Hagen Dilling (links) erklärt den Bezirksbeiräten, nach welchen Überlegungen im Haldenwald Bäume gefällt worden sind. Foto: Stahlberg

Der Forstamtsleiter hat im Haldenwald Hintergründe zu den Baumfällarbeiten erläutert. Aufgrund des ausbleibenden Frostes im vergangenen Winter waren Probleme beim Abtransport entstanden und die Wege in Mitleideschaft gezogen worden.

Sonnenberg - Jürgen Lohmann fand gleich die richtigen Worte: „Das hat für viel Furore gesorgt, was im Haldenwald passiert ist“, sagte der Bezirksvorsteher am Mittwochnachmittag. Die Beiräte hatten sich vor der Bezirksbeiratssitzung in Sonnenberg getroffen, um von dem Forstamtsleiter Hagen Dilling vor Ort den Holzeinschlag im Haldenwald erläutert zu bekommen. Seit Herbst vorigen Jahres treiben die vielen gefällten Bäume sowie die im Winter und Frühjahr stark vermatschten und zerfurchten Wege die Bürger um. Der Sonnenberg-Verein hatte sich eingeschaltet, die Grünen im Bezirksbeirat einen Antrag gestellt mit der Forderung, vom Forstamt Bericht erstattet zu bekommen. Am Mittwoch führte Dilling die Bezirksbeiräte und einige Interessierte durch den Wald und beantwortete die gestellten Fragen.

In Zukunft wird mit solchen Wintern geplant

Auf einer Karte zeigte Dilling die Bereiche mit Holzeinschlägen. „Wir haben uns entschlossen, einen größeren Bereich auf einmal zu bearbeiten und dann längere Zeit nicht zu kommen, weil wir von der Bevölkerung Kritik an den häufigen Holzeinschlägen bekommen haben“, erklärte er. Im Rotwildpark und im Kräherwald sei dieses Konzept der Blockbildung aufgegangen. „Das Problem vor Ort war der extrem milde Winter, es gab keinen Tag Frost“, sagte er. Daher habe man große Schwierigkeiten gehabt, die gefällten Bäume herauszutransportieren und die Wege seien stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Das hatten wir nicht auf unserer Rechnung,“, sagte Dilling. In Zukunft werde man aber mit solchen Wintern planen. Auf die Frage der Grünen, wie die Waldbewirtschaftspläne der Stadt aussehen, erklärte Dilling, dass es ein zehnjähriges Planwerk gebe. Man sammle jeweils im Vorfeld vielerlei Grundlagendaten: „Wo gibt es wie viel Alt- oder Jungholz, wie stark ist der Verbiss durch Rehwild, welche Bäume müssen gefällt werden und so weiter.“ Der Revierleiter gehe dann mit Fachplanern durch die Wälder und breche das Gesamtkonzept auf die einzelnen Gebiete herunter. Hierbei halte man sich an die Vorgaben des Gemeinderats, etwa ein Totholzkonzept umzusetzen sowie Waldrefugien einzurichten. Im Haldenwald befindet sich ein solches hinter der Sonnenbergklinik.

Die Steuerungsplanung richtet sich nach dem Markt

„Unsere Zielsetzungen sind, dass die Stadtwälder zu Erholung dienen sollen, dass dazu die Verkehrssicherheit gewährleistet ist, dass man den Naturschutz beachtet und dass man den Wald bewirtschaftet“, informierte Dilling. Hartmut Ellinger (Grüne) wollte wissen, ob nicht nur geschlagen, sondern auch gepflanzt werde. „Wir arbeiten hauptsächlich mit dem, was natürlich nachwächst“, verneinte Dilling. Dabei steuere man hin zu Arten, die eine stabile Entwicklung zu erwarten hätten. Beispielsweise versuche man, wo es möglich sei, Eichen herauszupflegen.

Warum der Einschlag im Haldenwald im Nachhinein nochmals erweitert wurde und weitere Fichten am Rand der Wohnbebauung im südöstlichen Teil entnommen wurden, konnte Dilling begründen: Sie litten an Rotfäule. An diesem Punkt ging er auch auf die Frage nach den Holzpreisen ein. „Der Holzeinschlag hängt nicht vom Holzmarkt grundsätzlich ab, konkret aber schon“, sagte er. Soll heißen: dass und wo gefällt wird, liegt im Bereich der Bestandsplanung. Wann genau, obliegt der Steuerungsplanung und die richtet sich nach dem Markt. „Wenn wir fällen, dann auch zu dem Zeitpunkt, wo wir den besten Preis erzielen.“

FSC-Zertifizierungsprozess für zweites Halbjahr geplant

Über den Sonnenberg-Verein hat das Amt mehrere Vorschläge für Habitatbaumgruppen erhalten. Die bestehen aus mindestens 100 Jahre alten Bäumen, die bis zu ihrem Zerfall bestehen bleiben. Diese Vorschläge könne man nicht Eins zu Eins umsetzen, sagte Dilling. Er erklärte sich aber bereit, über einige der Standorte erneut zu diskutieren.

Zum Thema Eschentriebsterben hatte Dilling keine abschließende Antwort. „Wir müssen abwarten, wie sich das auswirkt. Es gibt kein Gegenmittel.“ Es sei eine Option, an Standorten mit Eschenrückgang Eichen zu pflanzen. Zur Frage nach dem Stand der FSC-Zertifizierung – diese garantiert, dass Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammt – teilte Dilling mit, dass der Zertifizierungsprozess aufgrund eines Personalengpasses noch nicht angelaufen sei. „Ich bin zuversichtlich, dass wir im zweiten Halbjahr damit beginnen.“

Ob das Amt das neue Konzept des selteneren, dafür großflächigen Holzeinschlags wieder rückgängig macht, kann Dilling nicht sagen. „Wir haben die Kritik wahrgenommen und werden sie eingewichten bei der Überlegung, wie wir künftig vorgehen.“

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