In den meisten Skigebieten gibt es zu wenig Schnee. Foto: dpa/Angelika Warmuth

Kälte und Schnee bleiben in den Bergen bisher aus, stattdessen war es ungewöhnlich warm. Orte wie Garmisch-Partenkirchen bemühen sich um Alternativen für den Winterurlaub.

Das Brauneck ist der Ski-Hausberg der Münchner. In einer guten Stunde ist man von der Bayern-Metropole an dem Berg bei Lenggries, Lift und Skipisten stehen bereit. In diesem Winter allerdings ist es anders. Unten ist es braun bis grün, Schnee liegt keiner. Oben ist es zwar weiß, doch bei einer Schneehöhe von nur zehn Zentimetern kann man nicht fahren. Alle 21 Pisten sind geschlossen, von 15 Lifts ist einer geöffnet.

 

Ob Bayern, Österreich oder die Schweiz – überall in den Alpen herrscht Schneemangel. Und in weiten Teilen der Skigebiete ist es so warm, dass auch kein Kunstschnee mit Schneekanonen produziert werden kann, denn er würde sofort schmelzen. Droht in den Bergen ein Tourismus-Desaster?

In den Weihnachtsferien waren die Hotelgäste viel wandern

Daniel Schimmer, Leiter des Hotels Garmischer Hof im Zentrum von Garmisch-Partenkirchen, steht auf der Terrasse und schaut sich das frühlingshafte Wetter im Ort nahe der Zugspitze an. Der 35-Jährige spricht von einer „unguten“ Situation. „Die Zeit für Wintertourismus wird immer kürzer“, sagt er. „Wir brauchen den Winter für die Gäste.“ Am 2. Januar hatte es in Garmisch-Partenkirchen allerdings 16 Grad. Jetzt sind es vier Grad, häufig blitzt die Sonne durch, dann wehen dunkle Wolken, gelegentlich nieselt es ein wenig. In den Weihnachtsferien waren Daniel Schimmers Gäste viel wandern. Skifahren war noch möglich, allerdings nur oben auf der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands. Für sein Haus stellt der Hotelier allerdings auch fest: „Für den Sommer sind die Buchungszahlen gigantisch.“

Der Trend über viele Jahre hinweg ist klar: es wird immer wärmer

„Garmisch-Classic“ nennt sich das zusammengeschlossene Skigebiet mit den zahlreichen Liften, laut Werbung handelt es sich um „Bergwelten für Sportler, Familien und Senioren“. Am Lift an der Talstation am Hausberg zeigt sich allerdings die diffizile Situation. Der Parkplatz dort ist nur wenig belegt, einige Skifahrer laufen in ihren Schuhen umher, die Skier auf der Schulter. „Geringe Schneelage im Skigebiet“, steht warnend auf einem Monitor.

Verena Tanzer, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn, klärt auf: „Die Talabfahrten unten sind gesperrt.“ Es liegt zwar etwas Schnee, Tanzer bezeichnet es als „etwas angezuckert“, aber viel zu wenig. Im mittleren Bereich der Berge, so in 1700 Meter Höhe, sind die Pisten geöffnet. „Wir konnten da in der ersten Dezemberhälfte gut beschneien“, erzählt die Sprecherin. Darüber hingegen gibt es keine Schneekanonen, Skisport ist dort zurzeit nicht möglich, dafür sind Winterwanderwege angelegt, auch mit dem Schlitten kann man ein bisschen fahren.

Und was hat das alles mit dem Klimawandel zu tun? „Ein einzelner warmer Winter ist kein Indiz“, sagt Thomas Frey, der beim bayerischen Bund Naturschutz für die Alpen zuständig ist. „Aber über viele Jahre hinweg ist der Trend klar, dass es immer wärmer wird.“ Der Allgäuer hat in den Ferien „viele schöne Wanderungen“ mit seinen Söhnen unternommen. „Dass wir aber ein Ski-Eldorado werden können so wie früher, das kommt nicht mehr.“

Viele Tourismus-Regionen setzen auf Natur das ganze Jahr über

Umso unverständlicher ist für Frey, dass die Regierung aus CSU und Freien Wählern (FW) im Freistaat den Bau neuer Liftanlagen und Schneekanonen weiterhin mit Steuergeldern fördert. „Der Winterurlaub kann nicht mehr nur Skiurlaub sein“, sagt Thomas Frey. Viele Tourismus-Regionen haben sich schon gewandelt oder sind dabei, setzen auf Natur das ganze Jahr über. Frey begrüßt es aus Klimaschutzgründen, wenn die Menschen „regional Urlaub machen“. Ein großer Dorn im Auge sind ihm allerdings die Tagestouristen, die immer wieder in Massen per Pkw kommen. „Das ist kein Ski-, sondern Motorsport.“ Der öffentliche Verkehr müsse dringend ausgebaut werden.

Die Sache mit den Lifts und der künstlichen Beschneiung sieht Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) ganz anders. Bei der Förderung gehe es darum, bayerische Skigebiete „mit Kunstschnee abzusichern“. Andere europäische Länder würden das „viel krasser“ machen als Bayern.

Viele Skigebiete in Österreich haben wegen Schneemangel geschlossen

Etwa Österreich. Doch auch dort haben jetzt Skigebiete in mittlerer Höhenlage geschlossen wegen Schneemangels. Und die hohen Gebiete wie in Ischgl, dem als Ballermann der Alpen verrufenen Ort im Paznauntal, sind überfüllt. „Wir hatten jetzt einen Rekordtag mit über 20 000 Gästen“, erzählt Claudia Jehle von der Tourist-Info Ischgl. Darunter sind ihrer Beobachtung nach auch viele Tagesurlauber, die kommen, weil anderswo die Pisten zu sind. „Noch vor zwei Wochen war es viel zu warm“, berichtet Jehle. Seit ein paar Tagen habe es aber „recht gut geschneit“. Die Abfahrten bestehen aus Natur- und Kunstschnee. Am Rekordtag kam es zu der hohen Zahl von 50 Unfällen, keiner war aber tödlich.

In Garmisch-Partenkirchen ist auch der Ski-Weltcup abgesagt

So glimpflich lief es in einigen anderen österreichischen Orten nicht ab. In dieser Winter-Saison sind in der Alpenrepublik schon 13 Menschen beim Skifahren ums Leben gekommen, elf davon in Tirol. Der eingeschränkte Platz auf den schmalen Pisten und der harte Kunstschnee werden als Ursachen genannt. Und zudem Selbstüberschätzung sowie mangelnde Fitness.

In Garmisch-Partenkirchen ist nun der für Ende Januar terminierte Ski-Weltcup bereits abgesagt worden, wegen der „aktuellen Schneeverhältnisse“, so teilt der Ski-Weltverband FIS mit. Der Riesen-Slalom der Herren hätte eigentlich auf der legendären Kandahar-Abfahrt stattfinden sollen. Laut Wetterbericht könnte es in der nächsten Woche in Garmisch Partenkirchen und im Alpenraum kälter werden und auch schneien. Danach soll es allerdings auch wieder wärmer werden. Hotelier Daniel Schimmer erinnert sich, dass sie vor einigen Jahren an Weihnachten mit dem Schneeschippen gar nicht hinterhergekommen sind.