Die drei Macher des Kunst- und Kulturtreffs 50qm in der Altstadt (von links): Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer, Rüdiger Gunzenhäußer und Laura Halding-Hoppenheit. Die drei Macher des Kunst- und Kul Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Neue Farben für die Altstadt: Zur Eröffnung ist der Kultur- und Kunsttreff 50 qm in einem seit Jahren leer stehenden Laden an der Pfarrstraße regelrecht gestürmt worden. Eine Privatinitiative stellt sich gegen die Tristesse eines Problemviertels.

Stuttgart - Das hätte dem Justus Pankau gut gefallen! Der Kameramann mit dem Käppi und dem markanten Backenbart – Fernsehgeschichte hat er geschrieben und ist seit seinem Tod vor knapp zwei Jahren unvergessen – blickt von der hinteren Wand auf das Gedrücke und Geschiebe in dem neuen Treffpunkt der Stuttgarter Altstadt. Er schaut von einem der Rotraits, wie die Fotokünstlerin Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer ihre intensiven Porträts von leidenschaftlichen Stuttgarterinnen und Stuttgarter vor roter Leinwand nennt. Pankau umgab sich gern mit den Kreativen der Stadt, die an diesem Abend reichlich vertreten sind in einem exakt 50 Quadratmeter großen Raum. Die Botschaft dieses Abends: Stuttgart ist nicht umsonst Kulturhauptstadt Deutschlands – im Kessel steckt viel künstlerische Energie!

Was auf 50 Quadratmetern möglich ist, wollen drei Kulturfreunde ideenreich zeigen – ohne öffentliche Zuschüsse, nur rein mit privaten Mitteln. Ein kommerzielles Interesse haben sie nicht. Clublegende Laura Halding-Hoppenheit, eine der drei 50 qm-Betreiber, hat bereits vor anderthalb Jahren unweit des Züblin-Parkhauses Tom’s Bar eröffnet, weil sie an der Umgestaltung der Altstadt mitwirken will. Kurz danach folgte ihr nächster Streich: Die Stadträtin der Linken mit den feuerroten Haaren (ihr Lieblingswort ist „Horrror!“) mietete den ehemaligen Laden einer Schlosserei an, der seit vielen Jahren ungenutzt ist.

Viele Kreative der Stadt feierten mit

Aus ihrem Plan, von diesem Ort aus mit Außengastronomie das Viertel zu beleben, ist nichts geworden. Ihren Wunsch, dass einige Parkplätze draußen verschwinden und dafür Tische und Stühle aufgestellt werden, konnte oder wollte die Stadt nicht erfüllen. Tom’s Bar lief, aber der Kulturtreff nebenan blieb verwaist. Die Wirtin zahlte ein Jahr lang Miete, ohne dass etwas geschah.

Nun hat Laura Halding-Hoppenheit zwei Mitstreiter gefunden: Die Fotokünstlerin Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer und ihr Mann Rüdiger Gunzenhäußer, der Vorsitzende des Förderkreises des Altstadt-Theaters, haben mit ihr einen schönen Raum geschaffen, der am Mittwochabend mit Bildern der Rotrait-Fotografin sowie der beiden Künstler Claus Rudolph und Hannes Steinert eröffnet worden ist. Der Andrang und die Neugierde auf das Neue, das sich 50 qm nennt, waren enorm. Ausstellungen, Lesungen, Gespräche, Musik und Vorträge. soll es hier künftig geben. Unter den Gästen: die Designerin Lissi Fritzenschaft, der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann, der Autor Patrick Mikolaj, die Künstlerin Richild von Holtzbrinck, Michael Panzer alias Frl. Wommy Wonder, die Musikmanagerin Esther Müller, Aids-Hilfe-Geschäftsführer Franz Kibler, der grüne Fraktionschef Andreas Winter, DJane Alegra Cole und viele andere.

Bezirksvorsteherin wünscht sich Cafés für den Tag

Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle freut sich über die neuen Treffpunkte abseits des roten Lichts. Gerade wird am Leonhardsplatz die frühere Bier-Bar, ein Animierlokal, das als Wohnzimmer von Fälscher Konrad Kujau galt, zu einem neuen Szenetreff umgebaut. „Die neuen Bars und Clubs sind gut“, sagt die Grüne, „aber schade ist, dass sie immer nur abends und nachts aufmachen.“ Das Viertel bräuchte auch Cafés für den Tag. „Doch tagsüber sind die Rollläden unten“, bedauert sie. Das neue 50 qm will nun donnerstags und freitags am Abend öffnen. Mehr über den Wandel in der Altstadt und die Eröffnungsfeier an der Pfarrstraße am Samstag in den Printausgaben der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten.

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