Zurück auf der Bühne: Edward Clugs Chopin-Ballett „Ssss...“ (Foto von der Uraufführung mit Anna Osadcenko (unten) und William Moore (oben) Foto: Stuttgarter Ballett

Marco Goecke bringt Kafka zum Tanzen, Demis Volpi inszeniert die Oper „Der Tod in Venedig“: Nicht nur die beiden Haus-Choreografen des Stuttgarter Balletts dürfen in der kommenden Staatstheater-Saison Glanzlichter setzen.

Stuttgart - „Don Quijote“, „Krabat“, „Schwanensee“! Wie ein sich steigerndes Jubilieren klingt die Aufzählung der Stücke, mit denen Intendant Reid Anderson in der kommenden Saison seinem Publikum Ballettzucker gibt. Zwar handelt es sich „nur“ um Wiederaufnahmen („Don Quijote“ am 20. Dezember, „Krabat“ am 13. Januar) und im letzten Fall sogar nur um ein Gastspiel des Tokyo Ballets (vom 7. bis 9. April), dafür in der seltenen Version von Vladimir Burmeister. Aber diese rund 30 Vorstellungen werden das Opernhaus richtig gut füllen und halten der Kompanie den Rücken frei für mehr Risiko und Neues. Insgesamt drei Uraufführungen stehen an, alle drei hausgemacht – und dazu eine neue Koproduktion mit der Oper. Nach Christian Spuck, der Glucks „Orpheus und Eurydike“ inszenierte, ist beim neuen spartenübergreifenden Teamwork für Brittens „Der Tod in Venedig“ Demis Volpi als Choreograf und Regisseur gefragt.

Dass Marco Goecke nach „Nussknacker“ und „Orlando“ ein neues Handlungsballett in Angriff nimmt, wird am 30. Juni 2017 der Kompanie die Aufmerksamkeit der Ballettwelt sichern. Denn der Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts sei kein „Shootingstar“ mehr, sondern inzwischen ganz oben angekommen. Das unterstreicht Intendant Reid Anderson, der gut gelaunt die Termine ohne Spickzettel präsentiert, mit eindeutigen Gesten. Franz Kafka gilt das Interesse Goeckes, der in der Biografie und im Werk des Schriftstellers unschwer Parallelen zur eigenen Kunst mit ihrer Vorliebe für Düsteres, Alptraumhaftes finden kann. Die Musik dazu soll Johannes Maria Staudt liefern, der bereits für Goeckes „On Velvet“ komponierte.

Große Bühne für Katarzyna Kozielska

Die erste Premiere im Ballettjahr bietet im Februar der Abend „Verführung!“, für den Katarzyna Kozielska, Halbsolistin mit choreografischen Ambitionen, erstmals auf der großen Bühne im Opernhaus arbeiten wird und dort ein neues Stück zu ebenfalls neuer Musik von Gabriel Prokofjew beisteuert. Béjarts „Bolero“ und zwei Stuttgarter Erstaufführungen machen den Abend sexy: Aus Monte-Carlo kommt Marco Goeckes viel gelobtes „Le spectre de la rose“ nach Stuttgart, aus London Sidi Larbi Cherkaouis „Faun“.

Im März folgt im Schauspielhaus der Abend „Nachtstücke“. Louis Stiens choreografiert nach „Rausch“ sein zweites Ballett für die eigene Kompanie – und man darf gespannt sein, was dem jungen Tänzer nach seinem anspruchsvollen Choreografie-Marathon für den „Blick hinter die Kulissen“ in größerem Kontext gelingt. Edward Clugs Chopin-Ballett „Ssss...“, das Clug auch zur Feier seines 25-Jahr-Jubiläums als Ballettdirektor nach Maribor eingeladen hat, und die Stuttgarter Erstaufführung von Jirí Kyliáns Percussions-Ballett „Falling Angels“ sorgen für noch mehr Nachtstimmung.

Hell und neu erstrahlen soll im September zum Saisonauftakt das Bühnenbild von Crankos Tanzkomödie „Der Widerspenstigen Zähmung“, das nach Elisabeth Daltons Originalvorlagen neu angefertigt wurde. Strahlend soll die Saison des Stuttgarter Balletts auch enden – mit viel Sonne für „Don Quijote“ bei Ballett im Park am 8. und 9. Juli.

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