Die Klärschlammverbrennungsanlage in Walheim wird derzeit gebaut. Foto: EnBW

Nach der gescheiterten Klage gibt die Gemeinde Walheim (Kreis Ludwigsburg) ihren Widerstand gegen die EnBW-Anlage zur Klärschlammverbrennung auf. Sie hofft aber auf einen Ausgleich.

Der Widerstand gegen die Klärschlammverbrennung der EnBW in Walheim hält seit fünf Jahren an – doch nun sind andere Töne am Mittleren Neckar vernehmbar. Zwar bleiben Vorbehalte bestehen, doch sowohl die Bürgerinitiative „Bürger im Neckartal“ als auch die Gemeinde sehen nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Mannheim kaum noch Möglichkeiten, das Projekt zu stoppen. Stattdessen rückt die Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern stärker in den Mittelpunkt.

 

Die Anlage auf dem Gelände des Kraftwerks Walheim soll jährlich bis zu 180.000 Tonnen Klärschlamm thermisch verwerten. Die EnBW hat stets darauf verwiesen, dass die Anlage ein wichtiger Baustein für die Entsorgungssicherheit im Land sei. Der Hintergrund sind unter anderem Gesetze, die vorschreiben, Phosphor künftig aus Klärschlamm zurückzugewinnen.

Bürger fühlten sich von der EnBW überrollt

Das Vorhaben löste jedoch in Walheim und den Nachbarkommunen Besigheim, Gemmrigheim und Kirchheim massiven Widerstand aus. Kritiker befürchteten zusätzliche Belastungen durch Verkehr, Emissionen und Eingriffe in Natur und Landschaft. Besonders umstritten waren die erwarteten täglichen 150 Lastwagen-Fahrten sowie Fragen zum Umgang mit Brüdenwasser und möglichen Auswirkungen auf das Grundwasser. Zahlreiche Bürger fühlten sich zudem von den Planungen überrollt. Die Auseinandersetzung beschäftigte Gerichte, Behörden und Gemeinderäte über Jahre hinweg.

Nun zeichnet sich jedoch eine neue Realität ab. Matthias Appelt, Sprecher der Bürgerinitiative „Bürger im Neckartal“, spricht offen davon, dass der juristische Kampf faktisch beendet sei. „Das Einvernehmen des Regierungspräsidiums Stuttgart mit dem Bauvorhaben war aus rechtlicher Sicht gerechtfertigt“, sagt Appelt mit Verweis auf das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim.

Das Gericht habe bestätigt, dass es sich um eine Planung innerhalb eines bestehenden industriellen Siedlungsbereichs handle, so Appelt. Das stärkt der EnBW planungsrechtlich entscheidend den Rücken. „Wir könnten noch klagen, aber das können wir gar nicht bezahlen.“ Für die Bürgerinitiative sei die Sache deshalb erledigt: „Wir sehen keine Chancen mehr.“

Noch vor einem Jahr bildeten Bürger eine Menschenkette gegen die geplante Anlage der EnBW. Foto: Ralf Poller/avanti

Ganz verstummen wollen die Kritiker dennoch nicht. Appelt kündigt an, den weiteren Betrieb der Anlage aufmerksam begleiten zu wollen. Vor allem das noch laufende wasserrechtliche Verfahren beobachte die Initiative kritisch. Die Begutachtung zu möglichen Auswirkungen auf das Grundwasser stehe noch aus. Zugleich fordert Appelt mehr Entgegenkommen seitens der EnBW. Als wichtigen Schritt nennt er den Bau einer Abwasserdruckleitung für das Brüdenwasser. Auch eine Rad- und Fußgängerbrücke über den Neckar nach Gemmrigheim könne ein Signal sein. „Die EnBW wird an der Verbrennung viel verdienen“, sagt Appelt. Deshalb müsse der Konzern der Region auch etwas zurückgeben.

Walheims Bürgermeister Christoph Herre schlägt inzwischen ebenfalls versöhnlichere Töne an. Die Gemeinde hatte sich gemeinsam mit den Nachbarorten lange gegen das Projekt gestemmt. Herre dankt auch der Bürgerinitiative für ihre „engagierte und sachliche Arbeit“. Nach der abgewiesenen Klage spricht der Rathauschef nun jedoch von einer „Zäsur“.

Man müsse sich mit der neuen Situation arrangieren und gleichzeitig versuchen, Verbesserungen für die Gemeinde zu erreichen. Dabei setzt Herre vor allem auf den Dialog mit der EnBW. Ein zentrales Ziel bleibe die Abwasserdruckleitung zum Klärwerk Bietigheim. Dadurch ließe sich die Zahl der Lastwagen-Fahrten um täglich 15 reduzieren.

EnBW signalisiert gewisses Entgegenkommen

Tatsächlich signalisiert die EnBW in diesem Punkt Entgegenkommen. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, man befinde sich seit Ende 2024 in konstruktiven Gesprächen mit der Gemeinde Walheim. Im Rahmen eines vom Regierungspräsidium moderierten Runden Tisches sei bereits ein „Letter of Intent“, eine Absichtserklärung, zur Prüfung möglicher Maßnahmen unterzeichnet worden. Dazu gehöre ausdrücklich die geplante Abwasserdruckleitung. Gleichzeitig eröffne sie die Möglichkeit, dass Nachrüstung und Betrieb der Walheimer Kläranlage entfallen könnten, weil die kommunalen Abwässer ebenfalls über die Leitung abgeführt würden.

Auch beim Baufortschritt zeigt sich die EnBW optimistisch. Der Rohbau sei weit fortgeschritten, die Montage der Anlagentechnik laufe bereits. Die Inbetriebnahme sei für das erste Halbjahr 2028 vorgesehen.

Zuversichtlich blickt der Konzern nach eigenen Angaben auch auf das noch laufende wasserrechtliche Verfahren. Die beantragte Grundwasserentnahme basiere auf mehreren Gutachten, die keine negativen Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel erwarten ließen. Man nehme die Sorgen der Bürger aber ernst und wolle offene Fragen im weiteren Verfahren beantworten.