Getreu dem Motto „Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur schlechte Kleidung“ sind die Mädchen und Jungen in einem Waldkindergarten nahezu immer draußen. Foto: Philipp Schulze/dpa

Seit mehreren Jahrzehnten gibt es Waldkindergärten. Das ehemaliges Waldkindergartenkind Maja Paule aus Stuttgart-Rohr erinnert sich an eine unbeschwerte Zeit in der Natur.

Filder/Rohr - Der Wald bietet Raum zum Wachsen – und das nicht nur für Bäume, sondern für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen. Und auch der Mensch kann dort bestens gedeihen. Das ist der Ansatz von Waldkindergärten. Das Konzept stammt ursprünglich aus Skandinavien, wo es bekanntlich im Winterhalbjahr dunkler und ganzjährig kühler ist als hierzulande. In Schweden entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine Naturpädagogikbewegung, die Aktivitäten für alle Altersgruppen anbot. Aus dieser Bewegung heraus bildeten sich Mitte des 20 Jahrhunderts Kleinkindgruppen. Der erste richtige Waldkindergarten eröffnete Mitte der 1950er Jahre in Dänemark. Die Idee dazu hatte eine Mutter, die ihre Tage regelmäßig mit ihren eigenen und den Nachbarskindern im Wald verbrachte und dabei die Erfahrung machte, dass der Naturraum optimale Bedingungen für die kindliche Entwicklung bot.

Der erste Waldkindergarten in der Bundesrepublik eröffnete 1968 in Wiesbaden – und es gibt ihn immer noch. Der erste Waldkindergarten mit staatlicher Anerkennung startete 1993 in Flensburg und löste eine Gründungswelle aus. Der Bundesverband der Natur-und Waldkindergärten schätzt, dass es heute in Deutschland mehr als 1000 Waldkindergärten gibt. Hinzu kämen viele Hauskindergärten mit Waldtagen und Waldwochen – und damit sei die Nachfrage noch lange nicht gedeckt. Auf der Filderebene gibt es unter anderem den Naturkindergarten Rohr, die Wurzelzwerge in Filderstadt-Plattenhardt und die Naturkindergärten auf den Jugendfarmen Möhringen-Vaihingen und Elsental.

Mit Naturfarben den Schnee anmalen

Aufwachsen zwischen Bäumen, den Lauf der Jahreszeiten erleben und spielen mit Naturmaterialien. Das klingt verlockend – und bei schlechtem Wetter kalt, nass und anstrengend. Doch Maja Paule winkt ab. „Uns hat das nicht gestört. Wenn es gestürmt hat, hatten wir unsere Hütte, in die wir uns zurückziehen konnten. Im Winter waren wir warm eingepackt mit ganz vielen Schichten, Und Bewegung hat uns warm gehalten“, sagt die 17-Jährige. Sie war einst im Waldkindergarten Rohr, und erinnert sich noch immer gern an diese drei Kindergartenjahre zurück. „Wir waren jeden Tag draußen. Wir haben Pferdchen gespielt, gekordelt und geschnitzt. Aus Wasser, Erde und Blättern haben wir verschiedene Tränke gebraut, eben richt gematscht. Wir haben mit Naturfarben Holz und Schnee angemalt. Im Winter hatten wir unsere Bobs und Poporutscher dabei. Die haben wir zusammengebunden und sind gemeinsam den Berg runtergerodelt“, erinnert sich Maja Paule. Auf die Frage, ob sie aufgrund ihrer Waldkindergartenzeit ein besonderes Verhältnis zur Natur und zu den Bäumen habe, antwortet sie: „Wir haben damals viel über Tiere und Pflanzen gelernt. Ich bin heute immer noch sehr gerne draußen und meine Lieblingsfarbe ist grün.“

Die Kindergartenzeit in einem festen Haus womöglich mit einem nur kleinen Garten zu verbringen, das kann sich die Schülerin nicht so richtig vorstellen. „Meine Schwester war auch im Waldkindergarten. Und viele unserer Nachbarskinder sind dort. Wenn ich mal Kinder habe, ich würde sie auch gerne in einen Waldkindergarten schicken“ sagt Maja Paule.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: