Die Herzschwäche, medizinisch Herzinsuffizienz genannt, gilt als dritthäufigste Todesursache in Deutschland, im Jahr 2012 – so steht es im aktuellen Herzbericht der DGK – erlagen ihr 46 410 Menschen. Foto: Alterfalter/Fotolia

Fast 50 000 Deutsche sterben jährlich an Herzmuskelschwäche. Dennoch wird die Erkrankung selten von Betroffenen ernst genommen. Ein Fehler, wie viele Spezialisten betonen. Sie erklären, wie es zu der Herzinsuffizienz kommt und was man dagegen tun kann.

Mannheim - Ein Muskel, ungefähr so groß wie eine Faust und so schwer wie eine Dose Cola – das ist das menschliche Herz. Im Laufe eines 75 Jahre dauernden Lebens pumpt es unermüdlich 180 Millionen Liter Blut durch den Körper. Was aber, wenn diese Pumpe zu schwächeln beginnt? Zwei bis drei Millionen Bundesbürger, so heißt es beim 81. Kardiologenkongress, der bis zum 11. April in Mannheim stattfindet, leiden an einer solchen Herzmuskelschwäche – medizinisch Herzinsuffizienz genannt. Ihr Herz ist nicht mehr in der Lage, den Körper mit ausreichend Blut und damit mit genügend Sauerstoff zu versorgen.

Das Tückische an der Herzinsuffizienz ist: Sie entwickelt sich langsam aufgrund einer Vorschädigung des Herzmuskels, etwa nach einem Herzinfarkt, einem länger bestehenden Bluthochdruck oder einem Herzklappenfehler. Die Pumpfunktion kann auch durch falsche Ernährung, zu viel Alkohol oder Medikamente beeinträchtigt werden. Auch Krankheiten wie Rheuma oder Krebs schwächen das Herz. Anfänglich fühlen sich die Patienten kaum beeinträchtigt. Sie sind etwas müde und weniger belastbar im Alltag. Ihr Gedächtnis lässt nach, ihre Aufmerksamkeit ist eingeschränkt, auch können sie sich nicht sehr gut konzentrieren.

Ein Viertel aller Patienten sind nach einem Jahr tot

Dennoch wird dies von Betroffenen häufig nicht ernst genommen. Ein Fehler, wie viele Spezialisten betonen: „Die Herzinsuffizienz hat auch heute noch eine sehr ernste Prognose“, sagt der Tagungspräsident des Kardiologenkongresses, Stephan Felix. Rund ein Viertel aller Patienten mit einer Herzinsuffizienz sind nach einem Jahr tot. Damit gilt die Erkrankung als dritthäufigste Todesursache in Deutschland, im Jahr 2012 – so steht es im aktuellen Herzbericht der DGK – erlagen ihr 46 410 Menschen. „Die Herzschwäche stellt daher das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen“, sagt Felix.

Derzeit beraten in Mannheim 9000 Herzspezialisten aus 25 verschiedenen Ländern, wie die Medizin sich dieser Herausforderung stellen kann. Immerhin haben sich die Diagnoseverfahren verbessert: Mit bildgebenden Verfahren lassen sich die Wandbewegungen des Herzens beobachten, so der Kardiologe Hugo Katus von der Uniklinik Heidelberg. Obendrein gibt es Bluttests, die zeigen, wie sehr das Herz unter Stress steht. Therapien mit Medikamenten wie ACE-Hemmern und Betablockern ermöglichen ein längeres Überleben. Auch ein externes Kunstherz kann das schwache Organ unterstützen.

Sport kann Betroffenen helfen

Auch gegen die geistigen Defizite, die mit einer Herzschwäche einhergehen, gibt es inzwischen ein computerbasiertes Trainingsprogramm, von dem Betroffene profitieren können. Das belegt eine internationale Studie mit 8500 Teilnehmern, die die Psychologin Sonja Wedegärtner vom Uniklinikum des Saarlands beim Kongress präsentierte.

Wie wichtig die psychotherapeutische Begleitung neben der medizinischen Therapie ist, zeigen die Erfahrungen der Kardiologen: Lässt der Geist nach, beeinträchtigt das die Lebensqualität und auch die Therapietreue. Das wiederum würde zu vermehrten Krankenhausaufenthalten und letztlich zu einer erhöhten Sterblichkeit führen.

Dennoch braucht es bessere, neuere Therapien, sagt der Tagungspräsident Stephan Felix. „Es besteht enormer Forschungsbedarf zur Herzinsuffizienz, wir wollen daher in Mannheim Grundlagenforschung und klinische Forschung zusammenzubringen.“ Bis das gelingt, hilft bei Herzinsuffizienz nur eines: So gesund wie möglich leben. Auch Herzsport sowie regelmäßige Arztbesuche erhöhen die Lebenserwartung deutlich.

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