So macht Wandern Spaß: alle paar Schritte gibt es ein raffiniertes, mit Wasser betriebenes Modell zu entdecken. Foto: Frank Eppler

In der Schelmenklinge haben sogar Kinder Spaß am Wandern. Der Grund sind die vielen Wasserspiele, dort dort im und am Bach stehen. Wir haben die Tour ausprobiert.

Lorch - Ach, wäre man doch nur in Lorch aufgewachsen! Dann hätte man den Sonntagsspaziergang als Kind garantiert nicht als Strafe empfunden, sondern wäre begeistert dabei gewesen, denn die Tour hätte sicher oft in die Schelmenklinge geführt. Die Schönheit der schmalen Waldschlucht, an deren steilen Hängen sich hohe Bäume festkrallen und gewaltige bemooste Felsklötze beeindruckende Formationen bilden – sie fasziniert wohl vor allem erwachsene Wanderer. Schon Mörike ist in den 1860er-Jahren durch die Schlucht gestreift und hat über die Gegend gedichtet.

Der Nachwuchs hingegen hat vermutlich nur Augen für das, was sich da im und am plätschernden Bach aneinanderreiht: zum Beispiel eine Schmiede, in der ein Hammer auf ein glühendes Teil eindrischt. Ein kleiner Schmied hält es auf einen Amboss. Nur ein paar Schritte weiter: ein Karussell, in dem sich bunte Spielzeugautos dank der Kraft des Wassers ständig rundum drehen. Und eine Bäckersfrau, die ihren Schieber unermüdlich in den Ofen schiebt und wieder herauszieht. Auch tierische Protagonisten gibt es, zum Beispiel einen Specht, der ohne Unterlass auf einen Baum einhämmert, zwei kampflustige Ziegenböcke und einen Fisch, der am Angelhaken zappelt.

Die Wasserspiele sind schon viele Jahre alt

Rund 20 Wasserspiele erwarten die Besucher, die auf einem leicht ansteigenden Waldweg entlang des Bachs in die Schlucht hineinwandern. Manche der Modelle sind schon um die 40 Jahre alt. Wann die allerersten Exemplare in der Schelmenklinge aufgestellt wurden, das kann Gunther Belser, der sich seit vielen Jahren mit einem Team aus Mitgliedern des Schwäbischen Albvereins um die Modelle kümmert, nicht genau sagen: „Vermutlich sind aber gleich nach dem Wegebau im Jahr 1906 Wasserspiele aufgebaut worden.“

Die Idee, die Schelmenklinge und ihre imposanten Felsen touristisch zu nutzen, hatten die Lorcher bereits Mitte der 1880er-Jahre, eigentlich aus einer Notsituation heraus. Denn die Anfang der 1860er-Jahre neu gebaute Eisenbahn hatte den Lorchern, insbesondere den Gastwirten, das Geschäft vermasselt. Plötzlich war die zuvor mehrtägige Reise per Kutsche von Aalen nach Bad Cannstatt in nur gut zweieinhalb Stunden mit der Bahn zu schaffen. Eine Übernachtung in Lorch war deswegen nicht mehr nötig.

So lockte Lorch schon Ende des 19. Jahrhunderts Gäste an:

Um den Mangel an Übernachtungsgästen auszugleichen, erzählt Gunther Belser, habe man Lorch zum Luftkurort gemacht – und den Touristen musste nun auch etwas geboten werden. Im Jahr 1887 baute man in der Klinge sogar einen künstlichen Wasserfall, indem man eine Quelle fasste und mit Rohren zu einem Felsen leitete. Derzeit ist der Wasserfall nicht in Betrieb, vermutlich wegen einer undichten Stelle im Rohrsystem. Die allerdings könne wegen des steilen Geländes nur mit Hilfe der Bergwacht repariert werden, sagt Belser.

Doch er und sein Team haben ohnehin alle Hände voll damit zu tun, die Wasserspiele am Laufen zu halten. Der Sand, den der Bach transportiert, und auch das Wasser selbst setzen den Modellen schwer zu. Ständig muss irgendetwas ausgetauscht oder repariert werden an den Wasserspielen, die Anfang Mai in den Bach gesetzt und im Oktober wieder herausgeholt werden. Nur gut, dass die Truppe aus lauter erfahrenen und findigen Tüftlern besteht. Ausgediente Fahrradfelgen, Räder von Kinderrollern oder Teile von Nähmaschinen werden in den Modellen verbaut.

Ein fleißiges Team kümmert sich um die Wasserspiele

Den schlimmsten Schaden hat zuletzt ein heftiger Starkregen im Juni vergangenen Jahres angerichtet. Ein Teil des Geländes rutschte ab, das Erdreich begrub Bach und Weg unter sich, spülte die Modelle und die zu ihrem Betrieb nötigen Wehre fort oder begrub sie im Schlamm. Die Schelmenklinge war danach einige Zeit nicht begehbar.

Dass vom ein oder anderen Wasserspiel nur noch Bruchstücke übrig blieben, davon ist dank des Arbeitseinsatzes vieler Idealisten und der Bauhofbeschäftigten ein Jahr später nichts mehr zu merken. Die Hammerschmiede hämmert und das Glockenspiel bimmelt wie eh und je – rund um die Uhr. Die Kuhglocken, mit denen es bestückt ist, hat Gunther Belser aus dem Allgäu mitgebracht. Nach einer oder zwei Saisons müssen sie ausgetauscht werden, weil die Klöppel abgenutzt sind oder Löcher in das Glockengehäuse geschlagen haben.

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