Nicht im, sondern vor dem Deizisauer Coca-Cola-Werk war am Dienstag einiges los. Foto: Roberto Bulgrin

Der Warnstreik im Deizisauer Coca-Cola-Werk war aus Sicht der Gewerkschaft NGG ein voller Erfolg: Mehr als die Hälfte der rund 320 Beschäftigten legte die Arbeit nieder.

Draußen vor dem Deizisauer Coca-Cola-Werk war am Dienstagmittag einiges los. Drinnen ruhte der Betrieb weitgehend: „Die Produktion steht still und das Lager auch“, bilanzierte Magdalena Krüger, die Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für die Region Stuttgart zufrieden.

 

Das Ziel des 24-stündigen Warnstreiks wurde damit erreicht. Von den rund 320 Beschäftigten in Deizisau folgte weit mehr als die Hälfte dem Aufruf und legte die Arbeit nieder. Etwas mehr als 60 Männer und Frauen aus verschiedenen Bereichen und Schichten nahmen dann am Nachmittag auch an einer Kundgebung und der sich anschließenden Demonstration durch den Ort teil.

Johan Botella: „Ein Angebot, das keines ist“

Deutlich wurde in den Gesprächen vor Ort, dass die Unzufriedenheit mit dem Gebaren der Unternehmensleitung groß ist. Von „fehlender Wertschätzung“ und „schlechter Stimmung“ war fast überall die Rede. In der ersten Runde der Tarifverhandlungen hatte die Konzernspitze eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent ab dem Jahr 2026 angeboten, nicht zuletzt mit Verweis darauf, dass es erst im März dieses Jahres ein Plus von 3,5 Prozent gegeben habe.

Gerade diese Einlassung sorgte für mächtig Wut auf der Kundgebung, was Krüger erklären konnte: „Das war eine Erhöhung, die zum Tarifvertrag von 2023 gehörte, also nichts mit dem zu tun hat, um was es jetzt geht.“ Johan Botella, Gesamtbetriebsratsvorsitzer von Coca-Cola Deutschland, hieb in die gleiche Kerbe: „Das ist ein Angebot, das keines ist. Unser Tarifvertrag ist im August ausgelaufen. Jetzt geht es um den Anschluss und der muss ordentlich sein.“

Roland Strelow: „Vorgezogenes Halloween“

Die NGG hatte vom 1. September an eine Anhebung um 150 Euro auf alle Entgelte, generell fünf Prozent mehr Lohn für 2026 sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 120 Euro pro Monat und in allen Ausbildungsjahren gefordert. Das Unternehmen hingegen will die Azubis komplett außenvorlassen, was in Deizisau ebenfalls für Entrüstung sorgte.

Roland Strelow, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender am Standort, machte deutlich, dass Coca-Cola nicht am Hungertuch nage, sondern immer noch Gewinn mache. Die 1,5 Prozent bezeichnete er als „gruselig“. Mit seinem Angebot habe der Arbeitgeber „Halloween scheinbar vorgezogen“.

Vom Coca-Cola-Standort in Deizisau aus zogen die Streikenden nach der Kundgebung durch den Ort. Foto: Roberto Bulgrin

Namens des Deutschen Gewerkschaftsbundes Esslingen/Göppingen ermunterte Jürgen Groß die Coca-Cola-Beschäftigten weiterhin und vor allem gemeinsam zu kämpfen: „Geschenkt wird uns als Beschäftigten nichts. Den Arbeitgeber beeindruckt nur, wenn alles still steht und er kein Geld verdient.“

Freundliches Hupen und „Daumen hoch!“ in Deizisau

Grußworte und die Zusicherung von Unterstützung gab es in Deizisau auch seitens der Politik. Sowohl der scheidende Kircheimer SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Kenner, seine mögliche Nachfolgerin Tonja Brinks wie auch Anil Besli, der ebenfalls im Wahlkreis Kirchheim für Die Linke antritt, machten ihre Solidarität mit den Streikenden deutlich.

Solidarität mit den Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmern gab es auch immer wieder auf andere Weise. Zahlreiche Auto- und Lastwagenfahrer signalisierten durch freundliches Hupen und mit einem „Daumen hoch!“ im Vorbeifahren ihren Support. Ähnlich Bekundungen erhielten die Demonstrierenden auf ihrem abschließenden Zug durch die Gemeinde.