Mitte März hat Pfarrvikar Jean-Rémy Kokaya Dalo das Pfarrhaus neben der Katholischen Kirche in Weil im Schönbuch bezogen. Foto: Claudia Barner

Der neue Pfarrvikar in Waldenbuch und Steinenbronn kommt aus dem Kongo. Parallel arbeitet er an seiner Dissertation über die Werke des Philosophen Heidegger. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es für ihn bei der neuen Stelle allerdings.

Waldenbuch/Steinenbronn - Während seiner Zeit in Bayern hat er seine Liebe zum Schweinebraten entdeckt. Jetzt muss sich Jean-Rémy Kokaya Dalo an Linsen, Saiten und Spätzle gewöhnen. Mitte März hat der 44-Jährige aus dem Kongo das katholische Pfarrhaus in Weil im Schönbuch bezogen. Als Pfarrvikar mit Halbtagsstelle übernimmt er einen Großteil der Aufgaben von Benjamin Hoch, der fünfeinhalb Jahre lang als Seelsorger für die beiden Pastoralbezirke Waldenbuch/Steinenbronn und Weil im Schönbuch/Dettenhausen zuständig war und Ende Februar in den Ruhestand gewechselt ist.

Aus der Sprechanlage der Pfarr-Wohnung ertönt eine kräftige Stimme: „Ich komme in einer Minute und mache auf.“ Die Unterlagen für die Besprechung mit dem Leitenden Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schönbuchlichtung, Anton Feil, müssen noch kurz sortiert werden. Den Termin mit der Zeitung hat Jean-Rémy Kokaya Dalo spontan dazwischen geschoben. „Es gibt sehr viel zu tun, und ich bin ständig unterwegs“, sagt er.

Unterhalten ist immer noch eine Herausforderung

Vieles ist neu. Der Seelsorger tourt durch die Gemeinden, wird vorgestellt und übernimmt erste Aufgaben. Eine Unterhaltung ist noch immer eine Herausforderung. „Deutsch ist wirklich eine schwere Sprache. Ich lerne, lerne und lerne. Mittlerweile denke ich, dass man mich gut versteht“, sagt Jean-Rémy Kokaya Dalo. Nach wie vor hat er Unterricht und feilt akribisch an seiner Aussprache.

Vor allem die Vorbereitung der Predigten erfordert Zeit. Nach Stationen in Haibühl, Bad Wildbad, Langenargen, Leinzell und Poltringen, wo er als Vertretung oder Aushilfe tätig war, gewinnt der 44-Jährige langsam an Sicherheit. „Es wird besser, aber ich muss mich wirklich gründlich vorbereiten“, verrät er. Letztlich aber seien die Rückmeldungen aus den Gemeinden inzwischen sehr positiv.

Seit Januar 2014 ist Jean-Rémy Kokaya Dalo in Deutschland. 5700 Kilometer liegen zwischen ihm und seinem Heimatort in der Demokratischen Republik Kongo in Afrika. „Ich bin im Kongo als zehntes von 13 Kindern geboren, habe dort Theologie und Philosophie studiert und bis zu meinem 40. Lebensjahr als Pfarrer gearbeitet“, erzählt er.

Betrachtung des Todes bei Heidegger

Als in ihm der Wunsch aufkam zu promovieren, bot ihm die Kirche ein Stipendium in München an. Dort arbeitet er seitdem an seiner Doktorarbeit. Sie beschäftigt sich mit der Betrachtung des Todes in den Werken des deutschen Philosophen Martin Heidegger.

Mit seiner Erfahrung, intellektuellem Tiefgang, seinem freundlichen Wesen und den ordentlichen Deutschkenntnissen konnte Jean-Rémy Kokaya Dalo beim Leitenden Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schönbuchlichtung von Anfang an punkten. „Der erste Eindruck war super“, sagt Anton Feil. Der neue Pfarrvikar sei ein sehr aufgeschlossener Mensch und könne sich schnell auf neue Situationen einstellen.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Aus der 100-Prozent-Stelle von Benjamin Hoch ist eine 50-Prozent-Stelle geworden. „Wir müssen die Aufgaben noch verteilen. Aber das klappt schon“, sagt Feil, der froh ist, dass es einen nahtlosen Übergang gegeben hat. Selbstverständlich war das nicht. Auf die Ausschreibung der Pfarrstelle hatten sich zwar drei Interessenten gemeldet. „Sie haben dann aber andere Prioritäten gesetzt“, berichtet der Leiter der Seelsorgeeinheit. Die Lösung mit dem studierenden Pfarrvikar aus dem Kongo sei deshalb ein gutes Ergebnis.

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