Die Kuppel des 1894 bis 1905 erbauten Berliner Doms auf der Spreeinsel, eine der größten evangelischen Kirchen in Deutschland. Foto: Mauritius Foto:  

Knapp 2,3 Milliarden Menschen gehören der größten Weltreligion an, die auf das Leben und die Lehre Jesus von Nazareth zurückgeht. Das Christentum ist gepalten in Tausende Kirchen und Konfessionen. Was ist das Gemeinsame und was das Trennende?

Markus Brauer

Stuttgart - Mit 2,3 Milliarden Anhängern ist das Christentum die größte Religionsgemeinschaft der Welt – gefolgt vom Islam mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Gläubigen. In Deutschland leben knapp 50 Millionen Christen. Doch nur eine Minderheit geht regelmäßig zum Gottesdienst und engagiert sich in den Gemeinden. Wir haben nach dem Islam-Abc in der letzten Solo-Ausgabe nun auch ein Abc des Christentums zusammen­gestellt und erklären Begriffe von A wie Abendmahl über R wie Reformation und S wie Sexualmoral bis Z wie Zölibat:

A wie Abendmahl

Seit es christliche Gemeinden gibt, wird das Abendmahl gefeiert. Als Danksagung (von griechisch „eucharistéo“) ist es eine der grundlegenden Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Alle Kirchen sehen in ihm eine Erinnerungsfeier an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung und Kreuzigung. Allerdings wird das, was im Abendmahl geschieht, und die Weise, wie Christus gegenwärtig ist, theologisch sehr unterschiedlich gedeutet. Die Katholische Kirche spricht von der Eucharistie, in der die Gläubigen die Kommunion empfangen (von lateinisch „communio“, Gemeinschaft). Durch die Einsetzungsworte des Priesters im Hochgebet wird das Brot zum Leib und der Wein zum Blut Christi gewandelt (sogenannte Transsubstantiation, lateinisch für Wesensverwandlung). Martin Luther war der Auffassung, dass Christus in Brot und Wein körperlich zugegen ist (sogenannte Realpräsenz). Nach reformiertem Verständnis (Hulderych Zwingli, Jean Calvin) ist das Abendmahl nur ein Zeichen (Symbol) für die Gegenwart Gottes. Die evangelischen Kirchen sprechen statt von Eucharistie von Abendmahl, um den Zusammenhang der Feier mit dem letzten Mahl Jesu deutlich zu machen. Während in der Katholischen Kirche die Eucharistie fester Bestandteil eines jeden Gottesdienstes ist, feiern Protestanten das Mahl weniger häufig, aber wenigstens einmal im Monat.

B wie Bibel

Das Wort Bibel (von altgriechisch „biblia“, Bücher) bezeichnet die Sammlung heiliger Schriften von Juden und Christen. Tanach ist der Name für die jüdische Bibel, die aus 24 Büchern besteht. Die evangelischen Kirchen haben den Tanach übernommen und in 39 Bücher eingeteilt. Hinzu kommen die 27 Schriften des griechischen Neuen Testaments – zusammen 66 Bücher. Katholische Bibeln umfassen 73 Bücher. Martin Luther hatte nämlich sieben Bücher, die im jüdischen Tanach ausgeschlossen wurden und in der katholischen Tradition Teil der Bibel waren, aus seiner Bibelübersetzung entfernt. Die Bibel ist innerhalb eines Zeitraums von rund 1000 Jahren entstanden. Die ältesten Texte stammen aus dem neunten und achten Jahrhundert v. Chr., die jüngsten aus der Zeit um das Jahr 100 n. Chr. Neben Geschichtsbüchern finden sich Gesetzestexte, Erzählungen, Lieder, Gedichte, Gebete, Predigten und Briefe. Das Alte Testament vereinigt die Zeugnisse der Geschichte und des Glaubens des Volkes Israel, das Neue Testament berichtet von Jesus, seinem Leben und seinen Lehren sowie der Zeit der frühen christlichen Gemeinden. Nach kirchlicher Lehre enthält die Bibel Gottes geoffenbartes Wort. Ihre Schriften entstammen – ähnlich wie die des Koran für Muslime – göttlicher Inspiration.

C wie Christentum

Eine von fünf Weltreligionen (neben Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum), die aus dem Judentum hervorgegangen ist. Im Mittelpunkt der Glaubenslehre steht Jesus von Nazareth. Nach seiner Kreuzigung und Auferstehung erkannten seine Anhänger in ihm den Sohn Gottes, Messias und Erlöser. Das Christentum ist eine monotheistische Religion: Seine Anhänger glauben an den einen, dreifaltigen und allmächtigen Gott. Die christliche Theologie dreht sich um Jesu Opfertod am Kreuz, durch den er die Menschen von Sünde und Schuld befreit und sie mit Gott versöhnt hat. Mit knapp 2,3 Milliarden Anhängern ist das Christentum vor dem Islam (1,3 bis 1,5 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 900 Millionen) die am weitesten verbreitete Religion. Weil die erste Offenbarung an den biblischen Stammvater Abraham ergangen ist, bezeichnet man Christentum, Islam und Judentum auch als abrahamitische Religionen. Die zahlreichen Konfessionen und Kirchen innerhalb des Christentums lassen sich in vier Hauptgruppen zusammenfassen: Römisch-Katholische Kirche (rund 1,2 Milliarden Mitglieder), orthodoxe Kirchen (220 bis 250 Millionen), Anglikanische Kirche (80 Millionen). Innerhalb der protestantischen Kirchen (rund 800 Millionen) ist die Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Pfingstbewegung die weltweit am stärksten wachsende Strömung im Christentum.

D wie Dreieinigkeit

Für Muslime ist die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder Trinität (von lateinisch „trinitas“, Dreizahl, Dreiheit) unvereinbar mit dem Glauben an den einen Gott – Allah. Deshalb wirft der Islam dem Christentum vor, einen Dreigötterglauben (Tritheismus) zu vertreten. Doch auch Christen glauben an den einen Gott – und zwar in den drei Gestalten Vater, Sohn und Heiliger Geist. Deswegen gehört das Christentum wie das Judentum und der Islam zu den monotheistischen Religionen (Glaube an den einen allumfassenden Gott). Allerdings ist kein Thema des christlichen Glaubens so rätselhaft wie das Bekenntnis zur Dreieinigkeit: Der Vater ist der Schöpfer der Welt. Er sendet seinen Sohn, um die Welt zu erlösen. Durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung befreit Christus die Menschen von Sünde und Schuld. Der Heilige Geist, den Christus sendet, ist die schöpferische Kraft, die alles Leben zusammenhält und auf den Auferstandenen hinlenkt. In der Bibel selbst findet sich noch keine Trinitätslehre, es gibt nur einige Formulierungen, in denen von Vater, Sohn und Geist gesprochen wird. Die eigentliche theologische Lehre wurde bis zum Ende des siebten Jahrhunderts von den ersten Konzilien herausgebildet, nachdem um rund 200 die Vorstellung aufkam, Jesus sei von Gott nur adoptiert worden und demzufolge nur ein Mensch (sogenannter Adoptianismus).

E wie Ehe

Im Christentum ist die Ehe die lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau. Während die Katholische Kirche sie als Sakrament einstuft, hat Martin Luther sie ein „weltlich Ding“ genannt. Das Wort Sakrament kommt vom Lateinischen „sacramentum“ – Heilszeichen. Es meint ein Zeichen, durch das der Mensch seinen Glauben bezeugt und in dem gleichzeitig Gott für ihn erfahrbar wird. In der Bibel wird die Ehe von Jesus als unauflöslich betrachtet. „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Matthäus-Evangelium Kapitel 19, 6). Deshalb ist in der Katholischen Kirche eine Wiederverheiratung Geschiedener auch unmöglich. Nicht die Kirche oder der Priester spenden das Ehe-Sakrament, sondern die Ehepartner einander, wann immer sie das Jawort in der kirchlich anerkannten Formulierung sprechen. Nicht der Trauritus allein ist entscheidend, sondern das gesamte gemeinsame Leben als Paar und Familie ist sakramental. In der Evangelischen Kirche ist eine erneute kirchliche Trauung unter bestimmten Voraussetzungen möglich. So darf zum Beispiel der künftige Ehepartner nicht für die Scheidung mitverantwortlich sein.

F wie Fundamentalismus

Der Begriff religiöser Fundamentalismus kommt vom Lateinischen „fundamentum“, Grundlage, Grundanschauung). Gemeint ist eine äußerst konservative, einseitig an der Bibel orientierte und von ihrer buchstäblichen Irrtumslosigkeit überzeugte Frömmigkeit. Heute dient Fundamentalismus auch als Bezeichnung für radikale Strömungen in anderen Religionen und Bewegungen. Der religiöse Fundamentalismus ist ein globales und sich zunehmend verschärfendes Problem. Der Begriff stammt ursprünglich aus einem christlichen Kontext: 1910 bis 1915 veröffentlichten Theologen der evangelikalen Bewegung in den USA die Schriftenreihe „The Fundamentals“ über die Fundamente des christlichen Glaubens. Mittlerweile ist der Begriff zum Synonym für eine radikale Denkhaltung, für Intoleranz, Engstirnigkeit, Antimodernismus und Wissenschaftsfeindlichkeit geworden. Fundamentalisten sind überall dort zu finden, wo soziale Verunsicherung und ­kultureller Wandel Traditionen und Werte hinweg spülen. Religion wird zum wichtigsten Halt in einer als feindlich empfundenen Lebenswelt – in Form eines intoleranten, starren Dogmatismus, der nur die strikte Befolgung von Glaubenssätzen fordert. Jedes Abweichen von der reinen Lehre wird als Sünde und Abkehr vom rechten Pfad gebrandmarkt. Die Absolutsetzung der Religion findet sich im modernen Islam genauso wie im US-Protestantismus oder im Hinduismus. Der evangelische Theologe Peter Zimmerling erklärt: „Entscheidend für das Verständnis des Fundamentalismus ist, dass es sich um eine moderne Bewegung handelt. Am deutlichsten wird ­seine Modernität daran, dass er traditionelle religiöse Überzeugungen ideologisiert. Dadurch wird die jeweilige vom Fundamenta­lismus geprägte Religion zur Ideologie mit technisch-wissenschaftlichen Wahrheitsansprüchen.“

Das Christentum von A bis Z - Teil II

G wie Gleichberechtigung

Frauen spielen im Leben aller christlichen Kirchen eine zentrale Rolle. Ohne das weibliche Geschlecht läuft in den Pfarreien gar nichts. Wenn es aber um Ämter und Macht geht, müssen Frauen – zumindest in der Katholischen Kirchen – in die zweite Reihe treten. Karriere ist in der römischen Glaubensgemeinschaft immer noch Männersache. Während in den protestantischen Kirchen Pfarrerinnen und Bischöfinnen selbstverständlich sind, verteidigt der Vatikan weiter die männliche Dominanz und lehnt vehement die Ordination (Segnung und Aussendung zu einem geistlichen Amt) von Frauen ab. Dabei beruft sich die von Männern geleitete Kirche in ihrem antiemanzipatorischen Affekt ausgerechnet auf das Neue Testament. Da Jesus nur Männer zu seinen Jüngern auserkoren habe, müssten Frauen sich mit anderen Aufgaben innerhalb der Kirche begnügen. Die Ämter des Diakons, Priesters und Bischofs dürfen nur von Männern ausgeübt werden, was nicht nur Feministinnen sauer aufstößt. Im Zuge der Emanzipationsbewegung konnten Frauen ab den 1960er Jahren in den meisten protestantischen Kirchen Pfarrerin werden. Allerdings ließ sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit der Gleichberechtigung Zeit. 1991 gewährte die evangelisch-lutherische Kirche Schaumburg-Lippe als letzte evangelische Landeskirche Frauen rechtlich die volle Ordination ins Pfarramt.

H wie Hölle

Hölle bezeichnet in der traditionellen Theologie das Reich der von Gott getrennten Toten (Hiob 1, 9) sowie den Ort des endzeitlichen Strafgerichts (2. Buch der Könige, Kapitel 23, 10), wo die Menschen für ihre Sünden ewig büßen müssen. Doch gibt es überhaupt einen solchen Ort, wo die Sünder Höllenqualen erleiden? 1999 sorgte der Jesuiten-Orden für Aufsehen, als er die jahrhundertealte Lehre der Katholischen Kirche vom Höllenfeuer kurzerhand abschaffte. Die Verdammnis wurde zu einer „Existenzform des Menschen“ erklärt, „in der er unter dem Schmerz leidet, auf Gott verzichten zu müssen“. Auch die Anglikanische Kirche von England schaffte Mitte der 1990er Jahre die traditionelle Lehre vom Höllenfeuer ab. Der richtende Gott sei kein „sadistisches Monster“, das Sünder zu ewiger Folter verurteilt. Hölle würde besser mit „Nicht-Sein“ beschrieben. Oder, wie es die Katholische Kirche definiert, mit einem „Reinigungszustand“. Papst Johannes Paul II. (1920–2005) erklärte: „Die Hölle meint nicht so sehr einen bestimmten Ort, sondern vielmehr die Situation dessen, der sich frei und endgültig von Gott entfernt hat.“ Deutlich radikaler denken US-Evangelikale über Luzifers Reich. Die Bösen werden am Ende der Welt von den Gerechten getrennt und in einen Feuerofen geworfen, interpretieren einige Prediger die Bibel. „Am Ende der Zeiten werden die Gerechten in der Gegenwart Gottes ewige Glückseligkeit erlangen, und die Bösen werden zum ewigen Tod verurteilt werden“, schreibt beispielsweise das evangelikale US-Magazin „Christianity Today“.

I wie Islam

„Extra ecclesiam nulla sallus est“ – Außerhalb der Kirche kein Heil. Wohl kaum ein kirchlicher Satz war so verhängnisvoll wie dieses Bekenntnis, das zurückreicht bis ins vierte Jahrhundert. Fürsten, Päpste und religiöse Fanatiker beriefen sich in der Kirchengeschichte immer wieder darauf, um ihre Interessen und Ziele durchzusetzen. Das Konzil von Florenz (1442) hat diesen Satz quasi zum Dogma erhoben: „Niemand außerhalb der Katholischen Kirche „wird „des ewigen Lebens teilhaftig“ . Also weder Heide noch Jude, weder Buddhist noch Muslim, von Atheisten ganz zu schweigen. Die Katholische Kirche brauchte bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965), bis sie sich zur Anerkennung von Religionsfreiheit und Toleranz durchrang. Das Verhältnis von Christentum und Islam ist vor allem dadurch geprägt, dass beide sich als absolute Religion verstehen und die endgültigen Offenbarung Gottes für sich beanspruchen. Ein interreligiöser Dialog war und ist unter solchen Voraussetzungen schwierig. Zwar erhebt die Katholische Kirche keinen exklusiven Heilsanspruch mehr, dafür aber eine Art inklusiven. Das heißt: Da alle Menschen von Jesus Christus erlöst sind, gilt das für alle „Andersgläubigen“ – und damit auch Muslime. Irgendwie sind doch alle Menschen Christen, auch wenn sie davon nichts wissen oder vom Gegenteil überzeugt sind.

J wie Jesus

„Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus.“ Mit dieser Formel des Großen Glaubensbekenntnisses ist alles gesagt: Das Christentum ist der Glaube an die Offenbarung Gottes in Jesus Christus, an seine Verkündigung und an die Gemeinschaft der Kirche. Doch wer war Jesus? Hat er wirklich gelebt? Auf diese Fragen geben die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie einige nichtchristliche Quellen Aufschluss. Dass Jesus von Nazareth eine reale Person war, daran lassen sie keinen Zweifel. So schreibt der römische Historiker Tacitus (55–120 n. Chr.): „Christus war unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus zum Tode verurteilt worden.“ Auch der Islam anerkennt im Koran Jesus als Propheten und einen der Stammväter der Bibel. Jedoch leugnet er die Gottessohnschaft und Erlösungstat Jesu Christi, wie sie im Neuen Testament bezeugt wird. Über den historischen Jesus ist keine lückenlose Biografie überliefert. Was über ihn verfasst wurde, verrät vor allem etwas über den Jesus im Glauben der Gemeinde. Laut den Evangelien war Jesus Jude und wurde während der Regierung Herodes’ des Großen vermutlich um sieben v. Chr. in seiner Heimatstadt Nazareth geboren. Nachdem er sich im Jordan von Johannes taufen ließ, trat er kaum mehr als ein Jahr öffentlich als Wanderprediger auf. Im Jahre 30 wurde er während des jüdischen Passah-Festes zum Tode verurteilt und am Kreuz hingerichtet. Danach beginnt die Geschichte der Kirche.

K wie Katholische Kirche

Die Römisch-Katholische Kirche ist mit rund 1,2 Milliarden Anhängern die größte Kirche innerhalb des Christentums. 23 Teilkirchen eigenen Rechts mit eigenem Ritus gehören ihr an, wobei die nach Mitgliederzahl größte die lateinische Kirche und die katholischen Ostkirchen sind. Mit den orthodoxen Kirchen, der Anglikanischen und Altkatholischen Kirche teilt sie den Glauben an alle sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Ehe, Weihe und Krankensalbung). Als Stellvertreter Christi hat der Papst eine universale und unfehlbare Autorität inne. Doch nicht der jeweilige Amtsinhaber als Einzelperson ist unfehlbar. Nur wenn der Papst in seiner Funktion als oberster Lehrer in Fragen des Glaubens und der Sitte „ex cathedra“ – das heißt „von der Kathedra aus“, dem Bischofssitz von Rom – spricht, ist er irrtumsfrei. In der Katholischen Kirche wird die Amtsgewalt nicht wie im Protestantismus von der Gemeinde stellvertretend übertragen, sondern durch die Weihe sakramental, das heißt unveränderlich und durch Gott selbst verliehen. Während Protestanten im Papstamt ein entscheidendes Hindernis für die Ökumene sehen, ist für Katholiken der Nachfolger des Apostels Petrus gerade der Garant und das Symbol der Einheit.

Das Christentum von A bis Z – Teil III

L wie Liebe

Das Christentum gilt als Religion der Nächstenliebe, auch wenn seine Praxis oft ganz anders aussah. Dennoch: Wenn es eine biblische Umschreibung für Gott gibt, dann ist es diese: „Gott ist die Liebe“ (1. Johannesbrief 4, 8). Gott ist nicht denkbar ohne Liebe und Gegenliebe. Da er als Schöpfer der Welt nicht auf die Liebe seiner Schöpfung angewiesen ist, muss er selbst schon in sich die vollkommene Liebe tragen. Die Liebe des göttlichen Vaters wird den Menschen in Jesus Christus offenbart. Er predigt ihnen von Gottes Liebe zu den Menschen und von der Nächstenliebe, die jeder Menschen dem anderen und sich selbst entgegenbringen soll. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Brief an die Galater 5, 14). Das ist der Kern der christlichen Botschaft: Der Mensch ist von Gott geliebt und soll seinen Nächsten und sich selbst lieben. Daraus ergab sich ein revolutionäres Menschenbild: Vor Gott sind alle Menschen gleich. Arm oder reich, Frau oder Mann – niemand kann sich einbilden, etwas Besseres zu sein.

M wie Maria

Die Liste ihrer Titel ist lang: Maria ist die Mutter Jesu, Himmelskönigin, Gottesgebärerin, reine Magd, Schmerzensmutter. Die Geburtsevangelien sind die ältesten Texte, die von ihr handeln. Nach Matthäus hatte Maria neben ihrem Erstgeborenen Jesus noch vier weitere Söhne und mindestens zwei Töchter (Matthäus Kapitel 13, 55 f.). Sie gehörte der ersten Christengemeinde an (Apostelgeschichte Kapitel 1, 14) und wurde am Pfingsttag vom Heiligen Geist erfüllt. Im Laufe der Zeit kamen Legenden und fromme Erzählungen hinzu. Mariens Leben war dramatisch: Sie floh nach Ägypten, um ihr Neugeborenes vor der Verfolgung zu retten, und musste mit ansehen, wie ihr Sohn getötet wurde. Die Marien-Dogmen der Katholischen Kirche von der „Unbefleckten Empfängnis Marias“ (1884) und ihrer „leiblichen Aufnahme in den Himmel“ (1950) sind nach evangelischer Ansicht biblisch nicht zu begründen. Die Marien-Frömmigkeit trennt bis heute ganz wesentlich die christlichen Konfessionen.

N wie Naturwissenschaft

„Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“ Dieser Satz stammt von Werner Heisenberg (1901–1976). Der Physiknobelpreisträger wollte damit sagen: Religion und Naturwissenschaft, Glaube und empirisch-experimentelle Forschung schließen sich nicht aus. Das eine folgt aber auch nicht zwangsläufig aus dem anderen. Beide ergänzen sich, korrespondieren, stellen sich gegenseitig infrage und bringen so den Diskurs, das Nachdenken über die Welt und das, was sie im Innersten zusammenhält, voran. Charles Darwin, der Vater der Evolutionslehre, ist der Prototyp des gläubigen Naturwissenschaftlers. Als anglikanischer Theologe stand für ihn zweifelsfrei fest: Der Kosmos trägt die Handschrift einer Macht, welche die Religionen mit dem Wort „Gott“ umschreiben. Als Biologe war für ihn genauso zweifelsfrei klar: Es gibt keine göttliche Hand, welche die Evolution in eine bestimmte Richtung lenkt. Die Naturwissenschaften würden sich selbst ad absurdum führen, wenn sie einen Schöpfergott als Ursache-Prinzip wie die Theologie mitdenken würden. Ihre Erkenntnisse lassen den Wissenschaftler staunen über das, was ist und wie es ist. Der Glaube fängt dort an, wo die Naturwissenschaft endet und schweigen muss. Und beide offenbaren das Wunder des Lebens, das zu bewahren der Mensch berufen ist.

O wie Orthodoxie

Beim Stichwort Orthodoxie denken viele an goldene Zwiebeltürme, Modest Mussorgsky’s Oper „Boris Godunow“, Ikonen, fromme Gesänge und Schwaden von Weihrauchduft. Das Wort orthodox stammt vom griechischen „orthos“ (geradlinig, richtig) und „doxa“ (Verehrung, Glaube). Es meint die richtige Verehrung und rechte Lehre Gottes aller Kirchen, die dem byzantinisch-orthodoxen Ritus aus der Zeit vor der Reformation angehören. Zu den verschiedenen orthodoxen Kirchen bekennen sich zwischen 220 und 250 Millionen Gläubige. Von allen Glaubensgemeinschaften ist sie am engsten mit dem frühen Christentum verbunden. Deshalb sieht sich die Orthodoxie auch als einzig legitime Nachfolgerin der alten Kirche und Bewahrerin der frühchristlichen Traditionen. Die orthodoxen Kirchen sind vor allem in Osteuropa und im Nahen und Mittleren Osten beheimatet. Obwohl es sich meist um kulturell eigenständige Nationalkirchen handelt, bilden sie untereinander eine lose Kirchengemeinschaft. Allerdings werden sie nicht von einem gemeinsamen Oberhaupt geleitet, sondern es gibt verschiedene Patriarchate (wie Moskau, Istanbul, Jerusalem, Bukarest, Sofia oder Antiochia). Die beiden größten orthodoxen Kirchen sind die Griechisch- und Russisch-Orthodoxe Kirche. Großen Wert legen Orthodoxe auf die Feier der Liturgie sowie die Verehrung von Heiligen und Ikonen. Von ihnen zu unterscheiden sind die altorientalischen Kirchen (wie etwa Kopten) und die katholischen, mit Rom unierten Ostkirchen.

P wie Papst

Der römische Papst hat viele Titel. Einer der klangvollsten lautet: Pontifex maximus – oberster Brückenbauer. Das Kirchenoberhaupt soll Brücken bauen – innerhalb der Katholischen Kirche, zu den reformierten und orthodoxen Kirchen und zum Judentum. Eine Aufgabe, der viele Päpste in der 2000-jährigen Kirchengeschichte nicht besonders gerecht wurden. Das römische Papsttum entstand im ersten Jahrhundert n. Chr., als der Apostel Petrus, „primus inter pares“ – der Erste unter Gleichen, den Jüngern Jesu –, nach Rom kam und zum Vorsteher der dortigen kleinen Christengemeinde wurde. Von daher rührt auch das erste Amt des Papstes: Er ist Bischof von Rom. Den griechischen Bei­namen „Petrus“ (Fels) verlieh ihm Jesus selbst („Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen“, Matthäus Kapitel 16,18) und übergab ihm damit die Leitung der Kirche. Mit Petrus, dem einfachen Fischer aus Galilea, beginnt die Zählung aller Päpste – bisher 266 an der Zahl. Ursprünglich war der Name Papst (von lateinisch „papa“) ein Ehrentitel. Bis zum siebten Jahrhundert wurde er allen Bischöfen verliehen, dann aber exklusiv nur noch dem Bischof von Rom. Nach katholischem Verständnis ist der Papst Stellvertreter Christi, Leiter der Gesamtkirche und Oberhaupt des Bischofskollegiums. Martin Luther sah in ihm nur den römischen „Antichrist“ und Ablasshändler, dem er sich mit seiner Reformation entgegenstellte.

Das Christentum von A bis Z - Teil IV

 

Q wie Qumran

Die Ruinenstätte Qumran liegt auf einem Felsplateau, 325 Meter unter dem Meeresspiegel und 97 Meter über dem Toten Meer, 25 Kilometer westlich von Jerusalem im Westjordanland. Hier lebten bis zur Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer (70 n. Chr.) Essener, eine Gruppe religiöser Juden. Zwischen 1947 und 1956 fanden Archäologen in elf Felshöhlen rund 15 000 Fragmente von etwa 850 Rollen aus der Zeit des antiken Judentums, die von rund 500 verschiedenen Schreibern zwischen 250 v. Chr. und 40 n. Chr. beschriftet wurden. Die Rollen bestehen aus zu Pergament verarbeitetem Schafs- und Ziegenleder sowie aus Papyrus. Auf ihnen sind Texte aus der hebräischen Bibel festgehalten worden, darunter das Buch Jesaja, Teile der Psalmen, des Buches Daniel und ein Kommentar zu Habakuk. Zwar hat die Forschung ergeben, dass Jesus von Nazareth nicht der Essener-Gemeinde angehörte oder nahestand. Dennoch sind die Qumran-Funde von unschätzbarem Wert für die Textanalyse des Alten Testamentes und für das Verständnis des antiken Judentums zu Beginn unserer Zeitrechnung.

R wie Reformation

„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie werde ich vor Gott gerecht?“ Diese Frage trieb den jungen Martin Luther (1483–1546) um. Die Kirche schien sich aufzulösen und zu zersetzen. Luther wollte keine neue Kirche gründen, doch angesichts von Ablasshandel, Vetternwirtschaft und der Jagd nach weltlichem Reichtum wollte er das religiöse Leben erneuern und wiederherstellen. Aus dem Wunsch Luthers und vieler Christen nach einer Neubesinnung auf die Bibel und die Wurzeln des Glaubens entstand die Reformation, eine religiöse Erneuerungsbewegung, welche die Einheit der westlichen Kirche zerbrechen ließ. Zwischen 1517 und 1648 spaltete sich die lateinische Christenheit in verschiedene Konfessionen – katholisch, lutherisch, reformiert. In Deutschland war es Luther, der die Reformation vorantrieb, in der Schweiz waren es Huldrych Zwingli (1484–1531)und Johannes Calvin (1509–1564). Es war Luthers tiefste Überzeugung, dass der Mensch angesichts seiner Sündhaftigkeit nur „sola fide“ – allein durch den Glauben an Christi Erlösungswerk – und „sola gratia“ – allein durch Gottes Gnade – erlöst und gerettet werden kann. Er kann sich sein Seelenheil nicht durch Werke der Barmherzigkeit, Demut, Nächstenliebe oder den Empfang der Sakramente verdienen und schon gar nicht durch Geld erkaufen. Die Rückbesinnung auf die Quellen des Glaubens führte Luther zur Heiligen Schrift, die er ins Deutsche übersetzte – 1522 das Neue Testament und 1534 die ganze Bibel.

S wie Sexualmoral

Das „Corpus Delicti“ ist eine unscheinbare kleine Pille und eine dünne Latexhülle. Für die Katholische Kirche sind Antibabypille und Kondom verdammenswerte Lustinstrumente. Dass „jeder eheliche Akt von sich aus auf die Erzeugung menschlichen Lebens ausgerichtet bleiben“ müsse, steht für die Glaubenshüter im Vatikan so fest wie das Amen in der Kirche. Wenn aber Pille und Kondom ins Spiel kommen, wird Liebe zum Laster und Sex zur Sünde. „Es dürfte kaum einen Bereich menschlichen Handelns geben, mit dem sich kirchliches Amt, Theologie und Gläubige so schwertun wie mit der Sexualität“, urteilt der katholische Moraltheologe Konrad Hilpert. In das bunte Treiben der Studentenkommunen und Hippie-Zirkeln mit ihrem „Make love, not war“-Slogan schlug am 25. Juli 1968 ein päpstliches Donnerwetter ein. Mit „Humanae Vitae“ versuchte Papst Paul VI. einen Damm gegen jede Form künstlicher Empfängnisverhütung zu errichten. Nach der in der Enzyklika zementierten Sexualmoral ist jede Handlung verwerflich, welche die Fortpflanzung vor, während und nach dem ehelichen Akt verhindert. Lediglich die Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage der Frau ist erlaubt, weil „die Eheleute von einer naturgegebenen Möglichkeit rechtmäßig Gebrauch“ machen. Die „Pillen-Enzyklika“ führte zur tiefen Kluft zwischen Amtskirche und Gläubigen, die bis heute nicht überwunden ist. Die Distanz zur kirchlichen Sexualethik sei seitdem ständig gewachsen, stellt der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff fest. Was die Kirche endlich brauche, sei ein angstfreier Blick auf Sexualität, mahnt Christian Weisner von der Vereinigung Wir sind Kirche. Sie dürfe sich nicht länger „hinter jahrhundertealten Mauern verbarrikadieren“. Doch auf eine moderne Sexualmoral, welche die Fragen und Nöte der Menschen und die globalen Herausforderungen ernst nimmt, wartet man trotz Weltbischofssynode und Reformpapstes vergebens.

T wie Toleranz

Auch wenn das Christentum ursprünglich die Religion der Nächstenliebe war, taten sich seine Anhänger oft schwer damit, ihren Nächsten zu tolerieren. Mit Feuer und Schwert wurde Heiden, Hexen und Ketzern zu Leibe gerückt. „Deus lo vult“ – Gott will es: Mit diesem Sendspruch auf den Lippen mordeten christliche Kreuzfahrer Juden, Muslime und selbst Christen während der mittelalterlichen Kreuzzüge, was das Verhältnis des Christentums zum Islam bis heute nachhaltig belastet. Auch die Missionierung Lateinamerikas, die den Indios die Frohe Botschaft bringen sollte, war in Wirklichkeit Völkermord. Die Toleranzidee ist keine Erfindung des Christentums, sondern entstand in der europäischen Geistesgeschichte aus der praktischen Notwendigkeit des Staates, das gesellschaftliche Zusammenleben auf friedlichem Wege zu regeln. Unterschiedliche religiöse Bekenntnisse mussten akzeptiert werden, damit sich Tragödien wie die des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) nicht wiederholten und die Europäer sich nicht gegenseitig massakrierten. Es waren letztendlich Humanismus und Reformation, die zu Ideen von Freiheit, Emanzipation und Demokratie führten. So sieht der Historiker Heinrich August Winkler in der „Gewissensfreiheit des Einzelnen“ das „Urpostulat des Protestantismus“.

U wie Urchristentum

Im Anfang war eine kleine eingeschworene Gemeinschaft, die einem Wanderprediger aus Galiläa für den Auserwählten Gottes hielt und seiner Botschaft über seinen Tod hinaus die Treue hielt. Urchristen nennt man die ersten Gläubigen, von denen einige wenige Jesus von Nazareth noch selbst kannten und der Welt von ihm Kunde gaben. Die Zeit des Urchristentums reicht von 30 n. Chr. bis zur Abfassung der letzten neutestamentlichen Schriften um 100 n. Chr.. Dabei verstanden sich Jesu Jünger als Teil des Judentums, und so wurden sie auch von Römern und Juden wahrgenommen. Der Wandel zur Völkermission kam mit dem in der Apostelgeschichte geschilderten Apostelkonzil (etwa 48 n. Chr.). Mittelpunkt der Verkündigung unter den Heiden war der Apostel Paulus, der sich in 14 Briefen an die christlichen Gemeinden wandte. Das Ende der Jerusalemer Urgemeinde kam mit dem Bar-Kochba-Aufstand der Juden gegen die römischen Besatzer (132–135). Ihre letzten Mitglieder mussten aus Jerusalem fliehen, womit auch die endgültige Trennung vom Judentum besiegelt war.

Das Christentum von A bis Z - Teil V

V wie Vaterunser

Beten ist Reden mit Gott. Das ist die kürzeste Definition von Gebet. Als zentrale Glaubenspraxis kommt sie in allen Religionen vor – als verbale oder nonverbale rituelle Zuwendung an einen Gott, eine Göttin oder an Gottheiten. Religion braucht einen Bezug zum Transzendenten – etwas, was die sinnlich wahrnehmbare Welt übersteigt. Der Glaubende fühlt sich mit einer höheren Macht verbunden, die sich ihm aus dem Jenseits mitteilt. Im Gebet antwortet er und öffnet sich ihr mit all seinen Ängsten, Bitten, Hoffnungen und Sorgen. Das Vaterunser ist das am weitesten verbreitete, gemeinsame Gebet aller Christen – ein Klassiker unter den frommen Texten –, das laut Neuem Testament Jesus selbst seine Jünger gelehrt hat. Es wird von Christen aller Kirchen und Konfessionen gebetet, im Gottesdienst genauso wie beim stillen Gebet. Überliefert ist es in einer längeren Version mit sieben Bitten im Matthäusevangelium (Kapitel 6, 9–13) und in einer kürzeren Version mit fünf Bitten bei Lukas (Kapitel 11, 2–4).

W wie Weihnachten

„Früher war mehr Lametta“, klagt Opa Hoppenstedt im Loriot-Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“. Lametta ist ein Symbol für den gesellschaftlichen Wandel des Weihnachtsfestes, des volkstümlichsten aller christlichen Feste, an dem der Geburt Jesu von Nazareth gedacht wird. Zwei Evangelisten berichten darüber: Matthäus und Lukas. Jesus wird in Bethlehem geboren, der Heimatstadt Davids, aus dessen Nachkommenschaft der Messias stammen soll. Ein genaues Geburtsdatum lässt sich nicht ermitteln. Wenn es stimmt, dass Jesus während der Herrschaft Herodes’ des Großen zur Welt kam, wurde er spätestens 4 v.Chr. geboren, da in diesem Jahr Herodes starb. Weihnachten ist – über alle religiösen und konfessionellen Grenzen hinweg – so stark und unausrottbar wie kein anderes Fest, weil die Sehnsucht nach dem Heiland und seiner Verheißung einer heilen Welt fundamental und urmenschlich ist. Seine Friedensbotschaft entspringt einem tiefen Grundbedürfnis, das allen Menschen zu eigen ist. Keine Zeitströmung, mediale Verflachung oder agnostische Leugnung könnte die Hoffnung auf den himmlischen Retter aus der Welt schaffen.

X wie XP

X und P ineinander geschrieben sind neben dem Kreuz und Fisch eines der ältesten und am häufigsten verwendeten Symbole des Christentums. Sie wurden seit dem zweiten Jahrhundert von Christen verwendet, um ihren Glauben an Jesus Christus zu bezeugen. XP, das sogenannte Christusmonogramm, wird auch als „Chi-Rho“ oder Konstantinisches Kreuz bezeichnet. Die ersten beiden Buchstaben des griechischen Wortes „Christos“ sind X (Chi) und Rho (P) dienen als Abkürzung für den Titel Christus, der Gesalbte. Geschrieben ähneln beide Schriftzeichen dem lateinischen X und P, die als Synonym für „Pax Christi“ – der Friede Christi – verwendet werden. Der römische Kaiser Konstantin der Große (270–337) soll 312 vor der entscheidenden Schlacht bei der Milvischen Brücke gegen seinen Kontrahenten Maxentius befohlen haben, die Buchstaben X und P auf die Schilde und Feldzeichen seiner Legionen zu malen. Der Legende nach wurde ihm in einer Vision geweissagt: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“

Y wie Ysop

„Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund.“ So berichtet der Evangelist Johannes (Kapitel 19, 29) von Jesu Kreuzigung. Zwölfmal kommt „Hyssopus officinalis“ in der Bibel vor. In der tridentinischen Messe,dem alten katholischen Ritus, betet der Priester: „Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee“ (Psalm 51, 9). Ysop ist eine wohlriechende, bis zu 60 Zentimeter hohe Staude, die zur Familie der Lippenblütler gehört. Sie wird auch Bienenkraut oder Essigkraut genannt. Im Judentum wurde die Pflanze mit den violetten Blüten für Reinigungsrituale im Tempel verwendet, aber auch zur Behandlung Leprakranker. Im Johannesevangelium könnte der Ysop-Strauch mit dem Schwamm an einen Stock gebunden worden sein, um den ätzenden Essig-Geschmack abzumildern. Da Ysop ein biblisches Symbol für Reinheit ist, könnte er auch eine Metapher für das reine Opfer und die freie Hingabe Christi am Kreuz sein.

Z wie Zölibat

Das Zölibat (von lateinisch „caelebs“ - allein, unvermählt lebend) meint das aus religiösen Gründen abgegebene Versprechen, sich für das weitere Leben zu Ehelosigkeit und sexueller Enthaltsamkeit zu verpflichten. Neben der Römisch-Katholischen Kirche kennen auch die Orthodoxe, Anglikanische und Evangelische Kirche ein solches Versprechen. In der Katholischen Kirche gilt es für alle Priester, in den unierten Ostkirchen sowie in den orthodoxen Kirchen nur für Bischöfe und Mönche. Diese Verpflichtung gehört nicht zum Wesen des Priestertums und beginnt mit der Weihe zum Diakon. Begründet wird die priesterliche Ehelosigkeit mit der Wertschätzung von Keuschheit und Jungfräulichkeit sowie der Dienstfunktion von Klerikern. Das Enthaltsamkeit-Zölibat wurde auf der Synode von Elvira (306) als Gesetz formuliert. 1022 ordnete Papst Benedikt VIII. an, das Geistliche nicht mehr heiraten durften. Bis zum Zweiten Laterankonzil 1139 gab es verheiratete und unverheiratete Priester. Das Konzil machte die Weihe zu einem trennenden Ehehindernis. Seitdem ist das Zölibat Zugangsvoraussetzung für den Priesterberuf. Daran hat sich bis heute nichts geändert – trotz aller Forderungen im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965), es aufzuheben. Schätzungsweise 100 000 katholische Priester haben seitdem ihr Amt aufgegeben.

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