Für Betroffene ist es schwierig, den eigenen Mundgeruch selbst zu beurteilen, da man sich an seine Gerüche gewöhnt. Foto: dpa

Ein Viertel der Deutschen leidet an schlechtem Atem. Meist wird er durch Bakterien verursacht. Aber auch Knoblauch, Alkohol und Zigaretten hinterlassen übelriechende Fahnen. Doch es gibt natürliche Mittel gegen Mundgeruch.

„Mundgeruch macht einsam“ – wohl jeder kennt diese Binsenweisheit. Nach der fünften Mundgesundheitsstudie (DMSV) leidet jeder vierte Bundesbürger unter schlechten Atem – die sogenannte Halitosis. Viele bemerken den Mief, der ihrem Mund entströmt, selber gar nicht. Ihrer Umgebung dagegen stinkt der schlechte Atem umso mehr. Dabei gibt es natürliche und gesunde Hausmittel gegen Mundgeruch, die schnelle Hilfe versprechen.

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Mit Backpulver und Natron gegen Mundgeruch

Nicht nur beim Backen oder im Haushalt finden Backpulver und Natron Anwendung. Auch gegen Mundgeruch können die Hausmittel helfen. Denn sie bringen den pH-Wert im Mund wieder ins Gleichgewicht und reinigen gleichzeitig Zunge und Zähne – ganz ohne Chemie! Stellen Sie Ihr eigenes Mundwasser mit Backpulver oder Natron her, indem Sie einen halben Teelöffel Backpulver oder Natron in einem Glas Wasser auflösen. Spülen Sie damit morgens und abends Ihren Mundraum aus, um zu frischem Atem zu gelangen.

Welcher Tee hilft gegen Mundgeruch?

Besonders effektiv gegen schlechten Atem sind Schwarzer und Grüner Tee. Denn diese Sorten unterdrücken das Bakterienwachstum im Mund und lindern Mundgeruch so auf natürliche Weise. Das haben Forschungen an der University of Illinois ergeben. Statt den Tee warm zu trinken, können Sie ihn auch abkühlen lassen und dann als Mundwasser verwenden. Auch Kamillen- und Salbeitee sagt man eine schnelle Hilfe bei Mundgeruch nach.

So hilft der Apfel gegen Mundgeruch

Die sekundären Pflanzenstoffe, die in Äpfeln enthalten sind, wirken antibakteriell und beugen so schlechtem Atem vor. Ein Apfel ist also das perfekte Dessert nach einer geruchsintensiven Mahlzeit wie Döner, Fisch oder Tsatsiki. Auch Karotten und Sellerie sollen effektive Hausmittel gegen Mundgeruch sein. Alternativ können Sie auch einen Esslöffel Apfelessig mit einem Glas lauwarmen Wasser vermischen und Ihren Mund damit ausspülen.

Kaffee und Mundgeruch: Eine verzwickte Geschichte

Während Kaffee als Heißgetränk im Verdacht steht, einen unangenehmen Atem zu verursachen, sollen Kaffeebohnen helfen, eben jenen schlechten Atem zu beseitigen. Vor allem wenn die Ursache des Mundgeruchs nicht auf den Mundraum, sondern auf Magenprobleme zurückzuführen ist, kann das Zerkauen von Kaffeebohnen hilfreich sein. Weiterer Vorteil: Kaffeebohnen enthalten kein Zucker und greifen daher nicht die Zähne an.

Zitronenwasser & Co bei Mundgeruch: Das hilft

Die Zitrone kommt dank ihrer Säure nicht nur in Lebensmitteln und Getränken zum Einsatz, sondern auch im Haushalt, um hartnäckige Verschmutzungen zu beseitigen oder Gerüche zu entfernen. Ebenso eignet sie sich als Hausmittel, um Mundgeruch zu lindern. Mischen Sie dafür den Saft einer halben Zitrone mit einem Glas Wasser und gurgeln Sie nach dem Essen damit. Achtung: Wenn Sie Verletzungen im Mundraum haben oder Zitrusfrüchte nicht gut vertragen, sollten Sie lieber auf einen anderen Tipp gegen Mundgeruch zurückgreifen.

Ingwer: Zauberknolle und Gehirnbooster

Die Wurzel des Ingwergewächses riecht aromatisch und schmeckt scharf und würzig. Ingwer macht aus Moder-Atem ein frisches Wölkchen. Einfach eine frische Scheibe kauen – und schon riecht man besser. Die Chemikalie 6-Gingerol im Ingwer ist für die mundgeruchsneutralisierende Wirkung von frischem Ingwer verantwortlich. Das haben Forscher der Technischen Universität München (TUM) herausgefunden. 6-Gingerol, das auch für den scharfen Geschmack der Knolle verantwortlich ist, führt zur Ausschüttung eines Speichelenzyms, das schwefelhaltige Verbindungen abbaut.

Demnach ließ das Gingerol innerhalb weniger Sekunden den Spiegel des Enzyms Sulfhydryl-Oxidase 1 im Speichel von vier Testpersonen um das 16-fache ansteigen. Das führte dazu, dass übelriechende Stoffe zersetzt wurden und der Nachgeschmack von Lebensmitteln wie Kaffee, Döner oder Scampi reduziert wurde. „Auch unser Atem riecht dadurch besser“, erklärte Studienleiter Thomas Hofmann , Direktor des Leibniz-Instituts für Lebensmittelsystembiologie an der Hochschule.

Tipp gegen Mundgeruch: Kräuter und Gewürze

Kräuter und Gewürze enthalten sowohl Chlorophyll als auch ätherische Öle. Beides wirkt geruchsbindend und kann deswegen als schnelle Hilfe gegen Mundgeruch verwendet werden. Dabei können Sie ganz einfach auf Küchenkräuter zurückgreifen, die Sie mit wenig Aufwand auf Ihrer Fensterbank ziehen können: Petersilie, Minze oder Kamille zum Beispiel. Auch Anis- und Fenchelsamen schaffen Abhilfe bei unangenehmem Atem.

Ölziehen als natürliches Mittel gegen Mundgeruch

Ölziehen – oft auch als Ölkauen oder Ölsaugen bezeichnet – ist eine Heilanwendung, die auf antike Traditionen aus Indien und Russland zurückgreift. Dabei wird der Mundraum mit speziellen Ölen oder Ölmischungen gespült. Gegen Mundgeruch eignet sich vor allem Olivenöl, das die Gerüche bindet und die Mundhöhle reinigt.

Spülen Sie Ihren Mundraum dafür bis zu 20 Minuten lang mit ein bis zwei Esslöffeln Öl aus. Mit der Zunge oder hilfsweise einer zusätzlichen Zahnbürste können Sie das Öl hin und her ziehen, durch Schlürfen und Saugen ziehen Sie es durch die Zahnzwischenräume. Spucken Sie das Öl anschließend aus, spülen Sie den Mund mit lauwarmen Wasser und putzen Sie sich wie gewohnt die Zähne.

Hausmittel gegen Mundgeruch: Teebaumöl als Ergänzung

Teebaumöl ist ein ätherisches Öl, das antibakteriell wirkt und den Atem erfrischt. Zum Ölziehen eignet es sich pur nicht, allerdings können Sie zum Olivenöl ein bis zwei Tropfen Teebaumöl geben. Eine andere Variante wäre, aus dem Teebaumöl ein Mundwasser herzustellen: Geben Sie dafür zwei bis drei Topfen des Öls in ein Glas Wasser und verwenden Sie die Mischung nach dem Zähneputzen wie eine herkömmliche Mundspülung. Als dritte Variante können Sie eine zusätzliche Zahnbürste mit ein bis zwei Tropfen Teebaumöl beträufeln und damit Zähne und Zunge reinigen.

Selbsttest: Habe ich Mundgeruch?

Wenn Sie den Verdacht haben, unter Mundgeruch zu leiden, können Sie beispielsweise eine vertraute Person fragen, ob diese das auch so empfindet. Oftmals ist Betroffenen das Thema aber unangenehm, deswegen gibt es auch zwei Methoden, wie Sie allein testen können, ob Sie Mundgeruch haben:

  1. Hauchen Sie in Ihre hohle Hand oder in eine kleinere, leere Plastiktüte, die keinen spezifischen Eigengeruch haben sollte. So können Sie an Ihrem eigenen Atem riechen.
  2. Lecken Sie mit der Zunge über Ihr Handgelenk oder Ihren Handrücken. Lassen den Speichel einen Moment trocknen. Riechen Sie anschließend daran – kommt Ihnen ein unangenehmer Geruch entgegen, kann dies auf Mundgeruch hindeuten.

Woher kommt Mundgeruch?

Meist sind Bakterien der Auslöser von Mundgeruch. Sie tummeln sich im hinteren Bereich der Zunge und verstoffwechseln Bestandteile dessen, was man so isst. Dabei entstehen flüchtige Schwefelverbindungen, erklärt Sebastian Paris vom Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Berliner Charité. Und jeder, der schon mal Schwefel gerochen hat, weiß: das ist nicht schön. Andererseits auch nicht schlimm. Nur eben unangenehm.

Behandlung: Was tun gegen Mundgeruch?

Der allerwichtigste Tipp bei Mundgeruch: ab zum Zahnarzt. Die zweithäufigste Ursache für Mundgeruch sind Entzündungen des Zahnbetts. Bleiben die unbemerkt, wird es richtig unangenehm. Unbehandelt fallen irgendwann die Zähne aus.

Hat der Zahnarzt Entzündungen oder andere Erkrankungen ausgeschlossen, wird er empfehlen, die Zunge jeden Tag zu reinigen. Dafür nimmt man einen Zungenschaber. Eine spezielle Paste ist nicht nötig. „Hilft das nicht ausreichend, gibt es auch spezielle Mundspül-Lösungen, die helfen“, sagt Paris. Prinzipiell ist selbstverständlich das regelmäßige Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder speziellen Bürstchen die Voraussetzung für eine gründliche Mundhygiene.

Seltener verursachen Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich Mundgeruch. Auch Stoffwechselerkrankungen können hinter dem unangenehmen Atem stecken. Ein süßlicher Geruch ist beispielsweise manchmal ein Anzeichen für Diabetes, während ein Ammoniak-Atem auf eine Nierenerkrankung hindeuten kann.

Oft sind allerdings auch nur Speisen und Getränke für schlechten Atem verantwortlich. Stark Gewürzte Mahlzeiten mit Zwiebeln oder Knoblauch können zu schlechtem Atem führen – teilweise auch mehrere Tage lang. Auch Alkoholkonsum, Rauchen und Stress können das Bakterienwachstum im Mundraum begünstigen. Mit Hausmitteln gegen Mundgeruch behandeln Sie meistens kurzfristig ein Symptom – langfristig sollten Sie aber die Ursache des schlechten Atems angehen, um beschwerdefrei zu werden.

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