Waldtiere im Stuttgarter Norden Wildschweine machen sich rar

Von Torsten Ströbele 

Noch vor einigen Monaten durchwühlten Wildschweine Gärten  und Friedhöfe. Foto: dpa
Noch vor einigen Monaten durchwühlten Wildschweine Gärten und Friedhöfe. Foto: dpa

Nach intensiver Jagd und einem guten Mastjahr sind die Schwarzkittel nur selten zu sehen.

Stuttgarter Norden - Wo ist sie hin, die Wildsau? Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Schwarzkittel im Stuttgarter Norden ihr Unwesen getrieben haben. Ein umgegrabener Fußballplatz in Feuerbach, rund 300 verwüstete Gräber auf dem Weilimdorfer Friedhof und viele durchwühlte Gärten in Botnang waren das Ergebnis der Nahrungssuche. „Meine Schwiegermutter hat seit 45 Jahren einen Garten. Es ist das erste Jahr, in dem die Wildschweine dort auftauchen. Das Verhalten der Tiere hat sich verändert. Darauf müssen Sie reagieren“, beschwerte sich unter anderem eine Dame aus Botnang bei Hagen Dilling vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt, als die Allesfresser im Jahr 2015 sogar bis in die Wohngebiete vorgedrungen waren.

Seitdem scheint sich viel getan zu haben. Denn vom Wildschwein ist derzeit nicht viel bis gar nichts mehr zu sehen. „In der Tat: Es sind weniger Wildschweine als im Vorjahr dort zu finden, wo wir die Jagd koordinieren“, sagt Dilling. Wie viele Tiere es genau sind, die derzeit durch die Stuttgarter Wälder streifen, kann er nicht sagen. Aber die geringen Abschusszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Hat man im Jagdjahr (1. April bis 31. März) 2015 noch 261 Wildschweine erlegt, waren es 2017 nur noch 147. Und seit April bis Anfang Dezember 2018 waren es insgesamt nur sieben Schwarzkittel, die erfolgreich gejagt wurden. „Jetzt müssen wir die nächsten Monate zwar noch abwarten, aber es ist schon zu vermuten, dass die Abschusszahl deutlich geringer ausfallen wird.“

Die Wildschweine leben derzeit in Saus und Braus

Wo die Wildschweine abgeblieben sind, kann Dilling nur vermuten: „Wir haben auf jeden Fall keinen Hinweis darauf, dass sie von einer Seuche oder einer Krankheit befallen sind.“ Natürlich habe man durch die erfolgreiche Jagd in den vergangenen Monaten und Jahren dafür gesorgt, dass die Population reduziert wurde. „Und es ist hier für die Tiere natürlich auch extrem unattraktiv geworden, wenn sie intensiv gejagt werden“, sagt Dilling. Dadurch, dass die Schwarzkittel nicht besonders ortstreu sind und auch viele Kilometer an Wegstrecke zurücklegen, könnten sie sich ruhigere Regionen zum Leben gesucht haben.

„Und weil wir ein sehr gutes Mastjahr haben, gibt es für die Tiere auch keinen Grund, um wieder zu uns zurückzukommen“, sagt Hagen Dilling. „Überall liegen Eicheln und Bucheckern herum. Solange das so ist, passiert da nicht viel.“ Der Jäger Bertram Fischer hat es so formuliert: „Man kann fast sagen, dass sich die Sauen nur mit offenem Maul unter die Bäume legen mussten, um satt zu werden.“ Dilling führt aber noch eine andere Option ins Feld, die dazu geführt haben könnte, dass sich derzeit wenig Wildschweine in Stuttgart tummeln: „Wenn die Bache zwischen Februar und April Junge bekommt, legt sie den Nachwuchs in eine Art Kessel im Boden, wo er windgeschützt ist. Das ist aber keine Komfortwohnung.“ Sobald die Bache aufsteht und etwas zu fressen sucht, seien die Jungen ungeschützt. „In einem nass-kalten Frühjahr sterben dann auch viele Frischlinge“, erklärt Dilling.

Aber auch wenn sich die Schwarzkittel derzeit nicht blicken lassen, muss das nicht heißen, dass es so bleibt: „Nächstes Jahr kann das alles ganz anders aussehen.“

Redaktion Botnang

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