Auch die deutschen Autofahrer müssen ab 1. Juli 2014 eine Warnweste im Fahrzeug dabei haben. Wer keine vorweisen kann, dem droht ein Bußgeld. Foto: Fotolia

Auch die deutschen Autofahrer müssen ab Juli eine Warnweste im Fahrzeug dabei haben. Wer bei einer Kontrolle keine Weste vorzeigen kann, dem droht ein Bußgeld – im europäischen Ausland bis zu 600 Euro.

Stuttgart - Die Engländer haben schon in bemerkenswerter Weise demonstriert, wie wichtig es ist, im Straßenverkehr aufzufallen: Auf der Insel trägt so manches Huhn eine Warnweste. Zu oft wurde in manch ländlicher Ortschaft das freilaufende Federvieh von durchrasenden Autos getötet, weshalb der Hersteller Omelette aus Oxfordshire auf die Idee kam, neonfarbene Westen für Hühner anzufertigen. Ob nun die Sterblichkeitsrate von Geflügel gesunken ist, bleibt offen, die Westen verkaufen sich dennoch prächtig – höchstwahrscheinlich wegen ihres Nebeneffekts: Die Westen halten nach Aussagen britischer Geflügelzüchter die Hühner so warm, dass diese mehr Eier legen als Tiere, die keine Westen tragen.

Bei der Spezies Autofahrer bleibt die Warnweste ein ungeliebtes Accessoire: Zwei Drittel der fahrtüchtigen Deutschen sind Warnwestenmuffel, hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei einer früheren Umfrage herausgefunden. Man kann davon ausgehen, dass sich an dieser Haltung wenig geändert hat. Weshalb die Bundesregierung am 1. Juli durchsetzt, was in anderen EU-Ländern längst gang und gäbe ist: die Pflicht, dass künftig jeder Autofahrer eine Warnweste mit sich führen muss. Ansonsten droht eine Geldbuße von 15 Euro. Motorradfahrer bleiben von der Regel ausgenommen. Die Strafen sind noch milde im Vergleich zum EU-Ausland: In Portugal werden bei Verstößen gegen die Westenpflicht bis zu 600 Euro fällig.

Zudem gibt es in Deutschland zwar die Pflicht die Weste mitzuführen, eine Tragepflicht im Notfall besteht jedoch nicht. Sie wird jedoch vom ADAC empfohlen.

Diese verkehrserzieherische Maßnahme halten Experten durchaus für sinnvoll – und verweisen auf die Nachbarländer: So ist in Österreich laut GDV in den ersten drei Jahren der Warnwestenpflicht die Zahl der Unfälle mit Fußgängern oder haltenden Fahrzeugen um 39 Prozent zurückgegangen, die der Verunglückten um 53 Prozent. Auch die Sachverständigenorganisation Dekra und der Automobilclub ADAC werden nicht müde, die Bedeutung der Warnweste hervorzuheben: Ohne sie nehmen Autofahrer Fußgänger erst aus einer Entfernung von maximal 80 Metern wahr. Dann kann es zu spät sein, bei einem Unfall oder einer Panne zu bremsen.

„Wer im Notfall aus dem Fahrzeug steigt, ist mit der Warnweste deutlich besser sichtbar“, sagt Dekra-Vorstandsmitglied Clemens Klinke. Das lebensrettende Stück Stoff passt zusammengefaltet in jedes Handschuhfach. Vorgeschrieben sind Westen, die der europäischen Norm 471 entsprechen. Das heißt, sie darf gelb, orange oder rot-orange sein und muss mit zwei reflektierenden Streifen versehen sein. Beim Kauf in Tankstellen oder im Internet reicht der Blick aufs Etikett: Die DIN-Norm steht auf dem eingenähten Wäscheschild.

Ein Manko bleibt: Modischen Wert haben die sackartigen Warnwesten sicher nicht. Immerhin: Das Dresdner Modelabel Neonon entwirft schon schicke Sicherheitswesten für Menschen und Hunde: www.neonon.de.

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