Waldkindergarten Heimsheim. Foto: S. Granville

Schon einmal wollte ein Verein einen Waldkindergarten in Weissach. Ein Jahrzehnt später ist das Thema wieder auf dem Tisch. Diesmal mit mehr Erfolg.

Ein knappes Jahrzehnt ist es her, da machte sich in Flacht der Verein „Naturkinder“ für die Einrichtung eines Waldkindergartens stark – stieß in Verwaltung und Teilen des Gemeinderats damals aber nicht auf die gewünschte Unterstützung. Jetzt, fast zehn Jahre später, könnte es doch noch etwas werden mit dem Naturkindergarten in Weissach. Einem entsprechenden Grundsatzbeschluss hat der Gemeinderat zugestimmt.

 

Für den ehemaligen Verein, der sich inzwischen in eine gemeinnützige GmbH mit dem Namen „co.natur“ umgewandelt hat, geht damit ein Wunsch in Erfüllung, der vor zehn Jahren überhaupt erst zur Gründung des Betriebs geführt hatte. Kennengelernt, das berichtet Geschäftsführerin Evelyn Quass, haben sich die heutigen Vorstände damals beim Kinderturnen – in Flacht. Weil es dort nicht klappte mit dem Wunsch nach einem Waldkindergarten, probierte man es also anderswo. Neun Einrichtungen betreibt die „co.natur“ inzwischen, etwa in Mönsheim, Heimsheim, Weil der Stadt und Rutesheim. „Und wir sind da ganz erfolgreich“, so Evelyn Quass.

Der Wald erzieht mit

„Für Waldpädagogik brennt unser Herz“, sagt die Geschäftsführerin. In den Waldkindergärten ihrer gemeinnützigen GmbH hätte man einen „lebenspraktischen“ Ansatz. Hochbeete anlegen, Hühner füttern, Kochen – all das würde man den Kindern zutrauen. „Wenn sie etwas für die Gemeinschaft tun, entwickeln die Kinder ein tolles und nachhaltiges Selbstwertgefühl“, erklärt Quass. „Und die Natur erzieht mit.“

Mit der Gemeinde, das bestätigt auch die Verwaltung, werden über einen möglichen Waldkindergarten in Weissach bereits seit einigen Monaten Gespräche geführt. Mit dem Landratsamt sei man ebenfalls schon im Austausch. Auch einen möglichen Standort für den Kindergarten hat man sich gemeinsam angeschaut – auch wenn das, wie Bürgermeister Jens Millow betont, noch längst nicht in trockenen Tüchern ist. Der Standort könnte demnach am Waldrand südlich des Wöhr-Areals liegen. Dann würden hier zwei Bauwägen mit Terrasse aufgestellt.

Kindergarten wäre Entlastung für die Kommune

Für die Verwaltung könnte der Waldkindergarten auch eine Absicherung für die Zukunft sein. Vor zehn Jahren hatte es laut Bürgermeister Millow zu wenig interessierte Familien gegeben. „Heute wäre es eine Entlastung für uns“, sagt er. Zwar würde es mit Blick auf die Situation in den Kitas gerade gut aussehen. „Aber die Herausforderungen bleiben weiterhin.“ Mit fortschreitendem demografischen Wandel könnte in den nächsten Jahren bis zu ein Viertel der Mitarbeiter gehen, sagt er. Und die Schwankungen bei den Geburtenzahlen hätten in der Vergangenheit schon einmal bis zu 60 betragen.

Für das Konzept des Waldkindergartens gibt es in den Reihen der Gemeinderäte derweil breite Zustimmungen – grundsätzlich stimmten diese auch der Eröffnung eines Waldkindergartens zu. Für Diskussionsstoff könnten in Zukunft allerdings noch die Finanzen sorgen. Denn sollen die Gebühren für den Waldkindergarten einmal auf der gleichen Höhe wie jene für die anderen gemeindeeigenen Einrichtungen liegen, wäre ein Großteil der Kosten im laufenden Betrieb nicht gedeckt. 90 Prozent der Kosten fallen laut „co.natur“ alleine durch den Personalaufwand an, der wegen der Betätigung im Wald etwas höher liegt als beim regulären Personalschlüssel einer Kita. Sparen könnte man hier also laut Träger kaum.

Kostenfrage noch nicht geklärt

Die Kosten, die nicht durch Gebühren und Zuschüsse gedeckt sind, würde dann die Gemeinde abdecken. „Da führt eigentlich kein Weg dran vorbei“, sagt Millow. Alternativ könnte man zwar die Gebühren bis zur Kostendeckung anheben – würde damit aber auch riskieren, dass sich nicht alle Familien eine Betreuung im Waldkindergarten leisten können. Der Betrieb des „co.natur“-Kindergartens in Weil der Stadt etwa wird von der Stadt bezuschusst – dort sind es nach Angaben der Weiler Stadtverwaltung in diesem Jahr 260 000 Euro. Mit dem Angebot ist man hier aber durchaus sehr zufrieden. „Sowohl mit dem pädagogischen Personal des Waldkindergartens als auch mit dem Träger, der co.natur gGmbH, arbeiten wir konstruktiv und vertrauensvoll zusammen“, heißt es aus dem Rathaus.