Das Holzmachen ist bei den Illis eine Familienangelegenheit. Foto: Claudia Barner

Wärme aus dem Kaminofen ist im Trend. Bei einer besonderen Aktion des Forstreviers in Waldenbuch lassen sich Schnäppchen machen. Wir erklären, wie das funktioniert.

Waldenbuch - Wer die Spannung und das Flair einer Auktion erleben will, muss nicht zu Christie’s oder Sotheby’s. Es reicht ein Ausflug in die Waldenbucher Stadiongaststätte. Dort treffen sich bei der Brennholzversteigerung Ende März all jene, die ihren feurigen Vorrat wieder auffüllen möchten. 250 Festmeter Polterholz kommen unter den Hammer, und schon jetzt sind die potenziellen Bieter im Wald unterwegs, um die am Wegesrand gelagerten Stämme unter die Lupe zu nehmen.

Auch Martin Illi hat sich die passenden Polter bereits ausgeguckt: vier Festmeter Buche in der Nähe seines Holzlagerplatzes. „Beim Steigern braucht man einen klaren Plan, sonst verzettelt man sich“, erzählt der 70-Jährige, der seit vielen Jahren Stammgast bei den Auktionen ist. Er weiß genau, wann er die Bieterkarte zücken muss oder wann er lieber zurücksteckt. „Es kommt schon vor, dass der Preis nach oben getrieben wird. Ich habe genug Vorräte, um dann auszusteigen“, verrät er.

Er wollte kein Sklave des Holzes mehr sein

Der Waldenbucher hat reichlich Erfahrung im Ersteigern und Zerkleinern von Baumstämmen. „Früher hatten wir eine Holzzentralheizung im Haus und haben jeden Winter 25 Festmeter Holz verheizt“, erzählt er. Nach zehn Jahren zog er den Schlussstrich. „Das war zu viel Arbeit. Da bist du der Sklave vom Holz“, sagt Illi.

Für den Schreiner im Ruhestand und seine Frau ist das Holzmachen seitdem wieder ein Hobby, das Spaß macht. „Wir befeuern jetzt nur noch unseren großen Kachelofen, mit dem wir im Winter fast alle Räume gemütlich beheizen können. Die Wärme ist mit nichts zu vergleichen“, erzählt er. Und das Holz einfach normal einkaufen? Nein, das käme für das Ehepaar nicht in Frage. „Das wäre viel zu teuer“, betont Martin Illi. Natürlich dürfe man die Arbeitszeit nicht mitrechnen. „Bis das Holz auf dem Lagerplatz liegt, müssen im Wald zwei, drei Tage lang alle mit anpacken“, berichtet er. Holzmachen ist bei den Illis Familiensache. „Wir arbeiten Hand in Hand. Die beiden Enkel sind dabei, und ein weiterer Angehöriger unterstützt uns“, sagt der 70-Jährige.

Das Holz müsse dann erst einmal drei Jahre lagern

Der Familienausflug in den Wald gleicht einer kleinen Prozession. Denn Martin Illi ist gut ausgerüstet. Zwei Schlepper, die Bandsäge und der Spalter helfen dabei, dass aus den meterlangen Baumstämmen in Windeseile handliche Stücke werden. „Das Holz muss dann drei Jahre lagern, damit es die richtige Feuchtigkeit zum Heizen hat“, erklärt er.

So professionell und erfahren wie der Holzfreund Illi sind nicht alle Bieter, die bei den Brennholzversteigerungen im Ritterstüble Platz nehmen. „Es kommen jedes Jahr neue Interessenten dazu. Holzmachen liegt im Trend, seitdem es immer mehr Kaminöfen gibt“, beobachtet die Waldenbucher Revierleiterin Stefanie Knorpp. Sie leitet die Auktionen und hat in diesem Jahr 77 Lose im Angebot. Die Försterin legt das Mindestgebot anhand der Marktlage fest und achtet auf Fairness. „Es kommt schon mal vor, dass zwei Bieter wegen persönlicher Differenzen den Preis nach oben treiben. Aber ich habe das im Griff“, versichert sie.

Sicherheit: Es muss mindestens zu dritt im Wald gearbeitet werden

In Waldenbuch werden ausschließlich Holzpolter versteigert. „Das sind Baumstämme, die entastet sind und am Weg bereitliegen“, erklärt Stefanie Knorpp. Früher habe es auch Flächenlose gegeben, aus denen das am Boden liegende Holz herausgeholt werden konnte. Wegen Sicherheitsbedenken sei man davon wieder abgekommen. „Die Flächenlosler sind oft allein unterwegs. Wir erwarten aber, dass wegen der Rettungskette mindestens zu dritt im Wald gearbeitet wird“, betont sie.

Auch sonst müssen die Bieter einiges beachten. Wer nach der Versteigerung einen Kaufvertrag unterschreibt, muss sich an klare Regeln halten. „Dazu gehören die Verwendung von Bio-Öl und Bio-Sprit in den Sägen, der Besitz eines Motorsägen-Führerscheins und die komplette Schutzausrüstung“, sagt Stefanie Knorpp. Und sie hat noch einen Tipp parat: „Viele Kunden sind auf die Buche fixiert. Dabei haben Esche und Ahorn einen vergleichbaren Brennwert, lassen sich zum Teil besser spalten und bei Esche auch länger lagern. Während die Buchenpolter heiß umkämpft sind, kann man hier also noch ein Schnäppchen machen.“

Die nächste Brennholzversteigerung des Forstreviers in Waldenbuch ist am Mittwoch, 20. März. Sie beginnt um 19 Uhr und ist im Restaurant Ritterstüble an der Echterdinger Straße 81. Wer mitmachen will, braucht eine Bieterkarte. Diese gibt es vorab in der Sprechstunde der Revierförsterin (donnerstags 16.30 bis 18.30 Uhr) im Neuen Rathaus am Marktplatz 5 oder am Tag der Versteigerung von 18 Uhr an. Bei Nachfragen ist die Revierförsterin Stefanie Knorpp während ihrer Sprechstunde auch telefonisch zu erreichen. Die Nummer lautet 07157/7 22 12.

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