Wer eine private Elektroladebox installieren lassen will, kann sich an verschiedene Anbieter wenden. In größeren Wohneinheiten muss aber jeder Eigentümer zustimmen. Das bremst den Verkauf von Elektroautos.
Stuttgart - Wer ein Elektroauto kauft, lädt es am liebsten zu Hause auf, weil das sehr bequem sei, weiß Stefan Bratzel, Chef des Auto-Forschungsinstituts CAM in Bergisch Gladbach. Der Wissenschaftler hat in den vergangenen Jahren in zahlreichen Studien die Entwicklung der Elektromobilität untersucht. Prinzipiell stehen zu Hause zwei Lademöglichkeiten zur Verfügung: eine gewöhnliche Haushaltssteckdose oder eine spezielle Ladebox für Stromer. Grundsätzlich kann ein Elektroauto an die normale Steckdose angeschlossen werden. Fachleute raten davon allerdings ab, weil dies gerade bei Leitungen in älteren Gebäuden gefährlich sein könnte. Die Leitungen sind nicht dafür ausgelegt, dass große Strommengen über einen längeren Zeitraum hindurchfließen. Der Dauerbetrieb kann zu Überhitzung führen. Eine spezielle Ladestation, auch Wallbox genannt, die an die Garagenwand montiert wird, sei auf jeden Fall sicherer. Zudem kann damit die Batterie schneller aufgeladen werden, weil diese Stromtankstelle mit Starkstrom (400 Volt) arbeitet. Die wichtigsten Fragen:
Wie findet man die passende Wallbox?
Wer im Internet sucht, findet ein vielfältiges und weiter wachsendes Angebot privater Ladestationen mit unterschiedlichen Leistungen. Elektroriesen wie Siemens tummeln sich hier ebenso wie der sauerländische Mittelständler Mennekes und das Familienunternehmen ABL aus Lauf an der Pegnitz, das in den Zwanzigerjahren den sicheren Schukostecker erfand. Im vergangenen Jahr ist auch der Autozulieferer Webasto in diesen Markt eingestiegen.
„Webasto drängt stark in diesen Markt“ sagt der Berater Rachid Ait Bouhou, der sich seit Langem für den Ausbau der Elektromobilität einsetzt und im wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbands E-Mobilität sitzt. In führender Position bei den privaten Ladestationen sieht der Berater Mennekes und ABL sowie das österreichische Unternehmen Keba.
Autobauer verkaufen Ladestationen heute genauso wie Stromanbieter. Die Energieversorger bieten die Wallbox gerne in Kombination mit einer Fotovoltaikanlage an. Auch Elektrofachmärkte und Versandunternehmen wie Amazon haben private Stromtankstellen im Angebot.
Wie gut ist die Beratung bei den Händlern und Autobauern?
Manche Autohersteller verkaufen zwar eigene Ladestationen, bieten selbst aber keinen Rundumservice auf diesem für die PS-Branche ungewohnten Feld. Opel verweist beim Wunsch nach einer Wallbox auf den Energiedienstleister The Mobility House, mit dem auch Daimler und Renault kooperieren. Die Franzosen haben zudem den Energieversorger Innogy als Partner für die Bestellung und Installation der Wallbox. „Die meisten Autobauer arbeiten mit externen Partnern zusammen. Die Beratung wird von den Herstellern eher stiefmütterlich betrieben“, urteilt Berater Ait Bouhou, der auch bei der Mehrzahl der Händler noch die richtige Begeisterung für die Elektromobilität vermisst. „Hersteller und Händler müssten sich stärker engagieren, nur so können sie doch auch eine entsprechende Kundenbindung aufbauen“, gibt der Experte zu bedenken. Auch der Wissenschaftler Bratzel kritisiert die Zurückhaltung der Autobranche in diesem Bereich. „Da braucht es noch ein bisschen mehr Traktion“, meint er und fordert ein branchenübergreifendes Denken auf diesem Zukunftsmarkt.
Wie läuft die Anschaffung der Box über den Partner der Autobauer ab?
Der Energiedienstleister The Mobility House ist nach Einschätzung des Beraters Ait Bouhou der führende externe Partner der Autobauer bei der Anschaffung einer Wallbox. Das Unternehmen bietet seit 2009 Lade-Infrastruktur für Elektroautos an. Dabei ist der Serviceumfang – abhängig von der Marke und speziellen Kundenwünschen – unterschiedlich, sagt ein Sprecher von Mobility House. Beim Komplettpaket berät der Dienstleister die Kunden, welche Produkte geeignet sind, liefert die Wallbox und organisiert auch die Montage sowie Inbetriebnahme der privaten Strom-Tankstelle durch einen qualifizierten Elektroinstallateur. Der Elektroinstallateur muss unter anderem auch mit dem Netzbetreiber klären, ob die Stromleitungen im Haus für den Anschluss ausreichend sind.
Wie hoch sind die Kosten für die Einrichtung der Stromtankstelle?
Die Kosten hängen von der Leistungsfähigkeit und der Intelligenz der Wallbox ab. Die Ladeleistung reicht von 3,7 bis 22 Kilowatt. Eine Station mit einer Leistung von elf Kilowatt kostet nach Angaben von Ait Bouhou zwischen 600 und 800 Euro; intelligente Modelle, die mit dem Internet verbunden sind, seien ab etwa 1100 Euro zu haben. Dadurch könne beispielsweise bei Dienstwagen der Strom mit dem Arbeitgeber abgerechnet werden. Die Kosten für die Installation sind von Standort zu Standort sehr unterschiedlich. Sie hängen etwa davon ab, ob eine Wand oder eine Decke durchbrochen werden muss, wie weit der Stellplatz vom nächsten Sicherungskasten entfernt ist und wie aufwendig die Verlegung der Kabel ist.
Welche rechtlichen Schwierigkeiten gibt es in größeren Wohneinheiten?
Am einfachsten ist die Installation einer Ladestation in der Garage im eigenen Einfamilienhaus. Wenn man jedoch Mieter ist oder eine Eigentumswohnung in einem größeren Haus hat, kann es Verzögerungen geben. Zunächst müssen der Vermieter sowie sämtliche andere Eigentümer grünes Licht für die Installation der Wallbox geben. „Diese rechtlichen Hürden bremsen sehr stark“, sagt Ait Bouhou. Ein einstimmiger Beschluss in der Eigentümerversammlung sei nur schwer zu bekommen. „Es gibt immer einen, der irgendwas dagegen hat“, sagt der Berater.
Der Bundesrat hat in den vergangenen Jahren zwar schon mehrere Anläufe genommen, die Rechtslage zu ändern – bisher jedoch ohne Erfolg. Die Bundesregierung hat nun im Koalitionsvertrag versprochen, dass der Einbau von Ladestationen rechtlich erleichtert werden soll.
Zunächst einmal wurde eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern eingesetzt, um eine Reform des Miet- und Wohneigentumsrechts zu erarbeiten. Rachid Ait Bouhou ist nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre skeptisch. Doch ein Sprecher des Bundesjustizministeriums macht Hoffnung auf ein Ende der Hängepartie: „Bis zum Ende der Legislaturperiode wird etwas kommen“, sagt er voraus.