Sie sind nicht zu überhören: Knapp 2000 junge Leute aus der Metall- und Elektroindustrie fordern am Donnerstag vor der Böblinger Kongresshalle mehr Geld. Zudem hat die Gewerkschaft eine Kundgebung am Montagmorgen beim Sindelfinger Mercedes-Werk angekündigt.
Rund 1800 junge Menschen haben sich am Donnerstagmittag vor der Kongresshalle in Böblingen versammelt und machen richtig Krach. Sie schwenken Fahnen, Bengalos, halten Banner in die Höhe, tröten und lassen Trillerpfeifen schrillen. Die IG Metall hat Auszubildende und duale Studierende der Metall- und Elektroindustrie zum Warnstreik aufgerufen. Sie fordern 170 Euro mehr Geld im Monat.
Aus ganz Baden-Württemberg sind junge Beschäftige dem Aufruf gefolgt. Manche hatten es von Mercedes-Benz in Sindelfingen nicht weit, andere sind extra mit Bussen aus Neckarsulm angereist, wo Audi eine Niederlassung hat, wieder andere kommen von Bosch aus Reutlingen. Aber warum ausgerechnet nach Böblingen? In der Böblinger Kongresshalle treffen sich um 14 Uhr Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter zur dritten Tarifverhandlung, erklärt eine Sprecherin der IG Metall Baden-Württemberg.
Passend zu Halloween wollen die jungen Teilnehmer unter dem Motto „170 Euro – sonst gibt’s Saures“ ihren Forderungen am Verhandlungsort Nachdruck verleihen, sagt die Sprecherin. Zwar gebe es von Arbeitgeberseite Signale, aber bislang keine konkreten Zahlen. „Die Kosten sind enorm gestiegen“, nennt die Sprecherin als einen Grund für die Forderung nach mehr Geld. Viele Auszubildende könnten sich beispielsweise keine eigene Wohnung leisten. „Eine kleine finanzielle Stärkung können wir gut gebrauchen“, sagt ein 16-Jähriger. „Lebensmittel, Sprit und Wohnen – alles ist teurer geworden“, meint ein anderer junger Mann.
Seit Dienstag ruft die IG Metall bundesweit zu Streiks auf. Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Geld innerhalb eines Jahres. Davon ausgenommen sind Azubis und duale Studierende – die am Donnerstag in Böblingen ihren eigenen Forderungen Ausdruck verliehen haben. Dabei blieb laut ersten Erkenntnissen der Polizei alles friedlich.
Großkundgebung bei Mercedes-Benz in Sindelfingen am Montag
Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie weitet die IG Metall Stuttgart die Warnstreiks ab Montag massiv aus. Der Schwerpunkt der Warnstreiks liegt am Montagvormittag am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen.
Ab 8.30 Uhr sind die Beschäftigten zum Warnstreik aufgerufen, ab 9 Uhr findet am Tor 7 eine Kundgebung statt: Ergun Lümali, der Vorsitzende des dortigen Betriebsrates und Liane Papaioannou, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart, informieren die Belegschaft zum aktuellen Verhandlungsstand in der Tarifrunde.