Bequeme Wege bei alpiner Kulisse: Das erleben Wanderer bei einer Mehrtagestour auf dem Alpenjuwelen-Weg. Foto: Alpenjuwelen

Auf leichten Pfaden die Berge erleben ist das Motto eines neuen Weitwanderwegs. Das Richtige für alle, die sanfte Bewegung ohne Schweißausbrüche schätzen.

Garmisch-Partenkirchen - Keine Frage, am einfachsten kommt man auf den Gipfel via Seilbahn. Aber eigentlich könnte ein bisschen Bewegung doch auch für Wandermuffel eine Option sein. Sollte halt nicht wirklich steil hochgehen, was zugegebenermaßen in einem Gelände wie den Alpen schwierig, aber auch nicht unmöglich ist. Nämlich dann, wenn man geschickt Seilbahnen und Höhenwege kombiniert, Berge mit dem Auto umfährt und sich in den Regionen nur die Rosinen unter den Wegen herauspickt. Auf solch leichte Art könnte dann sogar eine Alpenüberquerung möglich sein, die ja für viele Wanderer auf der Liste der Einmal-im-Leben-Touren steht, angesichts der körperlichen Herausforderungen aber oft nur ein Traum bleibt. Könnte eine solche Strecke tatsächlich im Spaziergängermodus möglich sein?

Diese Frage hat Georg Pawlata viele Jahre umgetrieben. Der studierte Geograf ist ein österreichischer Naturbursche: braun gebrannt, fit, sympathisch und keiner Sportart abgeneigt. Am Zugspitzbahnhof in Garmisch-Partenkirchen empfängt er die Journalistengruppe zur Premiere auf dem von ihm entwickelten neuen Weitwanderweg „Alpenjuwelen“. Die erste Etappe beginnt unterhalb des deutschen Rekordgipfels, genau an der Station Riffelriss, wohin die Zugspitzbahn in einer Stunde hochzuckelt.

Mal eine Etappe auslassen ist möglich

Als Bergwanderführer hat Pawlata schon oft erlebt, wie sich vermeintlich fitte Wanderer auf Mehrtagestouren überfordern. Mehrere Tage lang täglich 1000 Höhenmeter stemmen, wie es etwa die Strecke Oberstdorf–Meran erfordert, das packen die wenigsten. Pawlata hat deshalb vor vier Jahren mit der „Alpenüberquerung“ von Tegernsee nach Sterzing eine Strecke mit nur halb so vielen Höhenmetern konzipiert, inzwischen aber beobachtet, dass selbst damit so mancher ans Limit kommt. Der Wegeplaner studierte erneut Karten, testete Routen auf Sicherheit und tüftelte dann sechs Etappen aus, die mit dem Namen „Alpenjuwelen“ den Anspruch eines „Best of“ der schönsten alpinen Wanderwege mit geringen Höhenmetern haben. Quasi eine Alpenüberquerung für Faule, Wanderanfänger und Genießer. Mal eine Etappe auslassen geht sogar auch.

Weil Pawlata nicht im Auftrag eines Tourismusverbandes arbeitete, konnte er unabhängig von lokalen Befindlichkeiten die schönsten Perlen zwischen Garmisch und Bozen für das Geschmeide der Alpenjuwelen auswählen. Zwei regionale Schwerpunkte bildeten sich dabei heraus: die Kalkalpen rund um die Zugspitze und die Sarntaler Alpen in Süd­tirol. Eine Etappe liegt dazwischen in den Zentralalpen, dem Stubaital.

Weil Seilbahnfahrten zum Programm gehören, geht es, logisch, vor dem Abmarsch in Riffelriss auf einen Abstecher auf die Zugspitze. Selten ist die Sicht so grandios wie an klaren, sonnigen Herbsttagen. Der erste Abschnitt führt dann – gemütlich zum Warmwerden – sanft absteigend in das auf der Tiroler Seite der Zugspitze gelegene Ehrwald, ein Alpendorf par excellence mit bauchigem Kirchturm, von Kastanien gesäumter Dorfmitte und mit Geranien garnierten Balkonen, idyllisch inmitten des Ehrwalder Beckens gelegen, wo vier Täler zusammentreffen. Das weite Hochtal liegt dem Alpenjuwelen-Wanderer quasi zu Füßen, wenn er am Hang entlang hinabmarschiert und schließlich direkt im Übernachtungsquartier landet.

Schwindelfrei muss man für diese Tour nicht sein

So bleibt es jeden Tag: Die Etappen enden immer im jeweiligen Hotel. Weniger attraktive und steile Abschnitte werden am Morgen mit dem Bus umfahren. Das ist klug konzipiert, denn zu Fuß jeden Abend in einem anderen Hotel anzukommen, vermittelt Weitwander-Feeling und den Eindruck, als bezwinge man Stück für Stück das Gebirge. Dass das nicht ganz aus eigener Kraft geschieht (Gepäcktransport) und die Alpenjuwelen kein durchgehender Fernwanderweg sind – geschenkt.

Besonderes Augenmerk legte Pawlata auch auf die Wegebeschaffenheit und die Sicherheit. „Schwindelfrei muss man für diese Tour nicht sein“, betont der Wegeplaner. Breite Forststraßen, auf denen man bequem nebeneinander gehen kann, wechseln sich ab mit Wald- und Wiesenpfaden. Natürlich geht es auch mal hoch, aber moderat und nur kurz. Ehe man ins Schnaufen kommt, flacht der Weg schon wieder ab. Auf den ersten drei Etappen sind es kaum spürbare 100 bis 200 Höhenmeter bergauf pro Tag, das gleicht schon fast Flachlandniveau. Aber bei einem alpinen Panorama vom Feinsten: etwa im einsamen Gaistal, das auf der zweiten Etappe von Ehrwald nach Leutasch durchwandert wird und von grauen Kalkstein-Riesen wie der Hohen Munde oder dem Hochwanner flankiert wird. Nur Mountainbiker und Wanderer begegnen einem in dem von Wald und Wiesen geprägten Hochtal. Ob es deshalb den Beinamen Kanada Tirols trägt?

Bilderbuch-Rundumblick vom Salten

Landschaftliche Kronjuwelen garnieren die letzte Etappe: Auf dem Rücken des Südtiroler Salten, einem Hochplateau, spaziert man durch eine Heile-Welt-Landschaft. Die sattgrünen Wiesen, besprenkelt mit Lärchen, sind mit Holzzäunen umgrenzt, hinter denen Pferde und Kühe grasen. Hier möchte man nur verweilen, schauen und genießen. Umrahmt wird die parkähnliche Szenerie von einem Bilderbuch-Rundumblick auf Dolomiten, Zentralalpen sowie die Brenta- und Adamello-Gruppe.

Lange bleibt es fast eben, erst am Ende des Sattels schlängelt sich der Weg abwärts, bis die Kirchturmspitze von Jenesien auftaucht. Das Dorf liegt oberhalb von Bozen, mit freiem Blick auf den Rosenstein. Was für eine Lage! Und mittendrin das Tagesziel, der Tschögglberger­hof, ein schmucker Südtiroler Gasthof mit wunderbarer Küche und dem rich­tigen Mix zwischen Moderne und Tra­dition. Ein krönender Abschluss dieser Juwelen-Wanderung.

Hinkommen, unterkommen, rumkommen

Alpenjuwelen

Die Strecke umfasst sechs Etappen mit leichten Wanderungen und wenigen Höhenmetern. Die Tour kann als Komplettpaket mit Gepäcktransport, Transfer zu den Startpunkten, Hotelübernachtungen und Infomaterial gebucht werden. Sieben Nächte mit Halbpension kosten 1150 Euro pro Person im DZ. Buchbare Ter­mine ab Juni 2019. Weitere Infos beim Buchungsbüro Feuer und Eis Touristik, Telefon 0 80 22 / 6 63 64 - 0. www.alpenjuwelen.com

Alpenüberquerungen

Die bekannteste Strecke über die Alpen führt auf dem E 5 von Oberstdorf nach Meran in sechs Etappen. Die Anforderungen an Kondition sind hoch, jeden Tag gibt es rund 1000 Höhenmeter Aufstiege. Stellenweise mit schwierigen Abschnitten, daher nur für erfahrene Bergwanderer empfohlen.

München–VenedigDiese Tour gilt neben dem E 5 als der zweite große Klassiker der Alpenüberquerung. Mit einer Länge von ca. 550 Kilometern und ca. 40 000 addierten Höhenmetern (Auf- und Abstieg) konditionell aber anspruchsvoller. Rund vier Wochen muss man dafür einplanen.

Tegernsee–SterzingDiese von Georg Pawlata entwickelte Route ist mit durchschnittlich 500 Höhen pro Tag weniger anstrengend als die Klassiker. www.die-alpenueberquerung.com

Wanderreiseveranstalter

Hier eine Auswahl an Veranstaltern für Alpenüberquerungen: www.asi-reisen.de www.die-bergfuehrer.de www.oase-alpin.de www.dav-summit-club.de

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