Ein Forstmitarbeiter zeigt, wie ein Baumstamm zerteilt wird. Foto: Jan Potente

Beim Waldtag am Warthof zeigen die heimischen Förster die vielen Facetten ihrer Arbeitsstätte auf.

Aspach - Die siebenjährige Sina legt sich mächtig ins Zeug. Zusammen mit ihrer gleichaltrigen Freundin Marie zieht sie die gewaltige Hobelzahnsäge, wie anno dazumal die Waldarbeiter, über den Baumstamm, bis tatsächlich Späne fliegen. „Erst einmal körperliche Ertüchtigung“ ist an Station vier angesagt, die Reiner Brujmann, der Revierförster von Allmersbach im Tal, betreut. Danach wird unter anderem erklärt, was es mit den verschiedenfarbigen Markierungen an den Bäumen im Wald auf sich hat

Wo Geschichte auf Zukunft trifft

Brujmann und rund 60 Kollegen, Förster anderer Reviere im Rems-Murr-Kreis und Mitarbeiter des staatlichen Forstamtes um dessen Leiter Martin Röhrs, haben am Sonntag zum Waldtag auf und um den Warthof eingeladen. Das Gebäudeensemble des Forstanwesens mitten im Wald zwischen Aspach und Spiegelberg, dessen Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, ist aufwendig restauriert und energetisch saniert worden. Im vergangenen Jahr war der Schlüssel symbolisch an jene jungen Menschen übergeben worden, die dort ihre Berufsausbildung absolvieren. Jetzt hat das Forstamt der Bevölkerung stolz präsentiert, wo „die Geschichte auf die Zukunft der Forstverwaltung trifft“, wie es der Amtsleiter Martin Röhrs ausdrückte.

Doch nicht nur das Anwesen, das die Forstverwaltung 1862 von den Grafen Adelmann erworben hatte und heute vom zuständigen Revierförster sowie zu Ausbildungszwecken genutzt wird, wurde am Sonntag in den Vordergrund gerückt. An zehn im Wald verteilten Stationen wurden die verschiedenen Facetten der Forstwirtschaft aufgezeigt. Denn diese liefere nicht nur „Holz, das wir alle brauchen: für Möbel, Dachstühle oder die morgendliche Zeitung“. Die Waldbewirtschaftung, so Martin Röhrs, sei auch auf Nachhaltigkeit und Naturschutz ausgelegt.

Als Ökosystem unverzichtbar

Das wird beispielsweise an Station sechs deutlich. Dort zeigt Stefan Grätsch, der Revierleiter aus Oberbrüden, dass man in manchen Bereichen ganz bewusst absterbende oder abgestorbene Bäume erhalte, um Pflanzen wie Pilzen und Moosen sowie Tieren wie Käfern oder Spechten wichtige Lebensräume zu erhalten. „Natürlich ist die Bereitstellung von Holz eine unserer Kernaufgaben, und jeder Festmeter, der nicht aus dem Ausland importiert wird, ist ein Beitrag zum internationalen Schutz der Wälder“, sagt Martin Röhrs. Aber der Wald sei weit mehr als nur Holzlieferant. Er sei als Ökosystem für Mensch und Umwelt unverzichtbar. Auch seine Funktion als Erholungsraum werde hoch geschätzt – oder als „grünes Fitness-Studio von Wanderern, Joggern, Bikern oder Reitern“ genutzt.

Sina und Marie indes haben erst einmal genug von körperlicher Ertüchtigung – „kein Wunder, dass die Waldarbeiter auf Kettensägen umgestiegen sind“ – und machen sich auf in Richtung Station Nummer fünf. Dort gibt es Fakten über den Wald. Zwar erscheinen die „neusten Erkenntnisse der Bundeswaldinventur“ den Siebenjährigen zugegebenermaßen nur peripher interessant. Doch ganz sicher kann man ja davon etwas bei dem ebenfalls beim Waldtag angebotenen Quiz verwenden.

  
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