließlich Barbetrieb mit DJ Baze. Tags drauf ist ab 10 Uhr Weißwurstfrühstück, ab 11 Uhr Frühshoppen mit dem Musikverein Münchingen. Um 14.30 Uhr spielt die Jugendkapelle. Ab 20 Uhr ist erneut Barbetrieb mit DJ Baze.