Für die Waldschlössle-Umgestaltung hatte die Stadt auch großzügige Erweiterung akzeptiert. Foto: Patricia Sigerist

Die Vertragsverhandlungen mit der evangelischen Kirche sind nach langem Warten geplatzt. Verhandlungen um den Verkauf des Waldschlössles am Kappelberg durch die evangelische Kirche Fellbach müssen von vorne beginnen.

Fellbach - Verhandlungen um den Verkauf des Waldschlössles am Kappelberg durch die evangelische Kirche Fellbach müssen von vorne beginnen. Armin Karrer, Sternekoch und Hotelbetreiber in Fellbach, hat sein Angebot in den vergangenen Tagen zurückgezogen. Die Gründe dafür wurden nicht bekannt. Der renommierte Hotelier hatte laut Eva Bosch, der Kirchengemeinderatsvorsitzenden, bisher starkes Interesse an der Immobilie gezeigt. „Wir bedauern sehr, dass Armin Karrer sein Angebot zurückgezogen hat“, erklärt Eva Bosch.

Das Projekt Karrers, das ehemalige Restaurant und den für das evangelische Waldheim gebauten Saalbau zu sanieren und zu erweitern sowie ganzjährig zu betreiben, ist erst nach jahrelangem Tauziehen durch die Behörden genehmigt worden, obwohl es in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Dort ist das Bauen erschwert, meist wird es gar nicht erlaubt. Dass sich Armin Karrer aber verpflichtet hat, das evangelische Waldheim im sanierten Gebäude weiter zuzulassen und zu fördern, hat nach Ansicht in der Stadtverwaltung ein öffentliches Interesse an dem Projekt begründet, sodass die Behörden auch großzügige bauliche Erweiterungen schließlich akzeptierten. Vor der Schließung im Jahr 2013 hatte das Waldschlössle ein beliebtes Ausflugslokal beheimatet und war vor allem mit dem Ferienwaldheim am Kappelberg der evangelischen Kirche verbunden.

Ein kleines Hotel mit 17 Doppelzimmern war in den Planunterlagen zu erkennen

Zwischenzeitlich ist die Kirche mit ihrer Stadtranderholung jeden Sommer auf eine provisorische Fläche auf dem Tennwengert Oeffingen ausgewichen, weil sich das Waldheimgebäude als sanierungsreif herausgestellt hatte. In ihrer Sorge um den Fortbestand der Kinderferienbetreuung auf dem angestammten Platz hatten frühere Besucher und selbst ehrenamtliche Leiter das Projekt des Gastronomen ebenso abgelehnt wie den im kirchlichen Immobilienkonzept festgelegten Verkauf des Areals.

Ursprünglich sah Karrers Konzept unter anderem vor, eine Treppen- und Aufzugsanlage auf der Ostseite des Restaurantgebäudes anzubauen und dieses mit dem um ein Stockwerk erhöhten Saalbau zu verbinden. Ein kleines Hotel mit 17 Doppelzimmern war in den Planunterlagen zu erkennen. Die Bruttogeschossfläche des Restaurants Waldschlössle und des Waldheimgebäudes zusammen sollte demnach von 1614 auf 2370 Quadratmeter steigen. Die künftige Firsthöhe des Waldheimgebäudes hätte bei 15 Metern liegen sollen und damit um fast vier Meter die Spitze des bisherigen Restaurantgebäudes überragt.

Zuletzt hatte die Stadtverwaltung ein verkleinertes Baugesuch genehmigt

Trotz einer ansprechenden Architektur mit geschickter Dachgestaltung, großen luftigen Glasfassaden und Fensterflächen ging die Sorge um, dass sich der Anblick des Kappelbergs für den Spaziergänger im Tal aus der Ferne ebenso wie für den Wanderer in der Nähe deutlich verändern würde. Durch den Anbau zusätzlicher Terrassen sollten weitere Flächen versiegelt werden, was Naturschützer störte. Die Terrassenfläche für die Außenbewirtschaftung hätte sich von rund 130 Quadratmeter auf 584 Quadratmeter erhöht.

Zuletzt hatte die Stadtverwaltung ein verkleinertes Baugesuch genehmigt, in dem Karrer darauf verzichtet hätte, den Saalbau für Hotelzimmer und eine Betriebswohnung aufzustocken. Seither warteten die Beamten, bevor sie den Roten Punkt der Baufreigabe ausgeben wollten, darauf, dass der Bauherr einige Auflagen erfüllt und verlangte Gutachten vorlegt, wie offenbar einen Nachweis, dass er das Projekt finanzieren kann. Wie viel Geld Armin Karrer auf dem Kappelberg investieren wollte, wurde nicht genannt.

Auf Nachfrage erklärt die Stadt Fellbach über ihre Sprecherin Sabine Laartz: „Grundsätzlich sind Baugenehmigungen nicht an Personen gebunden, sondern ans Projekt.“ Und fürs Projekt Waldschlössle gebe es bekanntlich diese Genehmigung, „sie ist erteilt“. Wenn sich also neue Interessenten melden, „würden wir mit denen ins Gespräch gehen“, so Laartz.

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