Auf Schusters Rappen durch den Rems-Murr-Kreis: Hier lässt es sich wunderbar wandern. Foto:  

Wenn die Temperaturen steigen, dann macht eine ausdauernde Runde über Wiesen, durch Wälder und Täler gleich viel mehr Spaß. Unsere interaktive Karte zeigt, wo, wie und mit welcher Begleitung sich die Vielfalt des Kreises gut zu Fuß erkunden lässt.

Rems-Murr-Kreis - Es soll ja tatsächlich immer noch Menschen geben, die den Schwäbischen Wald rund um Murrhardt mit dem Schwarzwald verwechseln. Dabei sagen viele, die es eigentlich wissen müssen: Der Schwäbische Wald sei viel schöner, weil abwechslungsreicher.

Zu jenen, die sich für dieses Naherholungs- und Wandergebiet im Rems-Murr-Kreis unermüdlich einsetzen, gehören die Naturparkführer. Einige von ihnen haben sich auf begleitete Wanderungen spezialisiert, mal mit Gepäcktransport, mal sportlich, weil 24 Stunden lang nonstop oder drei Tage lang mit Übernachtungen, mal gemütlich.

Der Schwäbische-Wald-Weg: 84 Kilometer, 2200 Höhenmeter

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sind im Landkreis mehrere Wander-(Rund)Wege beschildert worden, die für jeden Geschmack etwas zu bieten haben. Zu den großen, langen Wegen gehört unter anderem der Mühlenwanderweg, er verbindet auf einem 37 Kilometer langen Rundweg elf der schönsten noch erhaltenen Mühlen im Schwäbischen Wald. Wem dieser Hauptwanderweg zu lang lang ist, kann einen von fünf kürzeren Rundwanderwegen (zehn bis 18 Kilometer lang) wählen. Noch länger ist der Schwäbische-Wald-Weg, nämlich 84 Kilometer lang, der beim Bahnhof Murrhardt beginnt und endet. Diese Tour ist als mehrtägige Tour konzipiert, sie führt über 2200 Höhenmeter.

Flacher Abschnitt im Remstal

2016 wurde der Rundwanderweg s’Äpple beschildert, dieser führt auf etwa 90 Kilometern einmal rund um die Stadt Backnang, unter anderem vorbei an Schloss Ebersberg. Auch im Remstal sind mehrere hundert Kilometer Wanderwege beschildert. Wer weniger gut zu Fuß ist, der kann zum Beispiel den flachen Abschnitt von Waiblingen bis nach Remseck wählen.

Unsere interaktive Karte zeigt die fünf Lieblingstouren unserer Rems-Murr-Redaktion:

Remstal-Höhenweg: Burg, Fachwerk und Fernblick

Etwa 226 Kilometer legt zurück, wer den vor acht Jahren eingeweihten Remstal-Höhenweg komplett unter die Füße nimmt. Allerdings funktioniert die Wandertour auch in Einzeletappen. Zum Beispiel die ersten 17,5 Kilometer von der Fellbacher Kelter über den Kernenturm, Stetten und Strümpfelbach zum Karlstein.

Zum Start bei der Kelter der Fellbacher Weingärtner in der Kappelbergstraße fahren vom Bahnhof aus die Buslinien 212 und 60. Start des Wanderwegs ist am Bacchusbrunnen. Den gelb-rot gehaltenen Schildern des Höhenwegs folgt man auf dem separaten Fußweg neben der Straße zum Wanderplatz und dann den Stufenweg aufwärts zum Kappelberg mit herrlicher Aussicht zur Grabkapelle auf dem Rotenberg. Über das Esslinger Tor erreicht man nach vier Kilometern den Kernenturm samt Kiosk. Durch den Wald führt der Weg anschließend hinab nach Stetten und dort die Burgtreppe hinauf, vorbei am Museumswengert zur Ruine der Y-Burg.

Über Siebenlinden führt der Weg nach Lobenrot und von dort über das Naturfreundehaus ins Fachwerkidyll Strümpfelbach. Vom Ortsende aus geht es wieder bergauf und an den Kunstwerken des Skulpturenpfads entlang zum Karlstein mit seinem Denkmal und herrlichem Fernblick. Vom Ziel der 17,5 Kilometer langen Tour am Endersbacher Bahnhof dauert der Marsch nochmals eine halbe Stunde. Eine Wanderkarte mitzunehmen ist kein Fehler. Denn acht Jahre nach der Ausschilderung fehlen einige der Wanderzeichen, andere sind verdreht. Zur Gartenschau 2019 soll alles neu ausgeschildert werden.

Jakobsweg: Von Winnenden nach Esslingen

Zum Auftakt gibt es eine Besichtigung. Die Winnender Schlosskirche ist der Ausgangspunkt einer 21 Kilometer langen Wanderung auf einem Stück des Jakobswegs, die von Winnenden über das Remstal und den Schurwald nach Esslingen führt. Der geschnitzte Jakobusaltar in der Kirche stellt das Hühnerwunder dar, das sich auf dem Pilgerweg in Santo Domingo de la Calzada ereignet haben soll. Der Ort ist eine Partnerstadt Winnendens.

Von der Schlosskirche geht es zum benachbarten Zipfelbach und diesen entlang durchs Zipfelbachtal in den Ortsteil Hanweiler. Von hier steigt der Weg an zum Hanweiler Sattel. Wen bereits hier Hunger und Durst plagen, hilft eine Einkehr ins Korber Schützenhaus. Danach geht es weiter Richtung Korber Kopf mit einer großartigen Aussicht auf das Remstal. Durch die Weinberge steigt man hinab nach Kleinheppach und über die Rems nach Endersbach. Hier teilt sich der Jakobsweg auf: einer führt nach Plochingen, der andere über Kernen-Stetten nach Esslingen.

Da ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft ist, stärkt man sich am besten in der Stettener Sportgaststätte, die direkt am Wegesrand liegt. Danach kommt der anstrengende Teil der Tour über den Schurwald mit ordentlichem Anstieg und ebenso steilem Abstieg auf der anderen Seite zur Esslinger Burg. Von dort aus geht es weiter zum Bahnhof und mit der S-Bahn zurück nach Winnenden.

Für die zum Teil anspruchsvollen 21 Kilometer sollte man sechs bis sieben Stunden einplanen. Die Strecke ist gut ausgeschildert mit dem Jakobsweg-Symbol.

Besinnungsweg Fellbach: Wo Natur auf Kultur trifft

Wer nicht nur seinem Körper, sondern auch seiner Seele etwas Gutes tun möchte, dem sei der Besinnungsweg nordöstlich von Fellbach-Oeffingen ans Herz gelegt. Hier erwarten einen auf etwa vier Kilometern nicht nur spektakuläre Blicke in die weite Landschaft, sondern auch neun sogenannte Besinnungsorte. An diesen ausgewählten Orten laden Kunstwerke, die abstrakte Themen wie „Freiheit“, „Erinnerung/Gedächtnis“, „Frieden“ und „Zeit“ versinnbildlichen, zum Verweilen ein.

Wer am südlichen Ende des Besinnungsweges startet, den führt die Strecke zunächst zu einer überdimensionalen Sonnenuhr mit dem Titel „Zeit“. Nachdem man den Besinnungsort „Freiheit“ gebührend bewundert hat, bietet sich ein Päuschen auf dem Hügel an, auf dem das Kunstwerk zu „Freizeit/Muße“ steht und der einen wunderbaren Ausblick bietet. Nach den nächsten beiden Stationen muss dann die Kreisstraße nach Hegnach überquert werden, bevor man zu den Besinnungsorten „Gott“, „Schöpfung“ und „Kindheit“ vordringen kann.

Die vier Kilometer lange Strecke ist kein Rundweg, der Weg zum Auto muss also dazu gerechnet werden. Insgesamt sollte man mindestens zwei Stunden für den Spaziergang einplanen. Von Fellbach aus kann man mit der Stadtbahnlinie 1 bis zur Endstation Lutherkirche/Berliner Platz fahren und anschließend die Buslinie 60 Richtung Oeffingen nehmen. Von der Haltestelle Katholisches Gemeindezentrum an ist der Weg ausgeschildert. Mit dem Auto kann man zur Geschwister-Scholl-Straße 20 fahren und dort parken.

Edenbachschlucht – Mammutbäume und ein Hauch von Eden

Für jeden Geschmack etwas bietet ein Ausflug, der durch das idyllische Edenbachtal hinauf in den Welzheimer Tannwald führt. Die rund fünf Kilometer lange Strecke hat eine wildromantische Schlucht mit Bach, ein Wassertretbecken für Kneipp-Fans, Seen und mehrere gewaltige Mammutbäume zu bieten, deren Samen König Wilhelm I. 1864 in Amerika bestellte. Der kleine Wermutstropfen: die Strecke ist nicht barrierefrei, sie verläuft meist auf einem schmalen Trampelpfad. An anderen Stellen fällt das Gelände steil ab, dort ist der Weg mit einem Seil gesichert – ein kleines Abenteuer, insbesondere für Kinder.

Als Startpunkt eignet sich der Wanderparkplatz unterhalb des Viadukts unweit der Haltestelle „Laufenmühle“. Dorthin gelangt man mit dem Auto, dem Bus Nummer 228 oder an Sonntagen mit der Schwäbischen Waldbahn. Am Parkplatz folgt man für wenige Meter dem steilen Waldweg bergauf und biegt dann nach links auf einen Pfad ab, der mit dem Wegzeichen des Mühlenwanderwegs markiert ist und links des Baches verläuft.

Durch das Tal geht es nach Breitenfürst, wo man am Ortsrand die Stuttgarter Straße beim Bahnübergang überquert und auf dem Ropachweg geht. Vom Ropachsee folgt man dem blauen Punkt durch den Tannwald bis zum Stadtpark an der Schorndorfer Straße. Dort kann man sich im Biergarten stärken, auf dem Römer-Erlebnisspielplatz toben oder auf dem Poetenpfad wandeln und sich Werke des Dichters Justinus Kerner sowie zeitgenössischer Lyriker zu Gemüte führen. Mit dem Bus oder der Waldbahn geht es zurück zur Laufenmühle.

Hörschbachschlucht: Wasserfälle und wilde Waldwege

Willkommen im Paradies für kleine und für große Kinder. Die Wanderung durch die wildromatische Murrhardter Hörschbachschlucht beginnt beim Parkplatz am Vorderen Wasserfall und ist „nur“ etwa zwei Kilometer lang, reine Gehzeit geschätzt eine Stunde. Wer den anspruchsvollen Pfad nimmt, sollte ein bisschen Kondition haben, trittsicher sein und gutes Schuhwerk tragen, die Waldwege sind mitunter rutschig. Aber keine Angst: die Wanderung ist nicht allzu schwer.

Wer mit Kindern unterwegs ist, der sollte mehr Zeit einplanen. Die Wasserfälle und die Bachläufe sind prima Naturspielplätze. Es ist kein Fehler, für die Sprösslinge eine zweite Garnitur Kleider mitzunehmen. Zumal der Bach mehrmals durchschritten werden muss. Die Brücken zur Bachquerung und die Stege am Steilhang haben keine Geländer.

Der Vordere Wasserfall stürzt etwa fünf Meter tief über eine Steinmergelbank herab. Der Hintere Wasserfall fällt zunächst drei Meter senkrecht über eine Schilfsandsteinstufe nach unten und fließt dann in mehreren Kaskaden weiter in Richtung Murrhardt. Am oberen Ende dieses Wasserfalls befindet sich ein Staubecken, das mit einer kleinen Klappe entleert werden kann, um auch bei Niedrigwasser einen beeindruckenden Wasserfall zu erzeugen.

Wer nicht mitten durch die Schlucht wandern mag, kann oberhalb auf Forstwegen von einem zum anderen Wasserfall gelangen. Und wer eine noch längere Strecke marschieren möchte, für den bietet sich der Murrhardter Rundwanderweg 1 an, er beginnt beim Bahnhof, ist etwa zehn Kilometer lang und führt durch die Schlucht.

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