CDU-Generalsekretär Thomas Strobl wirft Schauspieler und S-21-Gegner Walter Sittler (Foto) in einen Topf mit NS-Propagandisten Foto: dpa

Altstadtrat Thurner ärgert sich über Schauspieler: Mafia-Vergleich sei "starker Tobak".

Stuttgart - Der Tonfall in der öffentlichen Auseinandersetzung um Stuttgart21 wird rauer: In einem offenen Brief wirft der frühere Stuttgarter SPD-Stadtrat Robert Thurner dem Schauspieler Walter Sittler vor, zur Eskalation des Protests gegen das Bahnprojekt beizutragen. "Es wird am Ende wenig nützen, im Falle gewalttätiger Auseinandersetzungen die Hände in Unschuld zu waschen, nachdem Sie mit Ihren Worten den Boden dafür bereitet haben", warnt Thurner den Schauspieler.

Thurner saß von 1994 bis 2009 im Gemeinderat. Als ehemaliger Polizeihauptkommissar wird der 64-Jährige auch im Ruhestand hellhörig, wenn es um Gewalt geht, und sei es auch bloß verbale Kraftmeierei. Die von Sittler bei der Großdemo am 11.Juli geäußerte Behauptung, dass hinter Stuttgart21 "ein Kartell" am Werk sei, das man "eher bei Silvio Berlusconi und seinen Hintermännern vermutet hätte", sind Thurner deshalb sauer aufgestoßen. Wenn man bedenke, dass Sittler demokratisch legitimierte Gremien mit ihren Mehrheitsbeschlüssen sowie Genehmigungsbehörden "in die Nähe der Mafia" rücke, sei das "starker Tobak".

Vielleicht wisse der Mime nicht, worauf er sich als selbst erklärter Baumschützer im Schlossgarten einlasse, meint Thuner. "Ziviler Ungehorsam in allen Ehren, aber bei Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt oder gar Landfriedensbruch hört für mich der Spaß auf", so Thurner.

Der Schauspieler Sittler sei ihm ja grundsätzlich sympathisch, erklärt Thurner dieser Zeitung. "Weil er populär ist und die Leute auf ihn hören, wollte ich mit meinem Brief auf ihn zugehen", sagt der Altstadtrat. Sittler habe ihm anderntags mit einem langen Schreiben geantwortet. Leider stehe da nichts Neues drin, meint Thurner: "So wird da kein Dialog daraus."

Sittler hat am Sonntag zudem einen offenen Brief an Ministerpräsident Stefan Mappus und OB Wolfgang Schuster verfasst. Darin heißt es: "Sie verlieren Ihr Gesicht nicht, wenn Sie eine falsche Entscheidung korrigieren." Andernfalls drohe ein Vertrauensverlust beim Bürger, und damit wäre ihre "politische Legitimation dahin", warnt der Schauspieler die beiden CDU-Politiker.

"Wir bitten Sie, nein, wir fordern Sie auf, ein Moratorium über Stuttgart21 zu verhängen", schreibt Sittler. Anstatt den Nordflügel des Hauptbahnhofs in aller Eile für den Bau des Tiefbahnhofs abzureißen, sollte die Modernisierung der bestehenden Bahnanlagen begonnen werden.

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