Ein Warenautomat, unter anderem mit Lachgasflaschen bestückt, steht vor einem Ladengeschäft im niedersächsischen Giffhorn. Über 18-Jährige können es sogar am Automaten ziehen. Der Stadtelternrat hat die örtlichen Behörden aufgefordert, gegen die Automaten in der Nähe von einer Schule und Kita einzuschreiten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Immer mehr Jugendliche konsumieren Lachgas als Partydroge oder zum „Chillen“. Die Substanz, die zum Teil frei verkäuflich sind, kann zu schweren und mitunter lebenslangen Schäden führen. Im niedersächsischen Gifhorn gibt es sogar eine Warenautomaten mit Lachgas. Politiker und Ärzte warnen eindringlich vor den Folgen der Droge.

Die Union im Bundestag fordert ein Verkaufsverbot von Lachgas an Minderjährige. "Narkosemittel aus der Medizin haben bei Kindern und Jugendlichen nichts verloren", sagt der Gesundheitsexperte Tino Sorge (CDU). Die Gefahr psychischer Abhängigkeit sei erheblich, in extremen Fällen könne es zu Ohnmacht, Lähmungen und Herzbeschwerden kommen. "Die Warnungen der Ärzteschaft und aus Polizeikreisen sind eindeutig. Darum sollten schnell gesetzliche Regelungen getroffen werden, die die Nutzung von Lachgas als Party-Droge und die Abgabe an Minderjährige verhindern."

In Deutschland sind Verkauf und Konsum von Lachgas nicht verboten. Lachgas ist laut der niedersächsischen Ärztekammer nicht als Droge nach dem Betäubungsmittelgesetz eingestuft. In Gifhorn bei Wolfsburg in Niedersachsen sorgt derweil ein Waren-Automat mit Lachgasflaschen neben Süßigkeiten und Einweg-E-Zigaretten für Proteste.

Lachgas und Benzos als Trend-Drogen

Lachgas und Benzodiazepine zählen nach Angaben des Psychiaters Felix Betzler von der Berliner Charité zu den aktuellen Trend-Drogen bei Jugendlichen. Die Beliebtheit von Benzodiazepinen - auch Benzos genannt - mache sich in den Suchtberatungsstellen bemerkbar, erklärt der Drogenexperte. „Dieser Trend ist besorgniserregend, weil das Substanzen sind, die teilweise ein hohes Abhängigkeitspotenzial haben. Viele Jugendliche nehmen sie auch nicht im Partykontext, sondern zum ‚Chillen‘“.

Suchtpotenzial von Benzodiazepinen ist enorm hoch

Benzodiazepine werden in der Medizin bei Angststörungen und Insomnie (Schlafstörung) eingesetzt. Sie wirken dämpfend auf das Zentralnervensystem und haben ein hohes Suchtpotenzial. Foto: Imago/Pond5 Images

Benzodiazepinen sind rezeptpflichtige Beruhigungs- und Schlafmittel. Sie werden normalerweise bei Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Angstzustände, Panikattacken, Epilepsie und zur Muskelentspannung verschrieben. Ihr Suchtpotenzial ist laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) enorm hoch.

Lachgas – gefährlicher Stimmungsaufheller

Mit Lachgas aus Gasflaschen werden Luftballons häufig aufgepustet. Einatmen sollte man das Gas besser nicht. Ein regelmäßiger Konsum kann zu einer Nervenschädigung und einem Vitamin-B12-Mangel führen. Foto: dpa/Annette Birschel

Mit Lachgas können Patienten betäubt, Schmerzen gestillt oder auch Sahne aufgeschäumt werden. In den vergangenen Jahren ist das Gas aber auch als Partydroge bekannt geworden. Im medizinischen Kontext ist es nach Angaben von Betzler zwar nicht gefährlich.

Das Narkosegas werde zunehmend genutzt, um die Stimmung aufzuhellen und Glücksgefühle und Halluzinationen bis hin zu Euphorie zu erzeugen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Der Konsum steigt demnach insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

„Aber bei diesem unkontrollierten Einsatz kann es dazu kommen, dass man das Bewusstsein verliert, es gibt einen nachgewiesen neurotoxischen Effekt und man kann potenziell daran ersticken“, so Betzler. Mittlerweile könne man Lachgas in vielen Berliner Spätis kaufen. „Die gibt es jetzt schon mit entsprechendem Geschmack: Vanille, Erdbeere, alles Mögliche.“

Songtexte können schlechten Einfluss auf Konsum bei Jugendlichen haben

Kritisch sieht Betzler, dass spezielle Drogen in Songtexten aufgegriffen werden, etwa von Rappern. „Wenn dort bestimmte Substanzen angepriesen werden, hat das einen Einfluss auf viele Jugendliche, die sonst vielleicht nicht damit in Berührung kommen würden“, erklärte der Drogenexperte.

„Meistens geht es bei den Rappern aber nicht um Ecstasy, sondern vor allem um Tilidin und Benzos. Die Jugendlichen denken dann: Wenn ihr Idol solche Substanzen beschwört, können sie es ja auch mal ausprobieren.“

„Badesalz“: Synthetische Cathinone bei älteren Konsumenten im Trend

Cathinon kommt natürlicherweise in den Blättern der Khat-Pflanze (Catha edulis) vor. Foto: Imago/Pond5 Images

Bei den etwas älteren Konsumenten der Partyszene sei das Auftreten einer bestimmen Gruppe von neuen psychoaktiven Substanzen, die synthetischen Cathinone, zu beobachten, sagte Betzler. „Die haben eine ähnliche Struktur wie Amphetamin und auch eine euphorisierende, aufputschende Wirkung.“

Der Begriff „Badesalz“ umfasst eine Reihe von Substanzen, die als synthetische Cathinone bezeichnet werden. Cathinon kommt natürlicherweise in den Blättern der Khat-Pflanze (Catha edulis) vor. Synthetische Cathinone sind somit Derivate (Abkömmlinge) der natürlichen Substanz. Eine Reihe synthetischer Cathinone wurde bislang in „Badesalz“-Produkten gefunden.

Die Bezeichnung „Badesalz“ ist kein Fachbegriff, sondern wurde vermutlich von den Herstellern gewählt, um den eigentlichen Zweck zu verschleiern. Die Wirkung von synthetischen Cathinone ähnelt der von Amphetamin oder Ecstasy. Sie erzeugen demnach Euphorie, Gefühle erhöhter Energie sowie eine gesteigerte Libido und Gesprächigkeit.