Der beliebte Schauspieler zeigt eigene Gemälde in einer Gemeinschaftsausstellung der Galerie Kunsthöfle in Bad Cannstatt.
Walter Schultheiß ist nicht nur als Schauspieler jahrzehntelang aktiv gewesen, sondern war auch als malender Künstler tätig. Beispiele und Ergebnisse seiner Malkunst sind in der aktuellen Ausstellung der Galerie Kunsthöfle im Amtsgericht Bad Cannstatt anzuschauen – mit Werken sieben weiterer ehemaliger „Kunsthöfler“. Zur Vernissage konnte der inzwischen 100 Jahre alte Schultheiß nicht kommen. Doch seine drei Bilder geben Einblick in sein Schaffen.
Dem Lichteinfall und der Atmosphäre malerisch auf der Spur
Vornean ist neben einem Porträtbild von ihm mit seinem spitzbübischen Lächeln ein Venedig-Bild zu sehen. „Die Stadt liebe ich und habe sie gerne auf Reisen besucht“, erzählte er unserer Zeitung bei einer Vernissage im Jahr 2018. Zu sehen ist der Blick in einen Kanal mit Häuserfronten rechts und links und vorne im Zentrum einem Brückenbogen. Das Besondere im Motiv ist der Lichteinfall. Pinselstrich für Pinselstrich hat Schultheiß sorgfältig das Licht und den Schatten hier eingefangen und die besondere Atmosphäre geschaffen einschließlich der Spiegelung des Himmels im Wasser. Eine fast magische Ausstrahlung hat das Bild, welches in einem ornamentalen goldenen Rahmen eingefasst ist.
Viele Motive in der Lagunenstadt gefunden
Ebenfalls eine Häuserszenerie, die an Venedig erinnert, hat der Künstler 1996 am linken Bildrand neben seinem Namen datiert. Es zeigt eine südländliche Häusergruppe am Wasserkanal. Die Lagunenstadt und ihre stillen Winkel haben es ihm angetan. Dort hat er viele Motive für seine Arbeiten gefunden.
Auch klassische Stillleben gemalt
Auch klassische Stillleben gehören zu seinem Steckenpferd: Zu sehen ist ein Bild mit zwei Gießkannen, einem kleinen Gefäß mit Henkel und sechs Äpfeln auf einem Tisch in klassischer Manier realistisch dargestellt. Schultheiß ist übrigens 1978 Mitglied im Verband bildender Künstler geworden. Auch hat der Schwabe 1976 den Ort seiner Malstudien gemalt: den Platz vor der Tuchmachergasse, der Galerie Wiedmann. Das Bild war 2019 bei einer Ausstellung beim Evangelischen Verein zu sehen.
Malschüler von Willy Wiedmann
Die unbekannte Seite von ihm wurde erstmals im Jahr 2018 deutlich, als er mit anderen Malschülern in der Galerie Wiedmann in Bad Cannstatt seine Werke zeigte. Bei der Vernissage hatte Schultheiß damals berichtet, wie er bei Wiedmann gelernt hat. Er malte damals Stillleben: Instrumente, Obst, Krüge. Doch nicht einfach so. Er lernte die Malerei als eine Kunst kennen, die einiges an Können abverlangt, nachdem er auf der Bühne und vor der Kamera Rollen wie König, Pfarrer, Vermieter oder Straßenkehrer gespielt hat. Vor der Leinwand war er Maler. Und zwar ein ernsthafter.
Damals bei der Eröffnung der Ausstellung „Spurensuche“ der Galerie Wiedmann hat er sich an die Zeit als Malschüler von Willy Wiedmann erinnert. Beim launigen Talk, den er, wie es seine Art ist, mit humorvollem Blick und Sprüchen spickte und bei dem auch seine Frau Trudel Wulle mit auf dem Sofa saß, erinnerte er sich, wie Wiedmann ihm in den siebziger Jahren sorgfältig beigebracht hat, wie man mit Ölfarben malt und wie Farben am besten miteinander harmonieren. Nicht nur Licht und Schatten lernte er zu setzen, auch Farben anzumischen. „Das war nicht einfach“, so Schultheiß. Doch er hat sich alle wichtigen Tipps von seinem Cannstatter Lehrer geben lassen. So lernte er klassische Ölmalerei.
Spurensuche 2018 mit launigem Talk
Jetzt: Revival mit ehemaligen Kunsthöflern
Die Ausstellung „Revival“ – ehemalige Kunsthöfler stellen aus, zeigt eine Gesamtschau, die neun Künstlerpersönlichkeiten würdigt, „als Zentrum des künstlerischen Austauschs“, wie Laudatorin Elena Hocke erklärte. Dabei sind von Willy Wiedmann grafische polykone Bilder zu sehen. Die Idee des Kunsthöfle von Gemeinschaft und Teilhabe sind spürbar. So sind hier auch Werke von Hans Bäurle, Hans Berweiler, Hermann Geiger, Ursula Kirchner, Gabi Schreiner, Hieronimus Szkudlarek und Willy Wiedmann ausgestellt.
Die Ausstellung ist bis 21. September im Amtsgericht Bad Cannstatt, Badstraße 23, montags bis freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr zu sehen.