Die Blicke der Wanderer des abwechslungsreichen Brunnenwanderwegs im Esslinger Norden streifen die Esslinger Ortsteile Wäldenbronn, Hohenkreuz, Serach, Obertal, St. Bernhardt, Kennenburg und Wiflingshausen.
Der Rundwanderweg an den Hängen im Esslinger Norden erlaubt sehr schöne Ausblicke auf die grünen Vororte von Esslingen, die sich in die Hügellandschaft schmiegen. Und es gibt viel zu entdecken – nicht zuletzt eine Reihe von alten Brunnen, die früheren Bewohnern das Überleben sicherten. Der Weg ist gekennzeichnet durch einen stilisierten blauen Brunnen.
Einstieg Rundwanderwege haben den Vorteil, dass man an vielen Stellen einsteigen kann. Wenig überraschend wählen wir als Einstieg in den Brunnenwanderweg einen Brunnen, und zwar der Achtröhrenbrunnen in der Stettener Straße im Ortsteil Wäldenbronn. Praktisch: Ganz in der Nähe ist eine Bushaltestelle „Wäldenbronn Brunnen“. Von hier aus läuft man nur wenige Meter hinab Richtung Talstraße. Aufgepasst: In Sichtweise kommt eine Tankstelle, aber noch bevor man diese erreicht hat, biegt man bei der Hausnummer 101 nach links ein kleiner Weg ab, der in ein Stäffele mündet.
Im Obertal Bergauf geht es nun bis zum Kernenweg, wo man rechts einbiegt. Und schon wird es grün. Gärten, ein paar Häuser, Streuobstwiesen. Schon bald taucht einer der bekannteren Brunnen auf, zusammen mit einem anderen bekannten und geschichtsträchtigen Bauwerk, einem nahe gelegenen Aquädukt. Das Aquädukt zeugt von einer Wasserleitung, die die Freiherren von Palm Anfang des 18. Jahrhunderts bauen ließen. Damit gruben sie dem Obertal das Wasser ab. Als Ausgleich bekamen die Bewohner das Gerechtigkeitsbrünnele.
Irgendwann endet der Kernerweg beziehungsweise führt nur noch zu einem einzigen Haus. Davor geht es links in den Lindhaldenweg. Der Weg macht schon nach wenigen Metern eine Biegung nach rechts und führt durch einen kleinen Weiler, wo man auf den Lindhaldenbrunnen trifft. Hier wurde noch bis Ende der 1950er Jahre Wäsche gewaschen, erst danach wurde in dieser zauberhaft versteckten Ecke Esslingens eine Wasserleitung gelegt.
Hainbachtal Dahinter geht es weiter durch das unbebaute Grün immer am Hang entlang, bis der Weg hinab ins Tal führt und dort auf die gegenüberliegende Höhe wieder ein Stück weit hinaufführt auf den Esslinger Höhenweg. Dafür muss die Stettener Straße überquert werden. Auf der gegenüberliegenden Seite geht es gleich weiter. Der Weg führt erneut durch sehr viel Grün, auch etwas bewaldetes Gebiet ist dabei. Zudem bekommt man herrliche Ausblicke in das Hainbachtal und auf die Stadtteile am gegenüberliegenden Hang – eine kleine Rast lohnt sich hier auf jeden Fall. Markant ist der Hochschulbau auf der Flandernhöhe, dessen Zukunft ungewiss ist. Klar ist nur: Hier soll ein Stadtquartier entstehen. Die Fachbereiche der Hochschule ziehen in ein neues Gebäude in der Esslinger Weststadt. Im Süden taucht die Silhouette der Schwäbischen Alb auf.
Zurück auf den Weg: Nahe einer Quelle, die in Sandstein gefasst ist, teilt sich der Weg – links geht es weiter in die Höhe auf dem Höhenweg, rechts auf dem Brunnenwanderweg hinab ins Tal, wo man auf den Belzbach und einen weiteren Brunnen trifft. Man folgt dem Belzbachtal einige Schritte talwärts, bis man zurück in der Zvilisation kommt, genauer gesagt in das bebaute Gebiet von Wiflingshausen und St. Bernhard. Auf der Alten Talstraße trifft man auf den Kelterbrunnen. Er zeugt von einer Zeit, als in Esslingen noch sehr viel mehr Wein produziert wurde als heute. Im Mittelalter waren es an die 1200 Hektar Rebfläche, heute sind es noch rund 90 Hektar. 650 Jahre lang wurde im Hainbachtal Wein angebaut. Von diesem Brunnen aus ist es nicht weit bis zur Talstraße, die überquert wird. Durch das Hainbachtal führt der Weg zurück zum Ausgangspunkt.
Schwierigkeitsgrad Die Strecke hat eine Länge von etwa sieben Kilometern und benötig knapp zwei Stunden. Große Anforderungen gibt es nicht, die 130 Höhenmeter sind gut zu meistern, extreme An- oder Abstiege gibt es keine. Immer zum Brunnenwandertag am 1. Mai werden die Brunnen von örtlichen Vereinen geschmückt.
Dieser Text wurde neu veröffentlicht, die Erstveröffentlichung war am 29. Mai 2024.